Studiotechnik II - Im akustischen Aufnahmestudio

Im akustischen Aufnahmestudio


Die akustische Aufnahme unterschied sich sowohl für die Künstler, wie auch für die Techniker stark von dem elektrischen Verfahren später.
Einige Instrumente ließen sich nur schlecht aufnehmen, für das Klavier z.B. musste der Trichter direkt über den Saiten positioniert werden.



Ein Kontrabass kam auf den Aufnahmen überhaupt nicht durch, für die leise Violine wurden sog.
Strohgeigen mit Trichter entwickelt. Erst durch diese war es möglich Streichersätze auf Platte zu verewigen.



Strohgeige für akustische Plattenaufnahmen



Orchester mussten vor dem Aufnahmetrichter sehr unnatürlich platziert werden. Ansonsten kam es zu einem sehr unausgewogenen Klangbild. Laute Instrumente wie die Trompete wurden weiter entfernt vor dem Trichter platziert.



Akustische Aufnahme bei der französischen Pathe




New York Philharmonic Orchestra - 1925


Aufnahmegeräte










Studio mit Aufnahme Apparatur c. 1894










Diese Filmszene von 1946 zeigt etwas überspitzt eine akustische Aufnahme


Hier wird sichtbar wie Dynamik, unterschiedliche Lautstärken bei akustischen Aufnahmen bewerkstelligt wurden. Es zählte schlicht die Entfernung der Musiker/Sänger vor dem Trichter.




In dieser Szene von 1937 wird u.a. die erste (akustische) Aufnahme einer Jazzplatte im Jahr 1917 reproduziert.
Nicht nur spielen hier die gleichen Musiker wie 1917, auch der Aufnahmetechniker soll der gleiche wie bei der ersten Plattensitzung der Original Dixieland Jazz Band 1917 sein.


original dixieland jazz band 1st recording remake von bhgbjazzInteressant ist hier u.a. das mit zwei Aufnahmetrichtern gearbeitet wurde.




Aus den Lebenserinnerungen von Frieda Hempel:

"Als ich 1907 an die Berliner Hofoper kam, steckte das Grammophon noch in den Kinderschuhen. Es gab schon die noch heute beskannte Firma ODEON, und für ODEON habe ich meine erste Platte besungen.
Ich erinnere mich nicht mehr, wo sich die Firma damals befand, ich glaube aber, ihre Büros lagen in der Friedrichstrasse, in ihrem südlichen Teil, wo sich ja auch die ersten Filmfirmen ansiedelten.
Ich wurde in ein verhältnismäßig kleines Zimmer geführt. Vor mir stand ein trichterförmiges Horn, in das ich singen sollte.Neben ihm waren Apparaturen, an denen mehrere Männer aufgeregt hantierten. Irgendeiner der Männer knuffte mich in den Rücken, es war das Zeichen, das ich singen sollte, und ich sang. Wenn meine Partitur kräftigere Töne verlangte, zog mich einer der Techniker am Rock, damit ich zurücktrat. Wenn ich piano zu singen hatte, schob er mich mit entsprechender Energie an den Trichter heran. Bei diesem handgreiflichen Verfahren die musikalische Kontinuität zu wahren , viel nicht leicht.Die Aufnahmen mußten sehr oft wiederholt werden, weil die Stimme nicht gleichmäßig war. Und wenn eine Aufnahme wirklich Glückte, dann zerbrach womöglich die Platte.
Besonderen Kummer machte die Begleitung. Noch war es nicht möglich, gleichzeitig mehrere Instrumente oder gar ein Orchester aufzunehmen. Auch die Arie aus "La Traviata" musste ich mit Klavierbegleitung singen. Für Klavier galt ähnliches wie für meine Stimme: Obwohl die Aufnahme an sich geglückt war, stellte sich oft heraus, daß das Klavier zu nahe gestanden hatte. Man musste dann ein anderes Arrangement treffen, und die Aufnahme wiederholen. Dieses Verfahren war oft mehrere Male nötig, bis die Begleitung endlich die richtige Tonstärke hatte. Das erforderte manches Mal viel Zeit und war dann eine harte Geduldsprobe.
Aus Liebe zur Sache ertrug man alles. Meine Stimme nahm sich sehr gut auf, auch meine Aussprache galt als hervorragend verständlich."




Frieda Hempel, Aufnahmesitzung bei ODEON im Jahre 1908, es dirigiert Eduard Künneke (!) Hausdirigent der Odeon, nachdem Kark zu PARLOPHON ging.
Der Trichter für die menschliche Stimme besteht aus Kaliko, einem beschichteten Baumwollstoff(vielen vertraut als Bucheinband alter Ausgaben), der Trichter für die Instrumente aus Metall.
Die Mühen des Aufnahmeoperateurs bei der Melchior Aufnahme entsprechen, zumindest bei Wagnertenören, den tatsächlichen Aufnahmebedingungen, und sind nicht übertrieben !
Sänger wie Knothe (Hofoper München) und Schmedes (k. u. k. Hofoper Wien) mit ihren Stentorstimmen mussten einen "Sicherheitsabstand" halten, ihre Organe hätten die Membranen beschädigt.

2 Bilder aus dem Aufnahmestudio Anfang 1910 mit einem Kinderchor.
Schön auch hier die Bänder zu sehen, die um die Trichter gewickelt wurden.
Auf dem 2.Bild ist links neben dem Chorleiter vielleicht der Aufnahmeleiter Max Hampe zu sehen (nach Bildvergleich schwer zu urteilen).






Hier 2 Bilder aus einer Aufnahmesitzung für eine neue Metropol-Revue im Sommer 1910.
Das Orchester ist vermutlich das Orchester des Palais de Danse. Als Kapellmeister sieht man oberhalb des Trichters Victor Holländer.
Auf dem 1.Bild singen Magda Lessing und Will Bishop.
Das 2.Bild zeigt Fritzi Massary und den leider viel zu früh verstorbenen Josef Giampietro.








Bruno Seidler-Winkler (rechts außen) mit seinem phonographischen Spezial-Orchester.
Erste Reihe: Stroh-Geiger

Links neben Seidler-Winkler singt der lettische Tenor Karl Jörn. Die Aufnahme entstand Ende 1910.





Hier ein Blick in die noch akustischen VOX Studios in Berlin 1926.
Photos aus Studios mit echten Aufnahmetrichtern sind selten. Die Technik hinter den Aufnahmen war "Firmengeheimnis" - so sind auf vielen Photos Wiedergabetrichter zu sehen. Man wollte auf den Bildern nicht alle Geheimnisse preisgeben.





Hier ist wohl ein echter Aufnahmetrichter zu sehen. Der Trichter ist mit (Gips?)bändern umwickelt - dies verhindert Eigenresonanzen des Trichters. Andere Firmen bohrten kleine Löcher in den Trichter um Resonanzen zu unterdrücken.

Es wurden häufig mehrere Trichter in unterschiedlichen Größen verwendet um ein ausgewogenes Klangbild auf der Platte zu erzielen.




Crescent Trio


Auch hier kann man schön erkennen wie mit verschiedenen Trichtern für Instrumente und Sänger gearbeitet wurde. Die Trichter wurden dann mit verschiedenen Adaptern verbunden. Der "gesammelte" Schall wurde dann der Aufnahmedose zugeführt.







Hier noch ein seltenes Bild einer Aufnahmeschalldose der (englischen) Columbia 1911



Aus einem Patent der Victor zu eine Aufnahmedose





Es ist gut zu sehen, das sich eine Aufnahme beträchtlich von einer Wiedergabedose unterschied.
Meistens war die Membrane bei Aufnahmedosen aus dünnem Glas.

Diese Aufnahmeschalldosen für Plattenaufnahmen waren ein noch größeres Firmengeheimnis als die Trichter.

Oftmals besaßen die Aufnahmetechniker eigene Dosen, die sie zu den Plattensitzungen mitbrachten - Blicke darauf waren nicht gerne gesehen.
Je nach aufgenommener Musik, kamen unterschiedlich gestimmte Schalldosen zum Einsatz.

Erst das Wissen der Aufnahmetechniker zu den Feinheiten einer Schalldose gewährte eine wirklich gelungene Aufnahme - entsprechend wurden die Techniker von den Plattenfirmen sehr gut bezahlt.

Ihr Wissen über das "Tuning" - die Feinheiten einer Aufnahmedose gewährte eine gelungene Aufnahme; Entsprechend wurden sie entlohnt.

Ãœber Uns

Wir sind mehr als ein Forum! Als eingetragener Verein arbeiten wir an der Beständigkeit unserer Leidenschaft.

Ãœber uns

Wir suchen Dich!

Du schreibst Artikel, möchtest im Forum als Moderator aktiv werden? Dir liegt Social Media. Bewahre Wissen! Wir warten auf dich.

Schreib uns

Tipps

Einsteiger-Ratschläge für optimale Nutzung und wichtige Aspekte beim Grammophon und Schellackplatten-Kauf.

Zu den Informationen