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Foren > Grammophone > Trichtergeräte
Grammophon Melba ca. 1906
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
PONOPHON
Do Apr 23 2020, 19:27 Druck Ansicht
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 167
Ende Oktober 2018 tauchte in der Bucht, wie viele hier schreiben, ein Melba Grammophon auf – selten genug! Der Zustand war nicht gerade berauschend – auf den ersten Blick. Der zweite Blick offenbarte aber, dass eigentlich nur der Motor samt Plattenteller, Bremse und Geschwindigkeitsregler, Kurbel und Trichter fehlten. Alles andere, vor allem die Teile, die ein Melba ausmachen waren vorhanden. Natürlich war mir klar, es wird nicht so einfach werden- und Zusatzkosten verursachen. Da es aber nur zwei Möglichkeiten gab, entschied ich mich für die, es zu erwerben. Für diesen Zustand war der Sofortkauf Preis recht hoch, aber auch die Option vorhanden, einen Preisvorschlag zu senden. Ich wollte nicht ganz unverschämt sein und habe meinen Vorschlag etwas über der Hälfte des angegebenen Preises angesetzt und prompt den Zuschlag erhalten! Es war ein Händler, der wohl wusste, dass es ein Melba ist und auch einen entsprechenden Wert repräsentiert, offenbar hat er aber den Zustand wohl mit eingerechnet und nicht erwartet den angegebenen Preis zu erzielen.
Nun aber die Bilder des Kauf Zustandes:











Noch bevor das Gerät geliefert wurde, habe ich mich auf die Suche nach passenden Ersatzteilen gemacht. Schon Anfang November konnte ich den Plattenteller aus einem Konvolut von Tellern aus den USA erwerben.



Die Bremse und den Geschwindigkeitsregler hatte ich selber bei meinen Teilen vorrätig. Wegen dem Motor habe ich viele Sammler und Händler angeschrieben und intensiv im Internet gesucht.
Als das Grammophon geliefert wurde habe ich es sofort von den fremden Teilen befreit, da sah das ganze schon viel besser aus:

















Erstaunlicherweise waren der Korpus und die originale Politur in super Zustand, den Lack konnte ich bis auf die obere Platte völlig erhalten.
Die Suche nach dem Motor war zu diesem Zeitpunkt sehr enttäuschend. Da mir da niemand wirklich weiterhelfen konnte, hat mich ein lieber Sammlerfreund mit einem ähnlichen Zweifedermotor beschenkt und mich auf die Idee gebracht den Motor zu rekonstruieren.
Ich habe schon manche kleineren Teile aus Messing selbst gegossen und nun beschlossen mich an der großen Motor-Trägerplatte zu versuchen. Dazu habe ich ein Holz Modell angefertigt. Aber die Bilder sagen mehr als tausend Worte. Eins möchte ich noch anmerken, ich habe diese Rekonstruktion immer als Übergangslösung betrachtet. Aber ich habe eben lieber ein schönes, funktionsfähiges Melba stehen, als eines ohne Motor. Der Dreifedermotor mit dem liegenden Fliehkraftregler dürfte nur kurze Zeit am Markt gewesen sein und er ist entsprechend selten. 1905 hatte das Melba einen Motor mit stehendem Fliehkraftregler und mein Monarch de Luxe von 1907 hat bereits den Nachfolge-Motor.







































Mitte März 2019 konnte ich dann ein Fragment des Originalen Motors erwerben.
Leider habe ich da kein Foto gemacht, ich habe nur das kleine, das noch von der Verkaufsanzeige aufzurufen ist.


Ich habe ihn bis jetzt liegen gelassen, irgendwie hatte ich die innere Befriedigung nun weitgehend im Besitz der originalen Teile zu sein und jederzeit den Umbau vollziehen zu können. Außerdem war die Rekonstruktion so viel Arbeit, dass es mir einfach zu früh war den rekonstruierten Motor wieder zu verwerfen. Aber nun ein Jahr später und der Corona Zeit zu verdanken, hatte ich wieder Zeit und auch Muße mich dem Thema zu widmen und habe das Gerät nun mit dem Original Motor ausgestattet. Wenn man genau schaut, ist der wesentliche Unterschied die Aufzugssperre, die beim originalen Motor massiver und auf einer anderen Welle ausgeführt ist.
Die fehlenden Teile, wie das Doppelfederhaus konnte ich aus meiner Rekonstruktion sehr gut verwenden.
Nun ist das Gerät für mich fertig, nur wenige Teile wurden ergänzt, diese könnten und werden auch falls originaler Ersatz auftaucht ausgetauscht. Ich bin mit der Maschine sehr zufrieden, sie ist eine Bereicherung für meine Sammlung und macht mir viel Freude.



Der originale Motor:



[ Bearbeitet Sa Mai 02 2020, 16:50 ]
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alang
Do Apr 23 2020, 22:46
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 624
Wenn man bedenkt, womit Du angefangen hast, RESPEKT! Das ist wirklich toll gelungen und so ein Melba ist den Aufwand auf jeden Fall wert. Gratuliere zu diesem schoenen Geraet und vielen Dank fuer die vielen Fotos.

Andreas
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Fehlmann1960
Fr Apr 24 2020, 07:29
Dabei seit: Do Dez 19 2013, 15:39
Wohnort: CH- 4492 Tecknau
Einträge: 364
Da war ein Meister am Werk!! Volle Hochachtung und Gratulation zu diesem schönen Zustand des Grammophons. Danke für die detaillierte Fotoreportage.

Gruss Thomas
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_-_-_
Fr Apr 24 2020, 09:14
Dabei seit: Do Mai 12 2011, 09:46
Einträge: 273
Wirklich genial! Danke für die Dokumentation.
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krammofoon
Fr Apr 24 2020, 09:38
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1232
Servus :-)

Ganz großes KIno!

Vielen Dank für die ausführliche Doku und vor allem den Willen, aus diesem Fragment doch etwas so schönes herzustellen.....

Gruss
Georg
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Remirus
Fr Apr 24 2020, 11:47
Dabei seit: Mi Jul 12 2017, 16:12
Wohnort: Heide (Holstein)
Einträge: 63
Auch von mir einen herzlichen Glückwunsch zu der Restauration und vielen Dank für die ausführliche Foto-Dokumentation. Eine Sache interessiert mich noch: Wie ist denn der Zustand der Schalldose und damit der Klang des Gerätes? Sie ist ja wohl nach dem Umbau nicht mehr benutzt worden.

Herzliche Grüße!
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DGAG
Fr Apr 24 2020, 16:17
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 413
Ein Top Ergebnis. Mit diesem Erscheinungsbild ist das Gramophone Melba eine Zierde jeder Sammlung. Schwer beeindruckt hat mich vor allem Dein Nachbau des Motors.

Es ist ein glücklicher Umstand gewesen, dass das Gehäuse, abgesehen vom erweiterten Motorausschnitt und ein paar Löchlein zu viel in der Deckplatte, in gutem Zustand war. Da kenne ich ganz andere Beispiele, z.B. mit viel Wurmfrass und/oder verpfuschter bzw. abgebeizter Lackierung sowie auch sonst viel Dilettantismus an allen Ecken und Enden.

Als ich das Gerät damals auf eBay gesehen habe war ich davon ganz eingenommen, weil es ein schönes Beispiel für die sinnvolle Nachnutzung eines, wohl in den 50er/60er Jahren, ziemlich wertlosen "Gerümpels" war. Auf diese Weise hat es zudem bis heute überlebt.

Konntest Du irgendwo eine Produktionsnummer finden?
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PONOPHON
Sa Apr 25 2020, 08:10
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 167
Vielen Dank für die Blumen! Das ist natürlich das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung. 1981 mit 15 Jahren habe ich mein erstes Grammophon erworben, ein Parlophon Lindex Koffergrammophon. Damals habe ich sofort den originalen, ausgeblichenen Plattentellersamt gegen einen neuen, dunkelgrünen Samt ausgetauscht. Die Schalldose neu lackiert und das Parlophon Abziehbild im Deckel nachgemalt und glänzend lackiert… Ein grausames Verbrechen aus heutiger Sicht. Diese Erfahrung musste ich vermutlich machen, die folgenden Jahre haben mir aber viel gelernt.





Das Gerät habe ich immer noch und werde mich auch nicht davon trennen. Den Samt habe ich in der Zwischenzeit gegen ein Stück alten Filz ausgetauscht, für den inneren Deckel mit dem Markenzeichen suche ich aber immer noch passenden Ersatz, ebenso für den äußeren Ring der Schalldose, da war ursprünglich auch ein Parlophon Schriftzug drauf. Man sollte meinen, dass es nicht schwierig sein kann diese Teile zu besorgen, ich habe aber in den letzten 39 Jahren nie ein gleiches Lindex gesehen, das man ausschlachten könnte (ein schönes Gerät würde ich nicht anrühren, auch wenn es billig wäre, das brächte ich nicht übers Herz).


Zur Frage der Qualität der Schalldose: Sie war bis auf die Membran-Gummis top in Ordnung, sogar die originale Wachsung der Verbindung des Nadelfühlers zur Membran war noch intakt. Sie hat die Seriennummer 107841. Als Membrane-Gummis nehme ich immer Fahrrad Ventilschläuche, die sind farblich dem Original sehr ähnlich, werden weiß mit den Jahren, verlieren aber nicht ihre Elastizität, auch nach Jahrzehnten nicht- entgegen anderer Meinungen. Erst kürzlich habe ich mit dem Melba im Garten, mit extra-Laut-Nadeln klassische Gramophone-Records gespielt, die Schalldose klingt hervorragend.


Seriennummer hat mein Melba keine mehr! Das Gerät habe ich aus England, ich denke aber es ist von der DGAG. Aus irgendwelchen (rechtlichen) Gründen dürften die Seriennummer und der DGAG Stempel am Boden entfernt worden sein. Ein ähnliches Phänomen habe ich bei einem Edison Suitcase Home, da wurde die Seriennummer abgefeilt und aus dem Reproducer auf der Drehbank professionell heraus gedreht.


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DGAG
Sa Apr 25 2020, 11:04
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 413
Dass man sich die Mühe macht die Seriennummer auszustemmen ist schon ungewöhnlich. Wollte man den Hersteller verschleiern? Jedenfalls ein ganz schöner Aufwand, inklusive nachlackieren. Auffallend sind zudem die Farbreste am Rand der Schreibenden Engel-Plakette auf der Deckplatte. Die hat man damals offenbar ebenfalls übermalt.

Für eine komplette DGAG-Inschrift ist die Ausstemmung zu kurz. Ich glaube daher, dass es ein Gramophone Co. Melba ist. Die Nummer müsste ein zweites Mal auf der Oberkante einer Gehäusewand eingeschlagen sein, sichtbar bei geöffnetem Deckel. Gibt es dort auch Spuren einer Entfernung?

Wo hattest Du denn die Kurbel her? Passt sehr gut.


[ Bearbeitet Sa Apr 25 2020, 11:14 ]
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Grammo-Klaus
Di Apr 28 2020, 10:12
Dabei seit: Mo Jan 27 2014, 11:46
Wohnort: Im sonnigen Westfalenland
Einträge: 375
R-E-S-P-E-C-T für Deine Restaurierungsarbeit an dieser Supermaschine. Es hat sich gelohnt. Daumen hoch.
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PONOPHON
Di Apr 28 2020, 14:38
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 167
Hallo Stephan,
auf der Oberkante der Gehäusewand ist auch keine Seriennummer zu sehen, auch keine Reste oder Entfernungsspuren. Aber ja, möglicherweise wurde es in England hergestellt.
Die Kurbel habe ich nach originalen Vorbildern dieser Art Kurbel nachgefertigt. Vorbilder dafür habe ich einige. Ich hatte sogar eine auf Vorrat, die aber zu kurz war. Den Schaft verlängern oder ersetzen und den Griff abnehmen um dann die Vernickelung wieder in Ordnung bringen zu bringen, wäre ein sehr großer Aufwand und trotzdem eine Ergänzung gewesen. Darum habe ich mich zur Nachfertigung entschlossen. Rückblickend betrachtet war das eine sehr gute Entscheidung, weil ich die zu kurze Kurbel zwischenzeitlich unverändert für ein französisches „Grammophone“ brauchen konnte.
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DGAG
Mi Apr 29 2020, 14:48
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 413
PONOPHON schrieb ...

Den Schaft verlängern oder ersetzen und den Griff abnehmen um dann die Vernickelung wieder in Ordnung bringen zu bringen, wäre ein sehr großer Aufwand und trotzdem eine Ergänzung gewesen.

Es gibt gute Repros für diese Kurbeln in den USA. Die Einheits-Schaftlänge passt natürlich fast nie. Ich habe mir unterschiedlich lange Messingdrehteile (mit Stahlstift als Mitnehmer) zum Aufstecken machen lassen. Das Drehteil kann man vernickeln oder auch so lassen. Sieht ja keiner. Der Holzgriff lässt sich passend zur Gehäusefarbe beizen.


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PONOPHON
Mi Apr 29 2020, 15:06
Dabei seit: Sa Dez 12 2015, 17:45
Wohnort: Österreich
Einträge: 167
Die rechte ist mein Nachbau, die anderen sind original. Ganz links ist die vom Gibson Automaten, die war nicht einmal vernickelt. Man sieht, dass alle etwas unterschiedlich sind, da kann man mit einem Nachbau nicht so viel falsch machen.

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DGAG
Mi Apr 29 2020, 18:26
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 413
Großartiges Foto. Wie die Orgelpfeifen! Die Kurbel von meinem Gibson hatte übrigens noch Reste von Vernickelung. Ist inzwischen wieder neu matt vernickelt.
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