Mimi Thoma

Mimi Thoma
(* 9. Oktober 1909; † 16. Mai 1968 in Köln)
Kabarettistin und Sängerin



Mimi (eigentlich Hermine) Thoma, angeblich eine Nichte des Dichters Ludwig Thoma, wurde am 9. Oktober 1909 geboren - in München, so die weitläufige Meinung. Dieser möchte ich zunächst einmal nicht gänzlich widersprechen, aber doch auf eine interessante andere Quelle hinweisen:




Schenkt man diesem einsamen biographischen Überbleibsel Glauben, war Mimi Thoma mitnichten eine waschechte Münchnerin, sondern trotz bayerischer Wurzeln in Großbritannien geboren und aufgewachsen. Dieses "Interview des Monats" bietet zudem einen ausführlichen Werdegang der Künstlerin, der sich mit den bislang bekannten spärlicheren Angaben deckt: Vor ihrer Gesangskarriere war Mimi Thoma Arzthelferin, wie auch Werner Kleine in einem Brief schrieb ("Mimi Thoma, für dich ca. 40 Lieder (Text und Musik) geschrieben habe, hatte nie Gesangs- oder Schauspielunterricht - sie war ein Naturtalent"!).



Plattenwerbung für die Telefunken, 1935


Sie war, auch das legen der obige Artikel sowie weitere Dokumente nahe, wohl schon ab Ende der 1920er Jahre künstlerisch tätig - im kleinen, eher privaten Kreise. Sie selbst hat ihren Durchbruch mit dem Jahr 1932 verbunden, als sie im Münchner Kabarett "Simplicissimus" entdeckt wurde. Die Anekdote, sie sei dort gänzlich unvorbereitet und völlig spontan aufgetreten, gehört wohl eher ins Reich der Mythen und Märchen.




Die Folgen ihres Durchbruchs sind demgegenüber unbestritten: Schallplattenverträge bei Telefunken und der Deutschen Grammophon sowie kleine Filmrollen und Auftritte im Rundfunk machten ihre tiefdunkle Stimme und ihre oft melancholisch-schwermütige Repertoireauswahl bald deutschlandweit bekannt. Für die Schallplattenfirmen wurde sie ein lukratives Zugpferd, das man - um im Bild zu bleiben - vor fast jeden Wagen spannen konnte:





Die beiden Aufnahmen mit den Humoresk Melodios - in der Musterpressung und der veröffentlichten Fassung


Zu ihren größten Erfolgen zählen zweifellos Titel wie "Ich will deine Kameradin sein", "Peterle" und die berüchtigte Selbstmörder-Ballade "Einsamer Sonntag". Im Krieg war sie wohl im Rahmen der Truppenbetreuung aktiv, sie trat jedenfalls weiter auf, wie ein Bericht zu ihrem zehnjährigen Bühnenjubiläum belegt, das sie 1942 in Köln beging (spannend wäre dazu auch, ob je eine der angeblich handsignierten und verschenkten Platten aufgetaucht ist?):


Im Krieg gefeiert: das zehnjährige Bühnenjubiläum




Nach dem Krieg konnte Mimi Thoma nur mit mäßigem Erfolg an ihre frühere Laufbahn anknüpfen. Es zeugt von einer gewissen Standhaftigkeit, dass sie ihren nun kaum mehr zeitgemäßen Stil nicht ablegen wollte, wie sie rückblickend selbst einmal beschrieb: "Vor Jahren sagte man auch mir, ich möge mich auf 'schmissige Sachen' verlegen und einmal einen Boogie singen. Ich lehnte das natürlich ab, und muß sagen: das Interesse für meine persönliche Art ist auch heute noch da, dies sogar bei der Jugend". Sie betont in gleicher Quelle auch, wie wichtig ihr die jeweilige Liedauswahl war: "Ich lese mir die Texte erst einmal vierzehnmal durch. Gefallen sie mir, gehe ich erst dann an die Musik heran."





1955 von München nach Köln übersiedelt, machte Mimi Thoma keinen Hehl daraus, dass ihr die moderne Musikwelt trotz der in schöner Regelmäßigkeit wiederkehrenden Einladungen zu Rundfunksendungen fremd geworden war: "Es war eine herrliche Zeit damals [in den 1930er Jahren], und es tut mir gewiß nicht leid, daß ich nun nicht mehr zu den [Berühmt-]Werdenden gehöre. Zwar ist es vielleicht heutzutage etwas leichter, berühmt zu werden als früher, aber berühmt zu bleiben, den Namen zu halten und die Verehrung des Publikums jahrzehntelang genießen zu dürfen - das alles wird den Künstlern unserer Zeit nicht gerade leicht gemacht".



Mimi Thoma 1955 - ein leider sehr schlecht erhaltenes Foto


Verbitterung, Armut und Krankheit dürften die letzte Lebensphase Mimi Thomas überschattet haben, glaubt man den Schilderungen in ihren Nachrufen: Sie "lebte in den letzten Monaten völlig krank und verzweifelt in ihrer Dachwohnung in Ehrenfeld. Dann wurde sie in ein Krankenhaus in Düren gebracht. [...] War sie wirklich so verlassen gewesen? [...] Mimi Thoma vergessen? Sie war es in der Tat. Trotz der vielen hundert Begräbnisteilnehmer. Einer sprach aus, was viele dachten: 'Das Geld für die Kränze und Blumen hätte man ihr zu Lebzeiten zukommen lassen sollen...'". Mimi Thoma starb am 16. Mai 1968.

Aus dem Nachlass von Berthold Leimbach
Josef Westner (humoresk)





Siehe zu Mimi Thoma auch im Forum: Link - Hier klicken







Mimi Thoma Werbung aus Grammophon Katalog 1939/1940

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