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Erste doppelseitige Schallplatte der Welt
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Starkton
So Sep 15 2013, 12:46 Print View
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Im Laufe des Jahres 1899 errichtete der Maschinenmeister Eldridge Reeves Johnson, welcher seit 1896 Emile Berliner's Grammophone entworfen und gebaut hatte, eine mehrstöckige Grammophonfabrik in Camden, New Jersey, USA. Im obersten Stockwerk der seit Februar 1900 fertig gestellten Fabrik befand sich eine Experimentierwerkstatt und ein Aufnahmestudio. Dort entstanden bereits Mitte 1900 zu Testzwecken einige wenige doppelseitige Schallplatten noch ohne Papieretikett, die das Probestadium aber nicht überstanden. Der Verkauf von zwei einseitigen Schallplatten brachte einfach mehr ein, ausserdem zweifelte man ob es genügend Kunden gäbe, die beide Plattenseiten gut fänden.

Nachdem Emile Berliner im Juni 1900 durch Gerichtsbeschluss endgültig vom US Markt ausgeschlossen wurde, gründete Johnson eine Vertriebsfirma und begann ab September 1900 mit dem Verkauf von Grammophonen und Schallplatten, die er in seiner neuen Fabrik hergestellt hatte. Eines der ersten Modelle, das handgetriebene "Toy" für 3 Dollar, sollte zusammen mit einer Kinderschallplatte vermarktet werden.



"Toy" Grammophon von Eldridge Reeves Johnson, 1901-1902. Quelle: Link - Hier klicken

Für die Kinderschallplatte griff man die Idee der Doppelseitigkeit wieder auf. Am 6. November 1900 kam der Bassist William F. Hooley, Mitglied des Haydn Quartets, welcher seit 1898 viele Schallplatten für Emile Berliner eingespielt hatte, ins Aufnahmestudio nach Camden. Er besang und besprach zwei Takes von zwei Plattenseiten mit jeweils drei kurzen Stücken, zum Teil mit Kornett- und Klavierbegleitung. Jedes Kind kannte diese Stücke: Old King Cole, Sing a song of sixpence, Little Bo Peep, Mother Goose, Three blind mice, At a Georgia Camp Meeting.

Hier kann man beide Plattenseiten anhören: Link - Hier klicken

Die Kinderschallplatte "A Record For The Children" vom 6. November 1900 gilt als die erste kommerzielle doppelseitige Schallplatte der Welt. Insgesamt wurden davon bis zum 17. Juni 1902, als die Pressstempel zurück gingen, 347 Exemplare hergestellt. Davon dürften heute nur noch eine Handvoll erhalten sein, interessanter Weise in einer Reihe von Labelvarianten. Mein Exemplar hat sogar verschiedene Etiketten von zwei Firmen.



Plattenseite 1, mx. A490, Take 1, mit dem Label der am 3. Oktober 1901 von Johnson gegründeten "Victor Talking Machine Company." Hier steht vor der Katalognummer 490 noch das "A-" Präfix, das auf Etiketten dieser Firma nach kürzester Zeit verschwand. Vielen Sammlern dürfte diese Variante gar nicht bekannt sein. Man kann daher sicher sein, dass das abgebildete Label eines der allerersten der berühmten Victor Talking Machine Co. ist.

Um im Presswerk nicht durcheinander zu kommen ist diese Seite mit "x" auf 9 Uhr gestempelt. Das Wort "Monarch" kennen wir eigentlich von den Labels der großen 30 cm Platten. Es taucht auf den 17 cm Platten auch nur ganz kurz auf und sollte wohl ein Gefühl von Luxus vermitteln.



Plattenseite 2, mx. A491, Take 2, mit dem Label der Firma "Eldridge R. Johnson." Take 2 erkennt man optisch daran, dass versehentlich die Matrizennummer 492 eingeritzt, und danach zu 491 korrigiert wurde. Erstes Etikett der Schallplattengeschichte mit dem am 12. März 1901 von Johnson als Wortzeichen angemeldeten "Victor." Auf dieser Seite ist "xy" auf 9 Uhr eingestempelt. Das Präfix "A-" vor der Katalognummer ist bei dieser älteren Labelvariante die Regel.

Auf beiden Etiketten befindet sich der Vermerk, dass diese Platte nur verliehen wurde. Johnson versuchte damit Patentstreitigkeiten mit der übermächtigen American Graphophone Co. aus dem Weg zu gehen. Der Kunde zahlte also eine Verleihgebühr für eine Ware, die nie zurück gefordert wurde. Viele werden das zuerst nur kopfschüttelnd zur Kenntnis genommen haben.

[ Edited Do Dez 05 2019, 11:09 ]
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krammofoon
So Sep 15 2013, 12:52
Schellack-Gnadenhof
Joined: Mo Jun 27 2011, 20:47
Posts: 1197
Servus :-)

Ein klasse Artikel eines ungewöhnlichen Zeitdokumentes der Musikgeschichte. Vielen Dank für das Bereitstellen!
Man kommt sich fast wie ein "Zeitdetektiv" vor, wenn mann solche Geschichten liest . Ich für meinen Teil finde sowas ungemein spannend.

Gibt es eine Möglichkeit, Dich dazu zu überreden, den tonalen Inhalt im Sender einzustellen, bzw. mir ggf. als mp3 zukommen zu lassen? GEMA und Konsorten müssen wir ja hier definitiv nicht mehr fürchten .

Gruss
Georg
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Starkton
So Sep 15 2013, 12:58
Joined: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Posts: 1881
Ich experimentiere noch mit einem Digitalrekorder den mir Norman besorgt hat. Wenn alles gut geht kann ich Dir die Aufnahmen schicken. Bis dahin kannst Du Dir die Platte auch auf der Seite der Library of Congress anhören: Link - Hier klicken

[ Edited So Sep 15 2013, 12:59 ]
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