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Foren > Phonographen > Phonographen Firmen und Dosen
Die Pressfabrik von Pathé Fréres in Schloss Neu Steinhof bei Wien-Inzersdorf
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
DGAG
Do Jul 23 2020, 10:01 Druck Ansicht
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 448
Die Pressfabrik von Pathé Fréres (1909) in Schloss Neu Steinhof in Inzersdorf bei Wien

Nachdem Pathé Fréres sich zunächst wenig um den deutschen und österreichisch-ungarischen Markt gekümmert hatte, öffnete die Sprechmaschinenabteilung der französischen Firma im April 1908 in Wien I., Graben 15, ein großes Verkaufshaus. Die dort angebotenen, so genannten Pathé-Kunstplatten mit Tiefenschrift und Innenstart, welche mit einem kugelförmigen Saphir und nicht mit Stahlnadel abzuspielen waren, sollten vor allem das "feine und feinste Publikum" ansprechen.

Zunächst waren alle deutschsprachigen Pathéplatten von Walzen überspielt, welche das Edison-Importhaus Viktor P. Berger, Wien, bereits in den Jahren 1904 bis 1906 aufgenommen hatte. Erst im April 1909 machte Pathé Fréres einige Wochen lang im Wiener Verkaufshaus in einem neu eingerichteten Studio eigene Tonaufnahmen, um ein inzwischen dringend benötigtes, neues Repertoire zu erstellen.

Gleichzeitig mit den Tonaufnahmen begann Pathé Fréres eine moderne Pressfabrik in einem Flügel von Schloss Neu Steinhof in Inzersdorf bei Wien einzurichten. Der zuvor leerstehende, wuchtige Schlossbau mit seiner Eckgestaltung aus hervorstehenden Steinquadern bot viel Platz. Ich konnte über diese Pressfabrik, lieferfähig ab etwa Oktober 1909, in der Forschungsliteratur nichts finden, zumal bisher offenbar kein Originalfoto bekannt war.



Die Pressen waren sicherlich im Sockelgeschoss untergebracht. Dort war auch, auf dem Foto zu identifizieren, der "Eingang für Arbeiter." Über eine Außentreppe erreichten die Beamten ihre Büros im ersten Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss, welches Pathé Fréres offenbar nur zum Teil nutzte, siehe die selektiv geweißte Fassade, stelle ich mir die Direktionszimmer vor.
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berauscht
Do Jul 23 2020, 16:20
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1614
Ab Ende der zwanziger Jahre befanden sich Arletts Telraphonwerke in den Räumlichkeiten.
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veritas
Fr Jul 24 2020, 21:09
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 551
Mensch, jetzt noch einen Blick ins Innere, das wär's! *träum*
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Webseite
DGAG
Fr Jul 24 2020, 22:03
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 448
berauscht schrieb ...

Ab Ende der zwanziger Jahre befanden sich Arletts Telraphonwerke in den Räumlichkeiten.

Danke für den Tipp. Ich habe gelesen, dass Arlett am 1. September 1929 seine neue, große Telraphon-Fabrik in einem vormals "alten, verfallenen Haus" in Inzersdorf eröffnet hat. Es liegt natürlich nahe, aber hast Du einen Beleg gefunden, dass es sich dabei tatsächlich um die Räume der ehemaligen Pathé-Pressfabrik handelte?
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DGAG
Fr Jul 24 2020, 22:16
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 448
veritas schrieb ...

Mensch, jetzt noch einen Blick ins Innere, das wär's! *träum*

Ja, das wäre wirklich großartig, aber ich bin schon hochzufrieden über diesen Fund. Die Fotopostkarte hatte ein Franzose, offenbar ein Pathé-Mitarbeiter mit Namen Henri Godefroy, am 22. Juli 1911 von Inzersdorf an seine Frau in Maule, einer kleinen Gemeinde im Norden Frankreichs, geschickt. Pathé hatte ausdrücklich französisch sprechende Leute per Zeitungsannoncen für die neue Pressfabrik gesucht.
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berauscht
Di Jul 28 2020, 12:16
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1614
veritas schrieb ...

Mensch, jetzt noch einen Blick ins Innere, das wär's! *träum*

Hier ein Blick in das Parterre mit den vergitterten Fenstern, allerdings ca. 20 Jahre später bei Arlett. (Im Vordergrund die Nussbaum-Schatulle eines Telraphon Plattenspielers)

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veritas
Di Jul 28 2020, 15:53
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 551
Hui, damit hätte ich jetzt wirklich nicht gerechnet, vielen Dank!!
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Webseite
Telraphon
Mi Jul 29 2020, 23:59
Dabei seit: Mo Apr 03 2017, 18:57
Einträge: 222
Die Grafik ist leider nur in schlechter Auflösung verfügbar, zeigt aber ganz eindeutig das selbe Gebäude in der Gesamtansicht.


Weitere Ansichten aus dem Telraphonwerk, wobei das zweite Foto Rätsel aufgibt, es handelt sich dabei ganz eindeutig um einen Polyphonautomaten:


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berauscht
Do Jul 30 2020, 13:28
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1614
Telraphon schrieb ...

Weitere Ansichten aus dem Telraphonwerk, wobei das zweite Foto Rätsel aufgibt, es handelt sich dabei ganz eindeutig um einen Polyphonautomaten


Kann schon sein, dass wegen des Einfuhrzolls nur die einzelnen Bestandteile aus Deutschland eingeführt und diese dann bei Arlett montiert wurden.
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Telraphon
Do Jul 30 2020, 14:23
Dabei seit: Mo Apr 03 2017, 18:57
Einträge: 222
Zumindest für das Modell auf dem Bild lässt sich das ausschließen, denn ein solches Polyphon-Münzgerät mit 50-Heller-Einwurf und dem Export-Decal für Österreich, Böhmen & co. im Deckel wurde nachweislich über das Musikhaus Böhlke in Leipzig (Gundorfer Straße 12 bzw. Leipzig C1 Schuhmachergasse 2) vertrieben, ich kaufte es damals direkt aus Erstbesitz eines verstorbenen Leipziger Automatensammlers mit sämtlichem Zubehör und Unterlagen. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass man die Dinger in Teilen nach Wien brachte, und dann wieder zurück über Zoll & Grenze nach Leipzig transportierte. Andererseits ist ebenso unklar, warum Böhlke an einen damaligen Privatmann ein Gerät mit Heller-Automatik und Exportdecal statt mit Reichspfennig-Automatik und dem runden Decal für den Deutschen Markt verkaufte.
Vielleicht hatte sich ja Arlett auch eher auf Reparaturen solcher Automaten spezialisiert? Bzw. vielleicht auch auf die Umstellung der Münzsysteme auf andere Nennwerte....





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berauscht
Do Jul 30 2020, 18:30
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1614
Telraphon schrieb ...

Zumindest für das Modell auf dem Bild lässt sich das ausschließen, denn ein solches Polyphon-Münzgerät mit 50-Heller-Einwurf und dem Export-Decal für Österreich, Böhmen & co. im Deckel wurde nachweislich über das Musikhaus Böhlke in Leipzig (Gundorfer Straße 12 bzw. Leipzig C1 Schuhmachergasse 2) vertrieben, ich kaufte es damals direkt aus Erstbesitz eines verstorbenen Leipziger Automatensammlers mit sämtlichem Zubehör und Unterlagen. Es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass man die Dinger in Teilen nach Wien brachte, und dann wieder zurück über Zoll & Grenze nach Leipzig transportierte. Andererseits ist ebenso unklar, warum Böhlke an einen damaligen Privatmann ein Gerät mit Heller-Automatik und Exportdecal statt mit Reichspfennig-Automatik und dem runden Decal für den Deutschen Markt verkaufte.
Vielleicht hatte sich ja Arlett auch eher auf Reparaturen solcher Automaten spezialisiert? Bzw. vielleicht auch auf die Umstellung der Münzsysteme auf andere Nennwerte....


Hier passt etwas (zeitlich) nicht zusammen. Als Arlett in Inzersdorf begann gab es in Österreich schon die Schilling-Währung. In Böhmen (Tschechien) gibt es allerdings bis heute Kronen und Heller. Wenn es sich um österreichische Heller handelt, muss das Gerät von 1925 oder früher sein.
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