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Handgeschriebener Edison-Phonograph-Patentantrag von 1878 für Britisch-Indien
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Autor Eintrag
DGAG
Mi Mär 11 2020, 21:01 Druck Ansicht
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
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Einträge: 397
Handgeschriebener Edison-Phonograph-Patentantrag von 1878 für Britisch-Indien

Einer von Edisons sehr wenigen, noch existierenden Patentanträgen aus dem Jahr 1878 für seinen Phonograph (Tinfoil Phonograph) mit dem berühmtem Satz "Invention for improvements in means for recording sounds and in reproducing such sounds from such records" (Erfindung zur Verbesserung der Verfahren zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Tönen aus solchen Aufzeichnungen). Frühe Dokumente mit originaler Unterschrift des Erfinders sind extrem selten, vor allem mit ausgeschriebenem, zweitem Vornamen "Alva", was Edison nur bei den wichtigsten Schriftstücken tat. Typisch für seine Unterschrift ab ca. März 1878 ist der "Umbrella" (Schirm). Eine berühmte, hier besonders spektakulär ausgeführte Signatur.



Zwischen dem 20. September 1877, dem Patentantrag für den Bundesstaat Kanada, Link - Hier klicken und dem 12. Oktober 1878, dem hier abgebildeten Patentantrag für Britisch-Indien, meldete Edison den Phonograph weltweit in gut einem Dutzend Ländern bzw. Britischen Kolonien an. Teilweise war der Phonograph dabei nur Bestandteil, zum Beispiel eines Telephonpatents.

Dass Edison zeitlebens so viele Patente beantragte, hatte auch und gerade mit seinem Geschäftsmodell zu tun. Wenn eine Erfindung nach langer Vorarbeit endlich patentfähig war, suchte Edison Geschäftsleute mit guten (internationalen) Kontakten, welche die Patentantragsgebühren übernehmen und Geldgeber finden sollten, um ihnen die Patentrechte teuer zu verkaufen. Der angestrebte Erlös lag gewöhnlich bei dem 50 bis 100fachen der Patentantragsgebühr. Obendrein wurden die Patentnehmer vertraglich verpflichtet, "ihre" Patente aufrecht zu erhalten. Dazu gehörte zum einen die umgehende Nutzung durch Produktion der patentierten Waren, zum anderen die Zahlung der jährlich steigenden Patentgebühren. Hatte sich der Patentnehmer verkalkuliert, wurde ihm das Patentrecht entzogen und er blieb auf seinen hohen Anfangskosten sitzen, die beim Kauf der Patentrechte angefallen waren.

Edison unterhielt natürlich seinen Patentanwalt, hatte ansonsten mit den anfallenden bzw. laufenden Kosten nichts mehr zu tun, verdiente, vertraglich festgelegt, jedoch kräftig beim Verkauf der Patentrechte bzw. Lizenzen mit. Diese an heutige Franchise-Unternehmen erinnernde Methode war in den ersten Jahren die Haupteinnahmequelle zur Aufrechterhaltung seiner Labore und Werkstätten.

Im Falle des Phonographen-Patents für Britisch-Indien hieß der Geschäftskontakt Theodore Puskas, ein aus Ungarn stammender und in New York lebender Elektroingenieur, der zunächst nur die Vermarktung von Edisons Telephon- und Phonographenpatenten in Europa plante, dann aber, nach ersten Erfolgen in England, im April 1878 auch die Gebühren für einige außereuropäische Länder bzw. Kolonien übernahm. Die Patentgebühr für Britisch-Indien betrug damals 220 US Dollar, ziemlich genau 45 Britische Pfund. Zum Vergleich: das durchschnittliche Jahreseinkommen in England betrug etwa 50 Britische Pfund.

Am 20. Mai 1878 waren die Dokumente fertig und wurden von Edison im Büro seines Patentanwalts Lemuel Wright Serrell unterschrieben, allerdings hatte dieser einen Fehler gemacht. Er übersah, dass Edison den Patentantrag für Britisch-Indien, damals Kronkolonie, in Gegenwart des Britischen Generalkonsuls in New York unterzeichnen musste. Während in den Monaten darauf die Patentanträge für alle anderen Länder angenommen wurden, kam der Antrag für Britisch-Indien Anfang September 1878 vom dortigen Patentamt unerledigt zurück. Serrell handelte schnell, ließ neue Dokumente anfertigen und kontaktierte Edison, die Angelegenheit unverzüglich abzuschließen um weitere Verzögerungen zu vermeiden.

Der Zeitpunkt war ungünstig, denn Edison beschäftigte sich gerade fieberhaft und ohne Pause mit der Erfindung der Verbesserung des elektrischen Lichts. Serrell mahnte den Besuch beim Britischen Generalkonsul in den Wochen darauf mehrmals schriftlich an und wurde dabei immer drängender: "Please let me have these papers." Als das elektrische Licht dann Anfang Oktober 1878 endlich patentfähig war, stürzte sich Edison mit seinem Team eine Woche lang auf die seinen Investoren schon "ewig" versprochene Weiterentwicklung des Phonographen für Diktierzwecke.

Am Samstag, dem 12. Oktober 1878 konnte sich Edison schließlich freimachen den Patentantrag, der rechtlich einen Schwur darstellte, bei Generalkonsul Archibald in New York abzuleisten. Nachdem zunächst der Erfinder seine Urheberschaft erklärt und mit seiner datierten Unterschrift dokumentiert hatte, datierte und unterzeichnete auch "EM Archibald HBM Consul Genl" (Edward Mortimer Archibald. Her Britannic Majesty's Consul General). Da die Papiere so lange unerledigt geblieben waren, musste Archibald den Monat September streichen und das richtige Datum einsetzen.

So kam es, dass Britisch-Indien der Nachzügler der eigentlich im Mai 1878 abgeschlossenen Serie der ersten Phonographen-Patentanträge wurde. Edison leistete Abertausende von Unterschriften und vergaß den Anlass wohl gleich wieder, aber dieser Vorgang dürfte ihm angesichts der Umstände länger in Erinnerung geblieben sein. Auch das macht dieses Dokument in meinen Augen zu etwas ganz Besonderem. Fortsetzung folgt.

[ Bearbeitet So Mär 15 2020, 14:12 ]
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DGAG
Sa Mär 14 2020, 11:33
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 397
Auf der Rückseite des oben abgebildeten Patentantrags befindet sich eine am 10. Dezember 1878 unterzeichnete Erklärung von William James Simmons. Dieser war Mitglied der Rechtsanwaltskanzlei Orr and Harriss, Hastings Street in Kalkutta - bis 1911 die Hauptstadt von Britisch-Indien. Das Schriftstück besagt, dass Orr and Harriss die Beauftragten von Edison zur Beantragung des umseitig angegebenen Phonographen-Patents sind, dass der Erfinder den Antrag selbst unterschrieben hat und dass der Inhalt desselben wahr ist.



Zu dem Patentantrag für Britisch-Indien gehört die Patentbeschreibung. Darüberhinaus die Zeichnungen, deren Verbleib mir nicht bekannt ist. Die Patentbeschreibung tauchte zwischenzeitlich auf und wurde im Jahr 2008 in einem amerikanischen Auktionshaus versteigert.
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veritas
So Mär 15 2020, 12:59
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 502
Eine hochinteressante Präsentation, die einzelnen Fassetten des wirklichen Anfangs sind in vielen Nieschen noch völlig im Dunklen und warten auf deren wissenschaftliche Ausleuchtung.

Danke für die Erhellung eines weiteren Mosaiksteins!
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