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Die Abels
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berauscht
Wed Jul 18 2012, 19:40pm Print View
"Urgestein" Autor

Joined: Wed Jan 06 2010, 21:59pm
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Die Abels

waren ein Gesangsquartett unter der Leitung von Prof. Paul Abel. Die Mitglieder dieser Gruppe stammten aus Ungarn. Ab 1928 machten sie in Berlin für die Homophon Company Schallplattenaufnahmen, und wurden von der Firma als "die begabtesten deutschen Gesangs-Jongleure im Stil der Revellers" beworben.



Die Abels bei Homocord, 1928

(wird Fortgesetzt)
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humoresk
Thu May 23 2013, 00:14am
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Joined: Sun Jun 10 2012, 16:06pm
Posts: 351
Nachdem von den Abels im Forum schon lange keine Rede mehr war, habe ich 'mal eine kleine Reihe in meinem Sender gestartet. Vielleicht haben andere Kollegen ja auch Lust, ihren Plattenschrank in dieser Richtung zu öffnen?

Wie so viele Märchen, die von den Comedian Harmonists durch die populärwissenschaftlichen Sphären geistern, ist auch die Behauptung falsch, das Ensemble sei das erste gewesen, das Musik und Stil der Revelers ins Deutsche übertragen habe. Diese Ehre gebührt vielmehr den Abels: Am 28. Juni 1928 spielten die Abels die ersten beiden veröffentlichten Aufnahmen im Stil der Revelers ein, fast zwei Monate vor den Comedian Harmonists! Die Harmonists hatten zwar bereits im Mai eine Testplatte für die Deutsche Grammophon aufgenommen, die jedoch mangels Qualität verworfen worden war.

Auch die Abels haben bei ihren ersten Versuchen im Plattenstudio wohl noch nicht ganz den Ton getroffen - bildlich ausgedrückt -, bei der Odeon blieb es jedenfalls ihr einziges Gastspiel. Das ist übrigens durchaus interessant, denn die Odeon nahm ab August die Comedian Harmonists unter Vertrag, während die Abels - nach tollen Aufnahmen auf Homocord - Ende der 1920er Jahre zur Deutschen Grammophon wechselten, die inzwischen mehr oder minder verzweifelt auf der Suche nach einer würdigen Konkurrenz für die Comedian Harmonists war.

Wirklich ebenbürtig wurden die Abels ihren großen Rivalen nie. Zwar dürften sich die frühen Platten beider Gruppen gemessen an ihrem heutigen Auftauchen ähnlich (schlecht!) verkauft haben, aber mit dem kometenhaften Aufstieg der Comedian Harmonists ab etwa 1930 konnten die Abels nicht mithalten. Erstere wurden daher im Berliner Volksmund auch die "Kains" genannt. Trotzdem: Die Platten der Abels sind hörenswert, die Titel immer spannend gewählt und mit viel Liebe zu musikalischen Details arrangiert. Die Interpretationen mögen von dem vor allem in frühen Jahren starken Akzent der ungarischen Sänger etwas beeinträchtigt werden, sind aber vielleicht gerade deshalb ein so unschätzbares Zeitdokument.
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Gast
Thu May 23 2013, 06:21am
Guest
Vor ein paar Jahren hatte ich bei einem Trödler zwei, drei Platten der Abels auf "Grammophon" gekauft. ( Bimbambulla, Nanu, schönes Fräulein etc)

Die habe ich dann an einen Sammlerfreund weitergegeben.

Wir waren sehr erstaunt, daß das Aufnahmedatum des "Bimbambulla" scheinbar vor dem Aufnahmedatum des Titels mit den Comedian Harmonists lag.

Schon da wurde klar, daß die vermeintlichen "Kopisten-Gruppen" diesen neuzeitlichen Sammlerbegriff nicht immer verdient haben....

Gruß, Nils
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humoresk
Thu May 23 2013, 09:56am
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Joined: Sun Jun 10 2012, 16:06pm
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Die Comedian Harmonists haben oft "gecovert", wie man das neudeutsch nennen würde, z.B.:

  • "So blue" = "Ninon, du süße Frau": Revelers, 25.3.1927 => Comedian Harmonists, 18.8.1928
  • "Bimbambulla": Abels, Mai 1929 => Comedian Harmonists, 22.8.1929
  • "The woman in the shoe" = "Fünf-Uhr-Tee bei Familie Kraus": Revelers, 21.3.1930 => Comedian Harmonists, 30.1.1931
  • "When Yuba plays the tumba on the tuba" = "Onkel Bumba aus Kalumba": Revelers, 24.7.1931 => Comedian Harmonists, 1.6.1932
  • "Irgendwo auf der Welt": Abels, Juli 1932 => Comedian Harmonists, 1.9.1932
  • "Humoreske" = "Eine kleine Frühlingsweise": Kardosch-Sänger, Februar oder März 1933 => Comedian Harmonists, 29.9.1933
  • "Ein wenig/bisschen Leichtsinn kann nicht(s) schaden": Humoresk Melodios, 17.4.1934 => Comedian Harmonists, 21.8.1934

Man muss aber fairerweise ergänzen, dass manche Stücke, die scheinbar voneinander abgekupfert wurden, damals einfach in der Luft lagen und oftmals von verschiedenen Gruppen nahezu zeitgleich eingespielt wurden, z.B. "Ich hab' ein Zimmer, goldige Frau" (Abels - Harmonists), "Ich küsse Ihre Hand, Madame" (Abels - Harmonists), "Wenn der weiße Flieder wieder blüht" (Abels - Harmonists), "Baby, du hast dich verändert" (Abels - Harmonists), "Der alte Cowboy" (Kardosch-Sänger - Harmonists) u.v.m.

Viele Grüße,

Josef
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GrammophonTeam
Fri Jun 21 2013, 00:32am
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Von Barnabás


Nach der sehr schönen Arbeit von humoresk über die Gesangsgruppe "Die Abels" möchte ich gerne eine kleine Ergänzug beisteuern.
Auszüge aus Schallplattenkatalog sollen nun die Arbeit unterstreichen oder abrunden.

Viel Spass und Gruss B.




Hauptkatalog der Grammophon 1930










Es folgt ein Sammelnachtrag der Kristall aus dem Jahr 1931







Kristall Hauptkatalog 1931







Ultraphon Hauptkatalog 1931






Es folg eine Tri Ergon Mitteilung






Es folgt der Telefunken Hauptkatalog von 1933




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humoresk
Fri Jun 21 2013, 18:46pm
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Vielen Dank ans GrammophonTeam für's schöne Layout und die Gestaltung des Abels-Artikels! Und herzlichen Dank an "Barnabas" für die vielen Plattenkataloge! Wow!

Liebe Grüße,

Josef
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_-_-_
Fri Nov 28 2014, 14:03pm
Joined: Thu May 12 2011, 09:46am
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Ein Katalogauszug von 1930:

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GrammophonTeam
Mon Apr 06 2015, 21:21pm
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Die Abels auf Homocord

Dezember 1928
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Formiggini
Tue May 26 2015, 15:32pm

Joined: Tue Dec 28 2010, 19:20pm
Posts: 1579
Ein Schnipsel zur Vorgeschichte der Abels...

Schon vor der Vokalgruppe trat der Pianist mit "Professor Abels Simultanoper" in Berliner Kabaretts auf.

November 1927


Im Mai 1928 dann auch im Kabarett "Boulevard - Theater".





Als die Abels im November 1928 im Titaniapalast auftreten, singen sie - - - u. a. die Simultanoper von Professor Abel...

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humoresk
Wed May 27 2015, 18:48pm
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Danke für die tollen neuen Mosaiksteine!

Josef
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GrammophonTeam
Fri Aug 28 2015, 20:16pm
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Im Oktober 1921 trat Professor Abel(s) in Wiesbaden auf.



Wiesbadener Badeblatt, 1. Oktober 1921
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Musikmeister
Sun Mar 13 2022, 15:24pm
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Prof.Abel und seine 4 Jazzsänger vom 01.06.1930 bis 15.06.1930 in der Lichtburg Gesundbrunnen Berlin.
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Moonbeam
Thu Oct 20 2022, 11:59am
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Bei "Professor Abel und seine Jazz-Sänger" handelt es sich um Paul Abels neugegründetes Quartett, nachdem er im Herbst 1929 seine Original-Abels verlassen hatte. Diese neue Gruppe wurde dann unter Rudolf Goehr zu den Melody Gents.

Die "Original-Abels" wurden seit September 1929 von Stephan Kardosch / István Kardos geleitet, und zwar bis Frühjahr 1932. Nur damit sein Name hier auch mal fällt :-). Schließlich war er es, der die Gruppe die längste Zeit ihres Bestehens leitete.




[ Edited Thu Oct 20 2022, 12:12pm ]
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Moonbeam
Sat Jan 07 2023, 20:34pm
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Mich faszinieren ja immer hauptsächlich die Biografien der Künstler. Falls jemand Interesse hat: zu Josef/József Balassa, einem der beiden Tenöre der Gruppe, dessen Leben ich besonders interessant und tragisch finde, habe ich nun eine leicht gekürzte Biografie auf meiner Webseite erstellt: Link - Hier klicken (falls Interesse an der Lang-Version - die allerdings im Jahr 1928 endet - besteht: der Link ist dort zu finden).
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Moonbeam
Mon Jan 23 2023, 16:37pm
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Die Five Songs:
Rezső Feleki, Imre Révész, Jenő Vigh, József Balassa und István Kardos



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Moonbeam
Wed Jan 25 2023, 11:32am
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Einige interessante biografische Details kristallisieren sich heraus:

Ähnlich wie bei den Comedian Harmonists war der Bariton der einzige, dem des gelang, nach der Vokalgruppenkarriere ein gutes Auskommen als Sänger zu finden. Rezső Feleki wurde Gesangslehrer an der Béla-Bartók-Musikhochschule und Kantor und Gesangslehrer am Rabbinerseminar in Budapest. Seine erste Frau wurde 1944 deportiert und ermordet, in zweiter Ehe heiratete er die Malerin Anni Gáspár. Die beiden Tenöre Jenő Vigh und József Balassa bildeten 1934-40 zusammen mit Bass Imre Révész und dem jungen Pianisten György Gerő die Triumph Együttes. Révész musste ab Juni 1944 in einem "Judenhaus" leben und wurde im Oktober 1944 zur Zwangsarbeit eingezogen - zu dem Zeitpunkt war er schon 56 Jahre alt. Er erlebte das Kriegsende im Krankenhaus im jüdischen Ghetto von Budapest. Vigh hielt sich mehrere Monate in Budapest versteckt, und arbeitete nach dem Krieg als Musikjournalist und Kritiker. Seine Gesundheit hatte gelitten, und er starb bereits im Frühjahr 1960. Révész hingegen kehrte 1957 nach Deutschland zurück und lebte bis zu seinem Tod in Hamburg. József Balassa erlebte noch die Befreiung Budapests, starb jedoch im März 1945. Fast seine ganze Familie wurde ausgelöscht. Was aus seiner 1930 in Berlin geborenen Tochter wurde, konnte ich noch nicht herausfinden, da das zuständige Standesamt mir ihren Namen nicht verrät. Vielleicht hat hier jemand "Beziehungen" oder einen Lösungsvorschlag.

[ Edited Wed Jan 25 2023, 11:35am ]
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Moonbeam
Wed Apr 05 2023, 10:07am
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Ebenfalls sehr interessant ist die Biografie von Rudolf Goehr, der die Five Songs/Abels im Sommer 1932 übernahm. Er ging nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ins Pariser Exil, von dort dann unter dramatischen Umständen nach New York. Besonders fasziniert bin ich von seiner Zusammenarbeit mit Kurt Weill für dessen Broadway-Musicals. Goehr lernte Weill über Herbert Borchardt kennen, den ebenfalls unfreiwillig emigrierten Neffen von Bruno Borchardt, dem Generaldirektor (bis 1933) der Deutschen Grammophon (Bruno Borchardt starb im Pariser Exil, seine Frau und zwei seiner Geschwister wurden in Auschwitz ermordet). Borchardt gründete in New York ein Plattenlabel, Bost Records, das einige Aufnahmen mit Lotte Lenya produzierte, bei denen möglicherweise Rudolf Goehr am Klavier saß. In jedem Fall arbeitete Goehr in New York eng mit Weill zusammen. Weills früher Tod muss ein herber Schlag für Goehr gewesen sein, da die Arbeit für den Komponisten ihm ein recht gutes Einkommen sicherte.
Ich hatte endlich ein wenig Zeit, die Biografie von Rudolf Goehr zu überarbeiten und neue Funde und Erkenntnisse einzubauen: Link - Hier klicken
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Moonbeam
Thu Oct 19 2023, 09:49am
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Der talentierte und gut aussehende, wenn auch als launisch und "schwierig" beschriebene Gründer der Abels, Paul (Pál) Abel (geboren am 13. Februar 1901 in Budapest), lebte ab den frühen 1930er Jahren als Komponist von Schlagern und Filmmusik in Italien. Seine erste Ehefrau war eine ungarische Opernsängerin, von der er sich in Italien scheiden ließ (oder wohl eher: sie von ihm, da er ein notorischer Frauenheld war). Seine zweite Frau führte eine Pension in der Via degli Scipioni in Rom.
Paul Abel starb 1958 an Tuberkulose. Der behandelnde Arzt beschrieb ihn als "niedergeschlagen und desillusioniert", sein Bruder schrieb über ihn: „…. what was really killing Paul was his abandonment of the outside world, his horror of facing his own position as an obscure musician in Italy."

(Besagter Bruder, der Schauspieler Frederic O'Brady - eigentlich Frigyes Ábel - veröffentlichte 1964 seine Memoiren unter dem Titel "All Told", in denen er einige, zum Teil recht indiskrete, Anekdoten über seinen Bruder teilt, den er allerdings nie namentlich erwähnt.)



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Moonbeam
Tue Nov 21 2023, 14:02pm
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1948. Ein Erfolg des Autors des Tages.



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