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Frederick Marion Prescott - Odeon, International Talking Machine Company
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So Mai 27 2012, 23:06 Druck Ansicht
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Quelle: Phonographische Zeitschrift (21. März 1907)

In der Geschäftsleitung der International Talking Machine Co. m. b. H. [Berlin] Weissensee ist vor einigen Tagen ein Direktionswechsel eingetreten. Sowohl der Gründer der Gesellschaft, Herr F. M. Prescott, als auch der seit etwa einem Jahre dort tätige Direktor Herr Leo B. Cohn sind ausgetreten, nachdem schon Herr Prescott vor längerer Zeit seine kapitalistische Beteiligung an der Gesellschaft, welche den grössten Teil der Geschäftsanteile Talking Machine Co. besitzt, abgetreten hatte. Herr Prescott geht nach Amerika zurück, nachdem er nunmehr seit ca. fünf Jahren in Deutschland gelebt hat und einer der tatkräftigsten Förderer der deutschen Platten-Industrie gewesen ist.

Um so mehr darf man das Fortgehen des Herrn Prescott bedauern, als alle, die geschäftlich mit ihm in Berührung getreten sind, wissen, dass er ein überaus liebenswürdiger Charakter ist, der mit hoher geschäftlicher Intelligenz die Gabe verband, mit allen, mit welchen er geschäftlich zu tun hatte, auf gutem Fusse zu stehen. Die Odeon-Gesellschaft hat sich unter seiner Leitung zu einem der einträglichsten Unternehmen der deutschen Sprechmaschinen-Industrie ausgebildet.

Quelle: Die Sprechmaschine" (April 1907)

F. M. Prescott, der Gründer der Internationalen Zonophon Compagnie, der diese
Gesellschaft im Jahre 1901 nach Deutschland brachte, gehörte zu den Pionieren der Branche.
Seine Interessen bezogen sich allerdings nur auf Platten. Als im Jahre 190429 sein eigenes Unternehmen gegen seinen Willen auf die Grammophon-Gesellschaft überging, begründete er die International Talking Machine Co., die Fabrikantin der Odeon-Platten.

Darüber hinaus organisierte Herr Prescott eine besondere Gesellschaft in London [= The International Phonograph & Indestructible Record Co. Ltd in Liverpool?] und die Fonotipia Co. in Mailand. In den letzten Jahren ist es nach anfänglichen Misserfolgen Herrn Prescott gelungen ein grosses Vermögen zu erwerben, und er kehrt befriedigt in seine Heimat New York30 zurück. Erst durch diesen Mann wurde es offenbar, dass die Fabrikation der Platten kein Patent sei, und ihm müssen alle neueren Plattenfabriken für die Anregung der Idee dankbar sein. Herr Prescott hat sich in Deutschland jeder Zeit der weitesten Sympathien der gesamten Branche erfreut, und wir sehen ihn mit Bedauern Deutschland und den europäischen Boden verlassen.

Einen Monat später, Phonographische Zeitschrift

“Von Herrn F. M. Prescott, dem bisherigen Direktor der Odeon-Gesellschaft, erhielten wir dieser Tage ein Lebenszeichen aus Amerika. Herr Prescott hat sich in Riverdale [New Jersey], 40 km von New York, einen grösseren Landsitz gekauft, und gedenkt vorläufig im beschaulichen Landleben sich von den Anstrengungen der letzten Jahre auszuruhen.”
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GrammophonTeam
So Mai 27 2012, 23:53
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Am 11. Juli 1903 verließ Prescott die INTERNATIONAL ZONOPHONE COMPANY, blieb aber einer der hauptsächlichen Aktienhalter der ZONOPHONE.

Phonographische Zeitschrift, 19 August 1903:
Ich habe soeben eine neue Gesellschaft gegründet, welcher ein mehr wie drei mal grösseres Barkapital zur Verfügung steht als seinerzeit der International Zonophone Company.
Die Aufnahme-Ingenieure welche mit mir zusammen in der International Zonophone Company waren [Dan Smoot, Edwin Pancoast, Raymond Glötzner and Hans Glötzner], sowie ein grösserer Teil der leitenden Angestellten haben nach meiner Resignation ihre Stellung in dieser Gesellschaft niedergelegt, um mir in die neugegründete Gesellschaft zu folgen. Eine neue Fabrik mit verbesserten Maschinen ist nunmehr beinahe fertig.

Zeitschrift für Instrumentenbau, 14 November 1903:
In das Berliner Handelsregister wurde eingetragen: Internationale Talking Machine Company mit beschränkter Haftung. Kaufmann Frederic M. Prescott

Phonographische Zeitschrift, 11 Januar 1906:

Aus der Berliner Sprechmaschinen-Industrie

Wir hatten kürzlich Gelegenheit, mit Herrn Prescott, dem Direktor der INTERNATIONAL TALKING MACHINE Co., welche in [Berlin-] Weissensee die ODEON-Platten fabriziert, eingehend über die augenblickliche Geschäftslage zu sprechen.

Herr Prescott teilte uns mit, dass gegenüber dem vorigen Jahre sich der Umsatz in den letzten Monaten auf das Doppelte belaufen hätte. Trotzdem durch einen Umbau die Presserei um 1/3 vergrössert wurde, musste doch in der letzten Zeit in zwei Schichten gearbeitet werden, indem die Hälfte der neunzig Presser von morgens 6 Uhr bis nachtmittags 3 Uhr und die andere Hälfte von nachmittags 3 Uhr bis nachts 12 Uhr arbeitete.

Welche grossen Quantitäten in diesem Betriebe hergestellt werden können, ist ohne weiteres klar, es kommt aber noch hinzu, dass seit einigen Monaten auch in Wien [Schwechat] und London [Hertford] Pressereien für ODEON-Platten eingerichtet sind.
In Wien werden speziell die ungarischen, böhmischen, türkischen und griechischen Platten gepresst und in London ist der Betrieb schon so gross, dass täglich 2000 englische Platten fertiggestellt werden.
Durch die Einrichtung dieser beiden Filialfabriken ist die Weissenseer Fabrik so weit entlastet worden, dass nunmehr an eine energische Behandlung des deutschen Geschäftes geschritten werden kann, welches bisher gegenüber dem auswärtigen ein wenig vernachlässigt worden ist.

Seit kurzem hat die Gesellschaft Herrn Brübach, der während der letzten sieben Jahre bei der Grammophon Gesellschaft tätig gewesen ist, für die Forcierung des Deutschen Geschäftes angestellt.
Es werden gegenwärtig täglich eine grosse Anzahl neuer deutscher Aufnahmen hergestellt, und in kurzem kommt ein sehr vervollständigtes deutsches Repertoir heraus. Auch wird demnächtst in de Ritterstrasse ein Lokal für das deutsche Verkaufsgeschäft der Odeon-Platten sowohl als für Aufnahmen eingerichtet.


Von ganz besonderen Interesse ist das Verhältnis der INTERNATIONAL TALKING MACHINE Co. zu der Gesellschaft FONOTIPIA Mailand. Diese Gesellschaft, welche in engster Fühlung mit den allerersten italienischen Sängern steht, selbst aber über einen technischen Betrieb nicht verfügt, hat mit der Weissenseer Gesellschaft [ODEON] ein Abkommen getroffen, nach welchem diese für Fonotipia die Aufnahmen ihrer Sänger und die Herstellung der Platten zu bewerkstelligen hat. Gleichzeitig hat die Weissenseer Gesellschaft auch den Allein-Verkauf der italienischen FONOTIPIA-Platten für Deutschland.

Die jüngsten Vorgänge in Amerika, welche wir in unserer letzten Nummer besprochen haben, veranlassten eingehende Aüsserungen des Herrn Prescott über die dort eingeführten Preis-Reduktionen für Platten. Herr Prescott ist der Ansicht, dass in Deutschland nicht die geringste Aussicht vorhanden ist, dass eine der grossen Platten-Fabriken dem Amerikanischen Beispiel der Preisreduktion folgen wird und zwar aus dem Grunde, weil die europäischen Verhältnisse ganz anders liegen als die amerikanischen.
Man macht hier viel grössere Ansprüche in Bezug auf die Qualität der Aufnahmen, wie auch auf die Vielseitigkeit des Repertoirs.
Infolgedessen ist es für die Plattenfabrikanten notwendig, Aufnahmetechniker auf Reisen zu schicken, die Kosten der Aufnahmen werden infolgedessen und infolge der höheren Honorare der Künstler bedeutend grösser und der Absatz der von den einzelnen Matrizen hergestellten Platten ist bei weitem geringer als in Amerika.
So beträgt schon jetzt das Repertoir der ODEON-Platten annäherend 11.000 Piècen, während deie weit älteren grossen amerikanischen Firmen meist nur über ein Repertoir von einigen Tausend Platten verfügen.

Übrigens ist Herr Prescott vollständig überzeugt, dass der neue Blumentrichter die alte Form vollständig verdrängen wird, denn der Ton wird vergrössert und verschönert, und das Interesse für die Neuheit ist in den Händlerkreisen ausserordentlich gross.
Herr Prescott konnte uns bei dieser Gelegenheit ein Kompliment über die Wirkung der Inserate in unserer Zeitschrift machen, indem er in keiner anderen Zeitschrift inseriert und konstatiert hatte, dass das erste Inserat des Blumentrichters, welches die ODEON-Gesellschaft in der Phonographischen Zeitschrift veröffentlicht hatte, viele Hunderte von Anfragen gebracht hatte, wodurch die Erwartungen des Herrn Prescott bei weitem übertroffen wurden.
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GrammophonTeam
Di Jan 07 2014, 00:24
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Frederick Marion Prescott in Talking Machine World 1906

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