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Kapellmeister Tauber, Admirals-Casino auf Polyphon Record 1919/20

Der Musiker Tauber aus Berlin und seine Aufnahmen auf Polyphon dürfte heute nur noch eingefleischten Sammlern von Ragtime-Platten ein Begriff sein. Zwischen 1919 und 1920 boten seine Aufnahmen jedoch so das modernste an Tanzmusik was in Deutschland kurz nach dem ersten Weltkrieg zu bekommen war. Erst zum Januar 1919 wurde das öffentliche Tanzverbot aus dem Krieg wieder aufgehoben. Das Publikum stürzte sich ausgezehrt nach Vergnügung in die neu eröffneten Tanzpaläste und auf die modernsten Tanzplatten. Abgeschnitten von der Entwicklung der Musik, Unterhaltungs und Tanzindustrie war ein "Fuchstanz" - der Foxtrot - etwas sensationell neues. Auch machte der sogenannte "Jazz-Tanz" von sich reden. Die Musik "Jazz" war noch gänzlich unbekannt in der breiten Bevölkerung. Schallplatten wurden aufgrund der Preise und Misswirtschaft der direkten Nachkriegszeit quasi nicht importiert. Trotzdem erreichte u.a. auch der Jazz nun Deutschland. Vorerst jedoch nur in Form eines neuen Tanzes. Und auf aktuelle Tanzmusik verstand sich der Herr Kapellmeister Tauber vom Admiralspalast schon lange...


1919
Dolores Jazz
Kapellmeister Tauber


.


Leider findet sich in der bekannten Literatur zu Ragtime und frühen Jazz in Deutschland keinerlei Hinweis auf Tauber. Daher ist dieser "Artikel" mehr als Sammlung zur weiteren Forschung zu sehen. Weitestgehend sind es nur Indizien aufgrund der spärlichen Dokumente. Mit meinen Schlüssen kann ich natürlich auch falsch liegen.

Das wichtigste vorweg: Wem das Orchester noch bekannt ist, kennt es unter dem Namen Max Tauber (vom Admiralspalast). So wurde er (und nur dort!) auf den Etiketten der Polyphon/Grammophon genannt. Quasi alle anderen Annoncen sprechen lediglich von "Kapellmeister Tauber" oder "M. Tauber". Herr Tauber hieß nämlich mit Vornamen nicht Max - .sondern Moritz! Und dies eigentlich auch nicht... Was sich zunächst nach einem Scherz anhört, lässt sich aber anhand der Berliner Adressbücher belegen.

Wie gesagt, der Vorname "Max" findet nur auf den Etiketten der Polyphon-Platten in den Jahren 1919 und 1920 Verwendung (welches die erfolgreichste Zeit Taubers gewesen sein dürfte). Alle anderen Quellen nennen ihn ohne Vornamen - oder eben "M." Tauber. Herr Tauber lässt sich bereits vor dem Krieg in den Adressbüchern finden. Zunächst als "Musiker", dann als "Kapellmeister". Von seiner ersten Erwähnung bis zu seinem Tod immer unter der gleichen Adresse: Berlin - S14, Dresdener Str. 72, III (3. Stockwerk).

1910


1917


1921


1920/21 war das erfolgreichste "Schallplatten-Jahr" für Tauber. Seine Firma (Polyphon/Grammophon) verkaufte ihn als "Max" Tauber. Entsprechend wird im Eintrag 1922 aus dem Moritz plötzlich ein Max:

1922


1922 war Taubers Plattenkarriere (vermutlich) bereits wieder beendet. Im Adressbuch 1923 wird er wieder zum Moritz Tauber:

1923


Genaue Lebensdaten des Musikers sind nicht bekannt. Auch hier können wir lediglich aus den Adressbüchern "Schlüsse" ziehen. Erstmals findet man 1903 unseren Moritz (Max) Tauber unter dieser Adresse und mit einer passenden Berufsbezeichnung.

1903


Hierzu muss man die Adressbücher der damaligen Zeit verstehen. Es wurde nicht jeder aufgeführt. Bedingung um "gelistet" zu werden:

  • Volljährig (min. 21 Jahre)

  • Bürgerrechte

  • Eigener Haushalt (Haushaltsvorstand)


Erst wenn man über das entsprechende Einkommen verfügte um einen eigenen Haushalt (auch auf Mietbasis) zu führen wurde man im Adressbuch aufgenommen. Wer z.B. "nur" zur Pension lebte fand keine Erwähnung in den Adressbüchern der Kaiserzeit.

Der Musiker Tauber muss also bei der Drucklegung für das Adressbuch 1903 (also im Jahre 1902) bereits mindestens 21 Jahre alt gewesen sein und über ein regelmäßiges Einkommen verfügt haben. Dies ergibt ein frühestes Geburtsjahr von 1880/81. Möglich aber auch - Tauber war 1902 schon älter als 21 Jahre. So kann das Geburtsjahr auch deutlich vor 1880 liegen.

Eine der ersten Erwähnung des Musikers die sich finden ließ stammt aus dem Jahr 1911. "Künstler-Konzert von 2 Kapellen des berühmten Kapellmeisters Tauber" im Cafe Gruber:



Ob Herr Tauber hier nur zur Eröffnung oder länger spielte ist nicht bekannt. Auch ob der Bekanntheitsgrad "Berühmt" den Tatsachen entspricht oder "Strategie" des Wirtes ist, ist unklar. Zumindest war Herr Tauber 1911 so bekannt, das man sich "traute" mit seinem Namen zu werben. Ein anderer "Tauber" oder "Moritz Tauber" mit passender Berufsbezeichnung findet sich 1911/12 in den Adressbüchern nicht!


Im Jahr 1912 eröffnete der berühmte Admiralspalast.


In dem großen Vergnügungspalast (damals über 900 Räume und Säle) gab es eine Eisarena (die auch für große Tanzveranstaltungen genutzt werden konnte), Cafes, Kinos, ein Theater, Schwimmbäder und so manches mehr. Im zweiten Geschoss befand sich ein Casino, das "Admirals-Casino". Ab den zwanziger Jahren war das "Admiral" auch die Spielstätte der berühmten Haller-Revuen.

Direkt nach der Eröffnung wurde (neben andern Veranstaltungen) das Casino regelmäßig in der Tagespresse annonciert. Immer wird darauf hingewiesen: Freier Eintritt - Tanz!

1914

Leider war es (zumindest in der Tagespresse) unüblich den Orchesterleiter oder Musiker in der Werbung zu nennen. Wer genau 1912 im Casino spielte ist nicht bekannt. Jedoch legte man "im Admiral" immer großen Wert auf die aktuellsten Tänze und Moden. Vor allem der Gesellschaftstanz wurde hier sehr wichtig genommen. So fanden die ersten, offiziellen Tanz-Wettbewerbe, nationale und internationale Turniere, alle im Admiralspalast statt.

Zum zweiten Tanzturnier im März 1913 schrieb die Presse:
„Das zweite Tanzturnier im Admiralspalast
hat wieder klar gezeigt, daß die alte Art
zu tanzen, der Polkaschritt und selbst der
runde Walzer verschwundenen Tagen angehören. Die Wackelei hat fast aufgehört.
Es ist eine neue, und man muß es den
Alten zum Trotz sagen, eine verfeinerte
Tanzkultur aufgekommen, die alles auf
die schöne Linie gibt, auf den rhythmischen Schritt und den vielfachen Wechsel
der Pas. Im Mittelpunkt dieses Tanzturniers stand ein die Augen fesselndes
Match zwischen drei Pariser Berufstänzerpaaren und den Preisträgern des ersten
Berliner Tanzturniers. Da wurde Onestep,
Boston und Tango mit einer hingebenden
Verve und einer künstlerischen Abgetöntheit getanzt, die zu lautem Beifall hinriß.“
Berliner Morgenpost, 4. März 1913


Bis Kriegsausbruch (und dem allgemeinen, öffentlichen Tanzverbot) fanden diese Wettbewerbe regelmäßig statt. In dieser Anzeige von 1914 wird kein Orchester genannt:
1914 - Turnier 14. März




Erst nach dem Krieg, am 8. November 1919 fand das nächste Turnier statt. Und in der dazugehörigen Annonce vom November 1919 findet sich auch diese Zeile: "Turnier und Ball-Orchester vom Weltmeisterschafts-Turnier 1914: Tauber"
November 1919 - nennt Tauber als Kapelle beim Turnier 1914


Möglich: Kapellmeister Tauber spielte bereits seit der Eröffnung des Admiralspalast (1912) im Casino und betreute (musikalisch) die Tanz-Turniere. Die musikalische Leitung für das gesamte Haus (und das Theaterorchester im besonderen) hatte der damals sehr bekannte Kapellmeister und Komponist Julius Einödshöfer. Dieser spielte einige Jahre zuvor in einem gewissen "Thalia-Theater" in der Dresdener Str. 72...

Ob Tauber nun bereits seit 1912 im Casino spielte ließ sich bis dato nicht belegen. Möglicherweise finden sich hier noch Hinweise in der damaligen Fachzeitschrift Der Artist. Jedenfalls wirbt man (neben weiteren Orchestern) ab Frühjahr 1914 regelmäßiger mit dem Namen "Tauber" im Casino.

März 1914: Tauber & Vintilescu spielen im Casino


Der erste Weltkrieg ab August 1914 "bremste" diese Entwicklung massiv. Der Kaiser "wünschte" bereits am 20. November 1913; seine Soldaten mögen doch in Uniform nicht mehr diese unschicklichen Tänze darbieten:



Berliner Tageblatt, 20.11.1913


Mit Kriegsausbruch wurden öffentliche "Tanz-Lustbarkeiten" ganz verboten. Die Kapellen durften zwar noch in den Lokalen und Cafes spielen - das Publikum dazu aber nicht mehr tanzen. Nicht nur kam dadurch die Unterhaltungsindustrie quasi zum erliegen - auch war man von den "Neuerungen" jenseits der Grenzen abgeschnitten.

1915 erfreut man sich auch im Kabarettcafe Kronprinz an den Klängen der "ausgezeichneten Künstlerkapelle M. Tauber". Im April 1918 wurde auch der Kapellmeister Tauber zum Militär eingezogen.



Cabaret Cafe Kronprinz, Friedrichstraße 191 Berlin, 30. März 1915


Das Tanzverbot wurde zum Januar 1919 wieder aufgehoben. In der Tagespresse dauerte es jedoch einige Zeit bis Tanzstätten wieder größer und ausführlich beworben wurden. Im Herbst 1919 schaltete auch das Admirals-Casino wieder Anzeigen. Kapelle: Tauber!
Herbst 1919




Schallplatten!




(*1)
Die Mariposa-Platte auf Grammophon war die erste Tanzplattenveröffentlichung auf Grammophon nach dem 1.Weltkrieg, Kelly gibt als Prüfdatum der Aufnahme den 28.08.1919 an. Zudem auch einer der ersten "Fuchstänze" (Foxtrott) den man nach dem Krieg auf Platte in Deutschland kaufen konnte.


Nicht nur das Publikum in den Lokalen "hungerte" nach Vergnügen und den neuesten Tänzen - auch zu hause wollte man nun endlich wieder neue Platten zum Tanz. Das berühmteste Vorkriegs-Orchester für moderne Tänze, Giorgi Vintilescu vom Palais de danse war aus Berlin verschwunden. So sah man sich bei der Grammophon/Polyphon nach einem neuen "Top-Orchester" für ihre Tanzplatten um. Und wurde fündig - Kapellmeister Tauber vom Admirals-Casino sollte es sein! Erste Aufnahmesitzungen fanden ab späterem Sommer 1919 statt. In der Werbung ab Oktober 1919 in der Phonographischen Zeitschrift wird aus unserem Herrn Tauber auch erstmals der bekannte Max Tauber. Der Grund für diese Umbenennung ist vollkommen unbekannt.

Polyphon Oktober 1919


Polyphon November1919



Plattenbesprechung November 1919



Weiterhin trat Tauber im Admirals-Casino auf. Obige Anzeige vom Herbst 1919 zeigte ja schon: Er betreute auch (musikalisch) die Tanz-Turniere.
November 1919

Februar 1920




1919
.


Bis zum Herbst 1920 bewarb die Polyphon massiv das Orchester. Aufnahmen erschienen (wenn auch in geringerer Auflage) auf der Hauptmarke "Grammophon". Interessant diese beiden Seiten:

Polyphon Oktober und Dezember 1920






Die Polyphon veröffentlichte ab Frühjahr 1920 Tanzplatten unter dem Oberbegriff "Tanz-Orchester". Eine Nennung des Orchesters findet nicht statt. Jedoch hören sich einige "verdächtig" nach dem Tauber-Orchester an. Die beiden Anzeigen oben verhärten diesen Verdacht:

  • "Sämtliche Schlager sind unter persönlicher Leitung des Max Tauber vom Admirals-Palast aufgenommen".

  • Das Tanz-Orchester unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Max Tauber... spielt die neuesten Schlager!


Anscheinend hatte Herr Tauber bei der Polyphon einige Monate so etwas ähnliches wie den Status eines "Hausorchesters" - zuständig für die Tanzmusik-Platten.

Dolly Jazz


1920


Seine Aufnahmen verkauften sich wohl recht gut, zumindest sind sie auch heute noch häufiger zu finden. Mindestens eine andere Firma versuchte von dem Erfolg des Tauber-Orchesters zu profitieren - die Homocord. Ebenfalls ab Herbst 1920 bewarb die Firma den Künstler. Es war wohl nur eine kurze Serie in deutlich geringerer Auflage. Auf Homocord findet sich Tauber jedenfalls bedeutend seltener.

September und Oktober 1920



Interessant - hier heißt es nun nur noch M. Tauber. Der "Max" ist bei der Homocord wieder verschwunden.


Hier endet die Geschichte von Tauber auch schon fast. Außer der einen Anzeige der Homocord scheinte Tauber bei dieser Firma nicht weiter aktiv gewesen zu sein. Auch bei der Polyphon hörten die Aufnahmen (unter eigenem Namen) im Herbst 1920 quasi schlagartig auf. Die "Platten-Karriere" von Max/Moritz Tauber dauerte vom Sommer 1919 bis zum Herbst 1920. Eines der damals populärsten Orchester für Tanzmusik - sowohl auf Schallplatte, wie auch im Berliner Leben - es hört zum Jahreswechsel 1920/21 einfach auf.

Auch die Anzeigen in der Tagespresse werden immer seltener. Letzsmals wirbt das Admirals-Casino im Februar 1921 mit dem Orchester. Noch einmal spielt Tauber auf einem der großen Bälle.

Februar 1921





Möglicherweise wechsle Tauber 1921 ins "Metropol-Theater". Zumindest diese beiden Auflagen ein und desselben Stückes lassen die Vermutung zu. Auf dem Etikett für Deutschland keine Ortsangabe mehr. Die Auflage fürs Ausland (vermutlich etwas später aufgelegt) nennt plötzlich Tanz-Orchester "Metropol" - Kapellmeister Tauber. Diese Bezeichnung (ohne Tauber) wurde von der Polyphon noch einige Zeit weitergeführt. Wer sich hinter dem Begriff (auf späteren Platten) verbirgt wäre ein anders Thema...

Nun im Metropol?


Ein Grund für das "verschwinden" Taubers mag der sich sehr schnell geänderte Geschmack - und Mode gespielt haben. War Tauber 1919 noch sehr einzigartig und extrem modern in seinem Stil, "fegte" ihn quasi die aufkommende "Jazz-Welle" stilistisch von der Bildfläche. Anfang 1920 glaubte noch fast jeder in Berlin: Jazz ist ein neuer Tanz wie der One-Step, Basta! Zum Jahresende 1920 erreichten, kommend aus den besetzten Rhein-Gebieten, die ersten Jazz-Bands auch Berlin. Ab Frühjahr 1921 quollen die Anzeigen in den Zeitungen fast über: Jazz!!! Der neueste Jazz - nur bei uns! Die Jazz ist da! usw... Damit konnte Tauber einfach nicht mithalten. Auch das Admirals-Casino sah sich nach vielen Jahren seiner Dienste nach etwas "Neuem" um. Im Herbst 1921 warb dann auch endlich das Casino mit "einer Jazz". Die "Jazz-Band" kam direkt aus einem Wiener Grand-Hotel...

Im September 1921 eine "Jazz Band" im Kasino




Nachdem Herr Tauber unter dem Namen "Max Tauber vom Admiralspalst" noch 1920 auf Platte so erfolgreich war, das er sich selbst den "Max" ins Adressbuch eintragen ließ, findet man ihn 1923 wieder als Moritz Tauber:


Gleiche Adresse, ein Jahr später. Die Anschrift unter welcher der Kapellmeister Tauber seit zwanzig Jahren lebte, führt nun: M. Tauber - Witwe
1924


... dass nach langem schweren Leiden... Herr Kapellmeister Moritz Tauber am 16. Juli 1923 sanft entschlummert ist.




Die Beisetzung fand auf dem jüdischen Friedhof Weissensee statt, hier müsste sich immer noch das Grab der Familie Tauber befinden. Wenn ein Berliner Mitglied oder Leser die Grabstätte suchen mag, wäre auch das Geburtsjahr des Musikers bekannt.


Update


Der Friedhof Weißensee war ja bekannt, ebenso das Sterbedatum. In den Friedhofsunterlagen ist er auch korrekt als „Kapellmeister“ geführt. Die Suche gestaltete sich jedoch etwas länger, da der Grabstein umgefallen und zugewachsen war. Nachdem der (nicht ganz leichte) Stein wieder aufgerichtet war, eine kleine Überraschung: Sowohl „Max“ (Auf den Etiketten), wie auch „Moritz (Adressbücher) waren Pseudonyme. Der richtige Name: Moses Tauber! Die letzte Zeile der Inschrift war nicht mehr zu entziffern.

Hier ruht
mein innigstgeliebter Mann
unser unvergesslicher Vater

Moses Tauber

geb. 17.02.1867
gest. 16.07.1923
_________

Sein Leben war Arbeit
Sein Sinn Wahrheit
Sein Herz voll Liebe
?....?





Kapellmeister Tauber vom Admiralspalast wurde 56 Jahre alt.

Eine verwandtschaftliche Verbindung zu dem Tenor Richard Tauber bestand nicht! Heute quasi vollkommen vergessen, stellt der Kapellmeister Moritz Tauber eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen dem Ragtime und den Tanz-Moden der ausgehenden Kaiser-Zeit und dem Beginn der "Moderne" in der Unterhaltungsmusik auf Schallplatte dar. Es wäre schön wenn sich zumindest noch ein Bild dieses Musikers finden würde.
*

Es gab im Berlin des 19. Jh. bereits schon einmal einen recht berühmten "Kapellmeister Max Tauber". Dieser setzte sich um 1870 zur Ruhe. Ob ein verwandtschaftliches Verhältnis mit "unserem" Kapellmeister Tauber besteht ist völlig ungeklärt. Diese beiden "Max Tauber" dürfen bei weiteren Forschungen nur nicht verwechselt werden...



Noch ein Gedanke & eine Querverbindung...


Die Aufnahmen Taubers ab 1919 sind deutlich von frühen, amerikanischen Tanzorchestern wie z.B. Joseph C. Smith´s (Society) Orchestra beeinflusst. Auch die Besetzung ist diesen Orchestern (vor dem aufkommen "moderner" Kapellen mit Saxophonsatz) ähnlich. Hört man sich aufmerksam die Platten an, ergibt sich folgende Zusammensetzung:
  • 1 - 2 Trompeten, Posaune, Klarinette, Piccolo-Flöte, 1 - 2 Geigen, Cello, Klavier, Kontrabass?, Schlagzeug - teils mit Glockenspiel


Auffällig auch: Tauber spielt nicht nur in einer recht "amerikanischen Manier", immer wieder verwendet er US-Titel. Nun war es aber 1919 fast nicht möglich an amerikanische Notenblätter zu kommen; diese waren (wenn überhaupt verfügbar) fast nicht zu bezahlen. Auch vom internationalen Plattenmarkt war das direkte Nachkriegsdeutschland abgeschnitten. Wie konnte Kapellmeister Tauber trotzdem an aktuelles Noten oder Plattenmaterial gelangen? Eine mögliche Lösung könnte sich hinter seiner Wohnadresse verstecken, der "Dresdener Str. 72". Wieder ein Auszug aus einem Berliner Adressbuch:

Thalia Theater & Verlag im gleichen Haus wie Wohnung Tauber


Das "Thalia-Theater" eröffnete bereits 1869 als "Theater in der Luisenstadt". Schwerpunkt der Programme lagen auf Possen, frühen Operetten und musikalischen Schwänken. Später war es das "Haus-Theater" des Komponisten Jean Gilbert. Aus dessen "Puppchen" stammten Schlager wie z.B. "Puppchen - du bist mein Augenstern" oder auch "Gehn wir mal zu Hagenbeck". Insgesamt kamen in diesem Theater Stücke "moderner Komponisten" mit dem Faktor "Tanzbarkeit" zur Aufführung. Von 1905 bis 1908 hatte z.B. der bekannte Paul Lincke die musikalische Leitung des Hauses. Bald gründete sich ein eigener Musikverlag - der "Thalia-Theater-Verlag". Dieser bestand bis in die zwanziger Jahre.

Und unser Kapellmeister Tauber wohnte im dritten Stock direkt über, bzw. neben Theater und Verlag. Sicherlich erleichtere ihm diese "Nachbarschaft" Zugang zu Notenmaterial. Möglich ebenso: Tauber spielte als Musiker ab und an im Thalia. Belege fanden sich für diese Vermutung jedoch nicht. Ein weiter "Gedanke": Neben Paul Lincke hatte einige Zeit der populäre Kapellmeister & Komponist Julius Einödshöfer die musikalische Leitung des Hauses. Ab 1912 war Einödshöfer für die Theaterkapelle im Admiralspalast zuständig und leitete auch häufig die Orchester bei großen Bällen. Sicherlich kannten sich Tauber und Einödshöfer als "alte Nachbarn" aus der Dresdener Str. 72. Verhalf vielleicht der bekanntere Einödshöfer unserem Moritz/Max Tauber zu seinem langen Engagement im Admiralspalast...?


Quellen:
(*1) Sammlung livschakoff


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