Automatic translation in English

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾


Grammophone in BildernGrammophongalerie


International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Firmengeschichte, Labels, Hüllen, und Matrizen > LABELKUNDE - Deutschsprachige Labels und Firmengeschichte
Schallplattenkauf in schweren Jahren
Wechsle zur Seite   <<      
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Gast
Fr Jun 24 2011, 12:33 Druck Ansicht
Gast
Hallo Musikfreunde,

hier seht Ihr einen populären Schlager aus dem Jahre 1943.
Er entstammt dem Film "Ein Mann mit Grundsätzen" mit Hans Söhnker, Lisa Lesco




Orchester Michael Jary machte diese Aufnahme im September 1943, Horst Winter singt

Aber eigentlich möchte ich Euch etwas zu dem Verkaufsaufkleber der Platte berichten.

TELEVOX war eine Firma von Herrn Otto Klung, Berlin.

Bereits in den 20er Jahren gründete er mit einem Partner die Schallplattenfirma " VOX ".

Nach ganz guten Verkaufserfolgen dieser Plattenmarke überlebte sie aber die Wirtschaftskrise 1929 nicht.

Der Mitinhaber von Klung stieg aus und Klung sicherte sich die Namensrechte an VOX und TELEVOX gleich nach der Pleite.

Das alte Firmenzeichen taucht erst Ende der 30er Jahre wieder auf, als Otto Klung einen Platten+Musikalienladen in zentraler Lage in der Neuen Königstr (Alexanderplatz) eröffnete.

Es folgte eine Filiale in der Tauentzienstr.5

In den Verkaufsräumen fand sich ein kleines Tonstudio, wo private Aufnahmen auf Folie gemacht werden konnte oder bei Mindestabnahme von 200 Stück auch richtig auf Schellack gepresst wurde. (Letzteres als Lohnpressung)

Kurzfrsitig wurde auch ein eigenes TELEVOX-Etikett wiederbelebt mit ausgesuchten, guten Aufnahmen.

Der Hauptladen am Alexanderplatz wurde relativ früh Opfer des Bombenkrieges.

Jedoch der Laden in der Tauentzienstr blieb erstaunlicherweise vom Krieg unberührt - wenngleich in direkter Nachbarschaft schlimmste Schäden entstanden.

So konnte man in diesem Laden fast durchgängig Schallplatten kaufen.
Die zentrale Lage mit wenigen Schritten vom U-Bahnhof Wittenbergplatz war sicher verkaufsfürdernd. (Der U-Bahnverkehr in Berlin wurde erst am 23.4.45 kurzzeitg ganz eingestellt)

Dieser Televoxladen schloß 1953, nachdem das KA DE WE (Kaufhaus des Westens) wiedereröffnete und Klung eine zu große Konkurrenz durch den auf der anderen Straßenseite liegenden Kaufhausriesen zu spüren bekam.

Nun noch zu "TEMPO"

Tempoplatten gab es seit Anfang der 30er Jahre, Firmenchef Otto Stahmann hatte großen Erfolg mit dieser Billigmarke.
Sie kostete nur 1 RM und war anfangs nur in Kaufhäusern zu haben.

Etwa Mitte der 30er Jahre erbaute er ein eigenes Schallplattenwerk mit Studios in Potsdam Babelsberg.

Spätestens seit 1940 gab es die nun Lila/Gold Etiketten überall zu kaufen, ja, sie entwickelten sich sogar zu den wohl am meistverkauften Schallplatten während der Kriegszeit.

Das lag nicht nur am Preis, sondern auch daran, daß Stahmann viele bekannte Künstler gewann, Bernhard Ette, Horst Winter, Harry van Dyke, Kurt Widmann etc.

Und er hatte ein eigenes Vertriebssystem für seine Platten - und es funktionierte bis zum letzten Tag !

Das Werk in Babelsberg wurde zwar leicht durch Bomben geschädigt, doch konnte die Produktion etwas reduziert weitergehen.

Der niedrige Preis der Tempoplatten brachte es mit sich, daß sie materialbedingt und presstechnisch nicht immer optimal sind.

Wenn man aber Glück hat, bekommt man auch tadellose Exemplare.

Ein solches möchte ich Euch vorstellen.
Die Platte ist vom 8. November 1944 !

Sie wurde noch ganz normal in Potsdam zum Weihnachtsgeschäft 1944 verkauft. Auch wenn es nach Aussage des Käufers wohl das bedrückenste Weihnachtsfest des letzten Jahrhunderts war....




Der auf dem Etikett genannte Film wurde übrigens nicht mehr vollendet.

Nochmal zu den Tempowerken: Otto Stahmann brachte vor Einmarsch der Russen viele Matrizen und Pressmaterial in Sicherheit und setzte sich letztlich nach München ab.(Dort machte er bis in die 60er Jahre weiter)
Amiga benutzte noch bis ca. 1949 viele Pressmatrizen der Kriegsjahre, die im Werk verblieben waren.


Hier nun die "späteste" Platte, die ich besitze. Nach Unterlagen der Grammophon wurde sie im Januar 1945 in Berlin aufgenommen.
Ich bekam diese Platte von einer alten Dame, die bei der Grammophon in Hannover beschäftigt war.

Das Werk in Hannover (Podbielskistr) war weitgehend unbeschädigt und presste in der Zeit für Berlin.

Die Matrize gelangte also noch nach Hannover und es wurde ein Muster gepresst. Da die Platte keine Bestellnummer mehr erhalten hat, gehe ich davon aus, daß sie nicht mehr für den kommerziellen Handel vorgesehen war.

Fritz Stamer (Pianist) spielt mit kleiner Besetzung "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine" aus dem Marika Rökk Farbfilm "Frau meiner Träume" (1944)




Hier noch als Nachtrag ein Blick vom Wittenbergplatz (U-Bahnhof) in die Tauentzienstraße von 1943, also kurz vor den schweren Bombenschäden.

Im Hintergrund die noch unzerstörte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.



links das Kaufhaus des Westens, rechte Straßenseite der Televox-Laden



[ Bearbeitet Mi Apr 04 2012, 11:17 ]
Nach oben
Wechsle zur Seite   <<       

Forum:     Nach oben