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Foren > Elektrisches Grammophon und anderes > Was sonst noch so tönte
Polnische Schallpostkarten
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
bavariola
Do Jan 14 2021, 03:19 Druck Ansicht
Dabei seit: Sa Jan 12 2013, 00:38
Einträge: 149
Guten Tag alle zusammen,

was ich heute vorzustellen habe, ist wohl am ehesten in der Rubrik "Was sonst noch so toente" unterzubringen: Polnische Schallpostkarten.

Mir war die Sache nicht neu; ich kannte derlei von gelegentlichen Flohmarkt-Einzelfunden schon vor rund 30 Jahren. Stets waren das in gewissem Sinne Kuriositaeten, niemals aber war das darueberhinaus irgendwie interessant. Vor einiger Zeit aber ist mir ein groesserer Posten in die Haende gefallen, und mit diesem - 32 Stueck umfassend - habe ich mich naeher befasst.

Dieses Foto zeigt 21 Stück aus diesem Posten:



Aeussere Merkmale:

Format zwischen 16,9 und 19,5 cm in der Hoehe und 14,4 und 15,3 cm in der Breite. All diesen Tontraegern gemein ist, dass sie augenscheinlich dreischichtig aufgebaut sind: Kunststoff-Papier-Kunststoff. Darin unterscheiden sie sich signifikant von den Schallpostkarten, die in Deutschland und in der Tschechoslowakei in den 60er Jahren vorkamen (Papier auf der einen Seite, Kunststoff auf der anderen). Manche Exemplare sehen aus, als sei die Papier-Einlage aus Geschenkpapier an beliebiger Stelle ausgestanzt, bei anderen ist die Papiereinlage mit einer Grafik mehr oder weniger ordentlich ausgerichtet. In keinem Falle hat das Bild-Motiv etwas mit der Aufnahme zu tun. Nicht immer sind die Zuschnitte so vorgenommen, dass das Mittelloch in der Mitte ist, und es sind auch nicht alle Zuschnitte genau rechtwinklig.

Was für den Unbedarften, der die polnische Sprache nicht kennt, wie ein (in verschiedenen Varianten vorkommender) Markenname aussieht, bedeutet indessen nichts anderes als "Schallpostkarte"; das kann man auch ohne Eingabe der polnischen Sonderzeichen bei Leo.org erfahren:



Die Rueckseiten sind in unterschiedlicher Manier beschriftet, und daraus scheint sich gleichwohl zu ergeben, dass es verschiedene Hersteller gegeben hat: Auf den Rueckseiten finden sich ueberwiegend ins Material eingepresste, ausnahmsweise auch gestempelte Belege. Die eingepressten Angaben sind teilweise sehr (!) schwach strukturiert; mit einem stumpfen Bleistift und Papier lassen sie sich so leidlich lesbar darstellen:



Nicht immer ist die Stempelung mit der gebotenen Sorgfalt vorgenommen worden:



Ebenso aufschlussreich wie interessant ist die Auswahl der Titel und Interpreten bzw. deren Schreibweise. Ein paar Beispiele: ROCK YOUR BABY von GEORDIE MC CRAE (Titel stimmt, Interpret nicht); CUM ON FEEL THE NOIZE von SLADE (hier ist es umgekehrt); es gibt einen P. Mc. CARTNEY, aber auch einen PAUL Mc CARTNEJ; besonders schoen finde ich TREVELLIN BAND von CREDENCE CREVONTNER REVIDAL. Es kommt ein DENIS ROUSOS vor, und man hört die RAY CITY ROLLERS, aber auf einer anderen Karte auch die BAY CITY ROLLES... Manches stimmt auch: CROCKODILE ROCK von ELTON JOHN oder THE TALK OF THE U.S.A., von MIDDLE OF THE ROAD. Wo ich schreibe "von" muesste es natuerlich jeweils heissen "angeblich von" oder "im Stile von", denn die Titel sind allesamt nachgespielt, mal recht ordentlich, mal rasch als Faelschung entlarvbar. HONEY HONEY von ABBA koennte von einem Schueler-Orchester nebst Schueler-Chor eingespielt worden sein; wenn die Platte nicht so einen starken Seitenschlag haette, waere das richtig niedlich. Wer mag sich eigentlich im Polen der 70er Jahre für FESTA MEXICANA (deutsch gesungen, Titel falsch, keine Interpretenangabe) interessiert haben oder für DAS HELLBERG DUO, das Lied ES WAR EIN ABEND singend (da geht es um die Lueneburger Heide)?... Uebrigens nehme ich an, dass die massiven Falschschreibungen weder Zufall sind, noch auf Unkenntnis beruhen, sondern dass man damit etwaigen Plagiats-, Urheberrechts- oder sonstigen Vorwuerfen entgegenwirken wollte, denn so viele Fehler koennen gar nicht durch Unkenntnis oder dergleichen zu Stande kommen.

Die Gravuren der Titel- und Interpreten-Angaben sind teils sorgfaeltig handschriftlich, in Ausnahmefaellen schlampig handschriftlich, und in vielen Faellen maschinell in die Matrize oder den Pressstempel eingebracht worden (nicht fotografiert).

Die Aufnahmequalitaet ist sehr unterschiedlich, und zwar zwischen recht ordentlich (in der Mehrzahl) bis einigermassen fragwuerdig (in der Minderheit).

Alles nichts Besonderes; keine Raritäten, keine Kostbarkeiten, Hoehepunkte der musikalischen Kultur erst recht nicht - aber es macht Spaß.

Zur Beachtung: Ich habe bisher darauf verzichtet, meine Bilddateien mit einem Wasserzeichen zu schuetzen, denn dadurch werden sie in aesthetischer Hinsicht unansehnlich bis unbrauchbar, und ich wuerde auch weiterhin gerne so verfahren. Umso mehr bitte ich die werten Leser/Nutzer, sollten sie beabsichtigen, meine Bilddateien weiterzuverwenden (gleichgueltig ob gewerblich oder nicht), zuvor mit mir Ruecksprache zu nehmen (e-mail siehe Profil), zumal ich, sollte ich erstmalig meine Arbeiten an anderer Stelle (Dissertation, Chronik, Fachbuch oder was auch immer) wiederfinden, augenblicklich die unschoene Wasserzeichen-Methode verwenden oder - was wahrscheinlicher ist - meine Arbeit konsequent ganz einstellen wuerde, und das ginge dann zu Lasten aller. Gerne gebe ich meine Arbeitsergebnisse frei, aber ich wuesste doch gerne, wofuer sie sie gebraucht werden und wohin sie gehen. Ich bitte um Verstaendnis und Beachtung. Herzlichen Dank!

Beste Gruesse an alle!

[ Bearbeitet Do Jan 14 2021, 13:18 ]
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snookerbee
Do Jan 14 2021, 09:59
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1820
Sehr kurios und spannend, daher auch schon wieder wertvoll.

Danke fürs Vorstellen, diese Art Postkarten war mir noch unbekannt, zumal mit nachgespielten Titeln!
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DGAG
Do Jan 14 2021, 20:25
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 525
Gibt es in Deiner Sammlung auch postalisch gelaufene polnische Tonpostkarten? Sie tauchen immer mal wieder auf, scheinen aber selten tatsächlich verschickt worden zu sein.
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bavariola
Fr Jan 15 2021, 00:53
Dabei seit: Sa Jan 12 2013, 00:38
Einträge: 149
Nein, postalisch gelaufene Stuecke sind nicht darunter; das betrifft auch die frueheren Flohmarkt-Einzelfunde. Den Zweck einer Postkarte scheinen diese Schallkarten in der Tat selten erfuellt zu haben.

Deutsche Schallpostkarten, die postalisch gelaufen sind, kommen ja gelegentlich vor, sind aber signifikant in der Minderheit. Natuerlich hat man aber in Deutschland auch eine hoehere Funddichte an deutschen Karten und somit auch groessere Chancen, ein postalisch gelaufenes Stück zu finden. Die sind dann allerdings mitunter entsprechend demoliert.

Besser finde ich die tschechoslowakische Variante: Da habe ich schon oefter Schallpostkarten mit dazugehoerigem Umschlag gesehen - und mir auf einem Flohmarkt als Belegexemplar ein Stueck gekauft. Das habe ich allerdings, da eigentlich nicht so wichtig, irgendwo vergraben. Wenn es wieder ans Tageslicht kommt, stelle ich es vor.

Beste Gruesse an alle!

[ Bearbeitet Fr Jan 15 2021, 01:28 ]
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Grammo
Fr Jan 15 2021, 10:50
Dabei seit: Mo Nov 23 2015, 21:53
Wohnort: Hannover
Einträge: 41
Die Colorvox Schallpostkarten aus der DDR findet man sehr häufig postalisch gelaufen und mit einem Grußtext versehen.

Allerdings wurden diese zusammen mit einem Umschlag verkauft und in der Regel auch in diesem verschickt.

Dem Empffänger diente der Umschlag dann meist noch als Cover, deshalb gibt es von dieser Sorte auch sehr viele hervorragend erhaltene Exemplare.
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Grammo-Klaus
So Jan 31 2021, 18:55
Dabei seit: Mo Jan 27 2014, 11:46
Wohnort: Im sonnigen Westfalenland
Einträge: 407
Ja definitiv kuriose Tonträger. Es gab sogar welche mit Beat-Musik, also Beatles, Herman s Hermits usw.
Die würde ich jetzt nicht als so uninteressant werten.
Klar, es sind keine High-End-Platten und auf keinem Fall mit der Stahlnadel abspielen, nicht auf dem Grammo, dann eher auf einem Vinyl-Player.
Ich habe einige der Beatles-Ton-Postkarten in meiner Sammlung.
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