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Graeme Bell - Wie eine australische Kapelle die tschechischen Musikfans begeisterte
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
snookerbee
Do Jul 16 2020, 12:56 Druck Ansicht
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1802

Graeme Bell war Pianist und Leiter einer Amateur-Jazzkapelle in Melbourne, Australien. Ein Bekannter von ihm arbeitete beim lokalen Büro der Kommunistischen Jugendorganisation, wo man offenbar den Gedanken hatte, über attraktive Musik das Interesse der Jugendlichen für Politik zu wecken. Da Bell also in diesem Umfeld bekannt war, kam man auf den Gedanken, seine Band als australischen Beitrag zum Weltjugendfestival 1947 in die Tschechoslowakei zu schicken. In jener Zeit war es gar nicht so einfach, eine solche Reise um den halben Globus zu organisieren. Die Partei hatte kaum genügend Mittel, so dass die von der Idee begeisterten Hobby-Musiker selbst einen Anteil leisten mussten. Sie kündigten ihre Jobs, verkauften Habseligkeiten, organisierten Konzerte, um Geld zu sammeln. Es kam grade so viel für eine Hinreise zusammen, gemeinsam mit den Lebensgefährten. Man begab sich also per Schiff auf eine fünfwöchige Fahrt mit ungewissem Ausgang.

Beim Weltjugendfestival in Prag wurde schnell klar, dass die australische Jazzband das Highlight der Veranstaltung war. Sie spielten in Konzerten vor 5000 Zuhörern, ihre Musik wurde per Lautsprecher auf den Wenzelsplatz übertragen und der nur für zwei Wochen geplante Aufenthalt musste auf vier Monate ausgedehnt werden. In dieser Zeit konzertierte Graeme Bells Kapelle in über 40 tschechischen Städten, gab musikalische Lektionen für einheimische Musiker, wirkte in einem Film mit und nahm schließlich mehr als ein Dutzend Plattenseiten für die tschechische Ultraphon auf. Der musikalische Einfluss der sympathischen Australier auf die tschechische Jazzszene nach dem Kriege war enorm und nachhaltig. Vielleicht auch, weil es eben keine distanziert professionell sich gebärdenden Amerikaner waren. Man denke nur an Rex Stewart, der den Berliner Session-Musikern im selben Jahr das Fürchten lehrte.

Warum Bells Gruppe nach dem tschechischen Gastspiel dann die Reise nach England und nicht nach Australien zurück antrat, kann ich anhand der mir vorliegenden Informationen nicht sagen. Jedenfalls traf man dort auf eine eingeschworene Musikszene, in der die Zugereisten kaum Fuß fassen konnten. Vorab anvisierte Auftritte erwiesen sich als Flops oder waren gar nicht verbindlich vereinbart worden und schnell wurden die finanziellen Mittel knapp. Wieder einmal mussten die Musiker ihr Hab und Gut verkaufen und auf teils merkwürdigen Wegen zu Geld kommen. Ein Bandmitglied verkaufte sich sogar als medizinisches „Modell“ für Röntgenaufnahmen seines Körpers! Nach einiger Zeit gelang es, auch durch Vermittlung von Humphrey Lyttelton, dem englischen Trompeter, eine stabilere Einkommensbasis zu schaffen, um die Rückreisetickets zu erarbeiten. Nach acht Monaten in England konnten die Australier endlich die Heimreise antreten.

Diese Geschichte, die als Grundlage für einen spannenden Film herhalten könnte, schreckte Graeme Bell und seine Musiker jedoch nicht ab, 1951 nach England zurückzukehren, wo dann auch Aufnahmen mit dem bekannten Blues-Sänger Big Bill Broonzy entstanden.

Quelle: „Australian Jazz in Europe“ von Bruce Johnson Link - Hier klicken
Dokumentation mit Fimlaufnahmen von 1947: Link - Hier klicken
Die tschechischen Aufnahmen von Graeme Bell (Titel 1-14): Link - Hier klicken

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DGAG
Do Jul 16 2020, 16:31
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 440
Danke für diese interessante Vorstellung. Der Name Graeme Bell sagte mir bisher nichts. Für eine Kurzinformation habe ich deshalb bei Wikipedia nachgesehen und las darin die überraschende Info, dass Graeme Bell im März 1973 bei der orchestralen Fassung der Rockoper "Tommy" von The Who aufgetreten ist.

Als Jugendlicher hatte ich das Tommy-Album im Schrank und sah später auch die Filmfassung. Mein Interesse war also geweckt. Leider hielt der Wikipedia-Eintrag einer Überprüfung nicht stand. Es war der englische Rockmusiker Graham Bell, der die Rolle des Erzählers in der Tommy-Aufführung in Australien sang. Man fragt sich schon wie es zur Verwechslung kam und warum das nicht schon korrigiert wurde.

Ich fand die betreffende Version der Rockoper auf Youtube: Link - Hier klicken Graham Bell tritt ab 14:06 auf. Ab 33:45 wird der Konzertfilm von einer eingeblendeten, psychedelisch angehauchten Ford-Werbung unterbrochen. Kurios! Diese Automarke war wohl auch der Hauptsponsor.
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