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Gerhard Hoffmann
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Moonbeam
Mo Nov 28 2022, 12:52 Druck Ansicht
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Über Gerhard Hoffmann ist leider sehr wenig bekannt. Er wurde 1898 geboren (siehe Foto aus "Künstler am Rundfunk 1932") und taucht ab März 1927 mit der "Kapelle Gerhard Hoffmann" in Radioprogrammen auf. In Berliner Adressbüchern findet man ihn ab 1928 (im Anhang der erste Eintrag von 1928 und der letzte von 1938). 1927 bis vermutlich Anfang 1928 war er auch als Filmpianist in Riesa tätig. Am 30. Oktober 1927 bestritt er mit seiner Kapelle den Unterhaltungsteil einer großen Wohltätigkeitsveranstaltung der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger in der Wandelhalle des Reichstagsgebäudes. Die erste Plattenaufnahme, die ich auf die Schnelle gefunden habe, ist "Froschkönigs Fackelzug" auf Electrola aus dem Jahr 1928, aber Schellack-Experten und langjährige Sammler dürften hier sicher noch frühere Aufnahmen kennen (mich interessieren hauptsächlich die biografischen Details, in seine Plattenkarriere habe ich mich noch nicht vertieft).
Im Thread zum Hotel Excelsior wurde eine Werbeanzeige für Gerhard Hoffmann gepostet, leider ohne Jahresangabe: Link - Hier klicken

Mir ist Gerhard Hoffmann hauptsächlich durch seine Aufnahmen mit Rudi Schuricke Mitte der 1930er Jahre bekannt, danach "verschwindet" er. Ich hoffe, dass hier vielleicht jemand dazu beitragen kann, seine Biografie und seinen Verbleib zu klären.
Ich erhielt einen Hinweis zu einer Anzeige in "Künstler des Rundfunks 1938/39" (S. 310), in der es heißt, ein Kurt Papenberg habe kommissarisch die Leitung des "Tonfilm Orchesters Gerhard Hoffmann" übernommen (nun: "Berliner Tanz- und Konzertorchester").

Und vielleicht weiß jemand, in welchen Filmen die Kapelle Gerhard Hoffmann zu hören (oder sogar zu sehen?) ist, und unter welchen Pseudonymen möglicherweise Aufnahmen von ihm erschienen?












[ Bearbeitet Mi Nov 30 2022, 14:12 ]
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shellackotto
Mo Nov 28 2022, 21:03
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Der Kapellmeister Gerhard Hoffmann wurde am 7. Juni 1898 in Bernsdorf, Kreis Hoyerswerda geboren.

Am 21. September 1920, als er in der Stendaler Straße 13 in Berlin wohnte, heiratete er die Kontoristin Gertrud Niedanowski (geb. 6. Oktober 1899 in Berlin). Diese Ehe wurde am 1. August 1947 wieder geschieden.

Gestorben ist Gerhard Hoffmann am 9. Januar 1955 in Berlin-Wilmersdorf. In der Todesurkunde ist sein Beruf als Gastwirt angegeben und sein letzter Wohnort als Paretzer Straße 11/12 in Berlin-Wilmersdorf. Zum Zeitpunkt seines Todes war er mit Gerda Hoffmann, geb. Kabiersch verheiratet.

[ Bearbeitet Mo Nov 28 2022, 21:04 ]
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Moonbeam
Mo Nov 28 2022, 21:48
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shellackotto schrieb ...

Der Kapellmeister Gerhard Hoffmann wurde am 7. Juni 1898 in Bernsdorf, Kreis Hoyerswerda geboren.

Am 21. September 1920, als er in der Stendaler Straße 13 in Berlin wohnte, heiratete er die Kontoristin Gertrud Niedanowski (geb. 6. Oktober 1899 in Berlin). Diese Ehe wurde am 1. August 1947 wieder geschieden.

Gestorben ist Gerhard Hoffmann am 9. Januar 1955 in Berlin-Wilmersdorf. In der Todesurkunde ist sein Beruf als Gastwirt angegeben und sein letzter Wohnort als Paretzer Straße 11/12 in Berlin-Wilmersdorf. Zum Zeitpunkt seines Todes war er mit Gerda Hoffmann, geb. Kabiersch verheiratet.


Ok, jetzt habe ich ihn auf Ancestry auch gefunden. Danke schön!

Ach du....! "Freitod durch Veronalvergiftung". Wie traurig.

Das wirft natürlich neue Fragen auf. Warum gab er seine Kapelle auf? Warum hört man nach 1938 nichts mehr von ihm?

Sein letzter Wohnort war Bundesplatz 10 - gestorben ist er im Krankenhaus an der Paretzer Straße.

Der Gastwirt Gerhard Hoffmann taucht bereits 1938 im Adressbuch auf: siehe obigen Ausschnitt. Ist es plausibel, dass dieselbe Person zweimal auftaucht? (Ich frag' nur, ich weiß es ja nicht.)

[ Bearbeitet Mo Nov 28 2022, 22:27 ]
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shellackotto
Di Nov 29 2022, 18:35
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Feb 15 2022, 21:53
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Ich hätte wirklich genauer hingucken sollen. Ich habe nicht nur die Adresse des Krankenhauses mit seiner Wohnung verwechselt, sondern auch übersehen, dass er sich selbst umgebracht hat.

Dummerweise ist der Name Gerhard Hoffmann extrem häufig, selbst in Berlin, wie die Adressbücher zeigen. Das macht es schwierig, mehr herauszufinden. Trotzdem glaube ich nicht, dass er 1938 gleichzeitig Kapellmeister und Gastwirt war.

Warum er nach 1938 in der Versenkung verschwindet, weiß ich auch nicht. Habe keine Hinweise auf einen Militärdienst gefunden. Religion ist keine angegeben in der Heiratsurkunde. Selbst wenn er nur jüdischer Abstammung gewesen wäre, hätte er wahrscheinlich 1938 schon lange nicht mehr öffentlich auftreten können.

Er war jedenfalls fleißig im Aufnahmestudio tätig:
Kalliope K1206 (1929): Link - Hier klicken
Kalliope K1207 (1929): Link - Hier klicken
Kalliope K1608 (1930): Link - Hier klicken
Rot-Blau 9606 (1931): Link - Hier klicken
Grammophon 10054 (1933): Link - Hier klicken
Kristall 3522 (1935): Link - Hier klicken und Link - Hier klicken
Kristall 3571 (1935): Link - Hier klicken

Im Film:
"Kampf" (1932): Link - Hier klicken
(Ein Rennwagenfahrer-Drama der Elite-Film A.G. mit Manfred von Brauchitsch)


[ Bearbeitet Di Nov 29 2022, 19:07 ]
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Moonbeam
Di Nov 29 2022, 22:17
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Nov 07 2020, 10:38
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Ich habe bisher drei Filmausschnitte gefunden, in denen man ihn sieht:
Ein ausgekochter Junge (1931):
Link - Hier klicken und länger: Link - Hier klicken

Und in Spiel an Bord (1936):
Link - Hier klicken
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Moonbeam
Mi Nov 30 2022, 10:10
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Nov 07 2020, 10:38
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shellackotto schrieb ...


Dummerweise ist der Name Gerhard Hoffmann extrem häufig, selbst in Berlin, wie die Adressbücher zeigen. Das macht es schwierig, mehr herauszufinden. Trotzdem glaube ich nicht, dass er 1938 gleichzeitig Kapellmeister und Gastwirt war.



Allerdings!
Was ich *glaube*, ist dass einfach aus irgendwelchen Gründen der alte Eintrag noch stehen blieb (Versehen, Versäumnis oder Absicht - falls möglich) - und es kann ja schon sein, dass er anfangs noch zweigleisig fuhr, bis er einen Nachfolger gefunden hatte.

Sein Geburtsort ist eine ganz kleine Stadt, und eine Familie Hoffmann gründete dort 1872 eine Glashütte. Möglicherweise lässt sich da noch etwas finden.

Danke für die ganzen musikalischen Links, und besonders die Jahresangaben!

[ Bearbeitet Mi Nov 30 2022, 10:11 ]
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Moonbeam
Fr Dez 02 2022, 21:07
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Nov 07 2020, 10:38
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Beiträge: 84
Die Berliner Adressbücher geben folgendes her:

1928 - 1933: Quitzowstraße 127
1934 - 1938: Würzburger Straße 17
ab 1938 bis zu seinem Tod: Kaiserplatz 10 (ab 1950: Bundesplatz 10).

Vorher finde ich ihn nicht in Berlin. In der HU (1920) steht bei allen Beteiligten (Braut, Bräutigam und beide Zeugen) dieselbe Adresse, nämlich Stendaler Str. 13. Das deutet auf eine Pension oder ähnliches hin?

Zum Zeitpunkt, als die Gaststätte bereits geschlossen war, kurz vor Abriss des Gebäudes für die Umgestaltung des Bundesplatzes Mitte der 1960er Jahre, hieß sie "Granada-Bar".
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berauscht
Fr Dez 02 2022, 21:33
"Urgestein" Autor

⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Jan 06 2010, 21:59
Beiträge: 1873
Moonbeam schrieb ...

Vorher finde ich ihn nicht in Berlin. In der HU (1920) steht bei allen Beteiligten (Braut, Bräutigam und beide Zeugen) dieselbe Adresse, nämlich Stendaler Str. 13. Das deutet auf eine Pension oder ähnliches hin?

Es genügt wenn eine der Personen dort eine Wohn- oder Geschäftsadresse dort hatte. Die anderen waren dann dort gerade zu Besuch.
Hausparteien im Adressbuch 1920


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Musikmeister
So Dez 18 2022, 12:39
Autor
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1033
berauscht schrieb ...

Moonbeam schrieb ...

Vorher finde ich ihn nicht in Berlin. In der HU (1920) steht bei allen Beteiligten (Braut, Bräutigam und beide Zeugen) dieselbe Adresse, nämlich Stendaler Str. 13. Das deutet auf eine Pension oder ähnliches hin?

Es genügt wenn eine der Personen dort eine Wohn- oder Geschäftsadresse dort hatte. Die anderen waren dann dort gerade zu Besuch.
Hausparteien im Adressbuch 1920





Die Bezugsperson ist wohl die Witwe Emma Wadai (Waddei), dessen Sohn Georg einer der Trauzeugen bei der Hochzeit Gerhard Hoffmanns war. Bei der Hochzeit dieses Musikers Georg Waddei im April 1922 war dann einer der Trauzeugen Rosé Petösy. Georg Waddei ist 1933 früh im Alter von 37 Jahren verstorben.
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SchwarzesGold
Do Dez 29 2022, 19:31
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 23 2015, 22:06
Wohnort: Pusemuckel
Beiträge: 36
Also, ich kann folgendes dazu beitragen.
Ein Bekannter hat vor bereits mehr als dreißig Jahren, damals noch lebende Musiker der Berliner Musikszene der Vorkriegszeit zu den unterschiedlichsten Sachverhalten befragt. Dabei wurde von einem (oder mehreren) dieser Personen erwähnt, daß Gerhard Hoffmann nach seiner Musikerlaufbahn in Berlin als Gastwirt tätig war. Diese Information macht die Vermutung zur Tatsache. Zudem wurden meines Wissens nach 1938 keine Schallplatten mehr mit ihm produziert. Das ist zwar kein Indiz für den Berufswechsel, könnte aber durchaus indirekt damit in Verbindung stehen.
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Calle
Fr Dez 30 2022, 00:39
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Apr 18 2011, 10:57
Wohnort: Emmerich am Rhein
Beiträge: 290
Postkarte mit Widmung und Autogramm aus meiner Sammlung...
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