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Foren > Musik, Tanz, Theater und Tonfilm > Jazz, Swing und Ragtime
Charlie and his Orchestra
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
snookerbee
Sa Okt 05 2013, 00:15 Druck Ansicht
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1716
Interessante Fotos des Sängers Karl Schwedler

Schwedler am Mikrophon: Link - Hier klicken

Charlie Tabor und Karl Schwedler: Link - Hier klicken

Ein Foto des Orchesters von 1942, das angeblich in einem Matrazenfabrik probt: Link - Hier klicken

Kann das sein? Ich würde eher vermuten, hier wurden Matrazen aus tontechnischen Gründen zur Geräuschdämmung verwendet.



[ Bearbeitet Do Jan 25 2018, 19:41 ]
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Calle
Sa Okt 05 2013, 10:02
Dabei seit: Mo Apr 18 2011, 10:57
Wohnort: Emmerich am Rhein
Einträge: 276
Kann das sein? Ich würde eher vermuten, hier wurden Matrazen aus tontechnischen Gründen zur Geräuschdämmung verwendet.


Ich denke Du hast da Recht; zudem bezweifele ich ob es sich überhaupt um Matrazen handelt...
So viele Matrazen auf einander würden ziemlich schnell umstúrzen; schon bei einen Stapel von etwa 1,5 Meter fängt es schon an zu wackeln, geschweige davon wenn man eine lange Wand (so wie hier) und höher als 3 Meter stapelt...
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snookerbee
Sa Okt 05 2013, 11:19
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1716

Ehrlich gesagt, hatte ich auch nicht an Matrazen gedacht, als ich das Bild zuerst in der CD-Edition "Der Jazz in Deutschland" Vol.2 sah. Ich dachte, es wären einfach Wandornamente.
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jitterbug
Di Okt 08 2013, 21:29
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 379
Es handelt sich aber tatsächlich um eine Halle in der Charlottenburger Masurenallee (vor ca. 10 Jahren abgerissen), die während des Krieges als Matratzenlager diente.

WILLI STECH hatte bereits 1940 den Raum für seine Aufnahmen entdeckt, da er absolut schallfrei war. LUTZ TEMPLIN, der auch Personal vom Orchester WILLI STECH übernahm, hat sowohl dort, als auch im Deutschlandhaus (dem späteren Fernsehsender) auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz (heute Theodor-Heuss-Platz) Aufnahmen gemacht. Im Deutschlandhaus war der Kurzwellensender untergebracht, sowie die Propagandaabteilungen des Deutschlandsenders.

Sowohl Teddy Kleindin als auch Primo Angeli erinnerten sich an Plattenaufnahmen vor der Matratzenwand, was bei einem circa 65 Mann starken Orchester, wie WILLI STECH es leitete, einen angenehm trockenen Sound hervorbrachte.

Die Halle befand sich neben dem Haus des Rundfunks, wurde nach dem Krieg auch als Fernsehstudio benutzt. Heute steht an der Stelle ein mehrgeschossiger Neubaukomplex mit Büros (zwischen ZOB und Haus des Rundfunks).

Die Informationen stammen von Franz Teddy Kleindin, Charlie Tabor und Primo Angeli, die mir ihre Erlebnisse im Zusammenhang mit "Charlie and his Orchestra" bei mehreren gemeinsamen Treffen in München ab 1990 schilderten.

Das Photo (Historische Heimatsammlung online) zeigt den SFB (Sender Freies Berlin), am rechten unteren Bildrand steht noch die alte Studiohalle/Matratzenlager.

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snookerbee
Di Okt 08 2013, 21:59
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1716

Herzlichen Dank für die Antwort, Stephan.

Schön, daß Du die Erinnerungen der Musiker von damals hier mit uns teilst.

Viele Grüße
Claus
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jitterbug
Mi Okt 09 2013, 15:09
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 379
snookerbee schrieb ...

Schön, daß Du die Erinnerungen der Musiker von damals hier mit uns teilst.

Gerne Claus,

es wäre ja auch tragisch, wenn dieses Erzählwissen verloren ginge... es ist häufig im Gespräch mehr an Details herausgekommen, als in Briefen zuvor festgehalten wurde. Wenn's also passt, reiche ich es gerne weiter!

Viele Grüße, Stephan
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Silas-Leachman
Mo Feb 04 2019, 16:11
Dabei seit: Di Mär 07 2017, 13:02
Wohnort: mittleres Ruhrgebiet
Einträge: 57
Gerade habe ich ein wenig im Forum geblättert und bin über diesen Charlie-Beitrag gestolpert.
Ich erlaube mir, einen Artikel einzustellen, den ich vor einigen Jahren für ein anderes (inzwischen nicht mehr existierendes) Forum geschrieben habe. Bisher steht hier zur Geschichte der Band recht wenig.

Charlie & his Orchestra - deutscher Propaganda-Swing 1940 - 1943

Ich habe vor einiger Zeit eine der extrem seltenen Originalplatten von Charlie and his Orchestra bekommen und habe mich darauf hin etwas intensiver mit der Geschichte dieser obskuren Big Band befasst, deren Geschichte untrennbar mit den Auslandsprogrammen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft (RRG) verbunden ist.

Hinter dem Pseudonym "Charlie" standen der deutsche Bandleader Lutz Templin, der Sänger Karl Emil Heinrich Schwedler („Charlie“) und viele bekannte Musiker, die zur Jazz-Elite Deutschlands und des besetzten Europas gezählt werden können, z. B. Fritz Brocksieper, Eugen Henkel, Willy Berking, Charlie Tabor, Otto Tittmann, Meg Tevellian, Benny De Weille, Primo Angeli und Nino Impallomeni.

Als Gastmusiker waren u. a. von Zeit zu Zeit Teddy Kleindin, Albert Vossen, Helmut Zacharias, Margot Friedländer und Lale Andersen dabei, die zu dieser Zeit in Deutschland offiziell Auftrittsverbot hatte.

1939 wurde Lutz Templin mit der Gründung der Band beauftragt, der zunächst natürlich hauptsächlich deutsche Musiker angehörten. Ab 1940 wurden dann die deutschen Musiker verstärkt zum Wehrdienst eingezogen oder wurden zum neu gegründeten staatlichen "Deutschen Tanz- und Unterhaltungsorchester" abgestellt, welches mit Genehmigung der braunen Machthaber "spezielle deutsche" Tanz- und Jazzmusik spielen und entwickeln sollte, um den auch in Deutschland allseits beliebten amerikanischen Jazz und Swing zu verdrängen und als Vorbild in der Öffentlichkeit zu dienen.
Gegen Ende 1940 wurden als Ersatz für die Charlie-Band die ersten Musiker aus Holland, Belgien und Italien unter Vertrag genommen.

Man hatte teilweise bis zu fünf erfahrene Arrangeure für die Band, die die Musik auf Basis von Standardarrangements aktueller US-Swingmelodien und –Evergreens schrieben. Die entsprechenden Noten besorgte man sich über neutrale Kanäle in Schweden oder Portugal.

Möglich war dies alles, weil die Band direkt für das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda arbeitete. Zielsetzung war, die bereits existierenden englischen Programme des Auslandsdienstes der RRG mit unverfälschtem Jazz zu ergänzen und aufzuwerten.

Die Liedtexte wurden oftmals propagandistisch verändert, während die erste Strophe eines Liedes häufig bestehen blieb, trat ab der zweiten Strophe politische Satire, antibritische, -amerikanische, -sowjetische Klischees oder Verunglimpfung der Juden an Stelle des Originals.

Don’t know why
I cannot blockade the sky.
Stormy weather,
Since my ships and the German planes got together,
I’m beaten every time.
(Stormy weather, 1940)


Die erhaltenen Schallplatten dieser Band sind ausschließlich auf "anonymen" Etiketten ohne Firmenangabe gepresst. Es gibt die Motive "Lyra", silbern auf dunkelblauem Grund mit lateinischen Matritzennummern und "Klarinette/Mandoline", golden oder silbern auf dunkelrotem Grund mit arabischen Matritzennummern. Die Platten wurden bei der "Deutschen Grammophon" in Hannover gepresst. Bisher sind ca. 140 Titel bekannt.
Die Aufnahmen (in der Regel Kleinstauflagen von ca. 50 Stück pro Titel) waren nicht für den Handel bestimmt, sondern dienten den Sendern im besetzten Ausland, aber auch den Auslandsprogrammen der RRG zur Programmgestaltung.
Durch das Chaos und die Zerstörungen zu Kriegende sind nur wenige Originalplatten erhalten geblieben.

Während die Deutschen nur das einheitliche Reichsprogramm empfangen konnten, war innerhalb der RRG ein zweites Netzwerk aufgebaut worden, um ausländische Hörer anzusprechen und zu beeinflussen. Kernstück war der Deutsche Kurzwellensender (KWS), der zu Kriegsbeginn alle internationalen Kurzwellensender an Ausstattung, Personalstärke und Programm übertraf.

Offensichtlich waren die deutschen Auslandsprogramme („Germany Calling“) anfangs recht beliebt. Eine Umfrage der englischen BBC nach Kriegsbeginn ergab, dass 26,5% der britischen Hörer auch englische Sendungen aus Deutschland hörten.
Wesentliche Bestandteile des Programms waren Nachrichten und Jazzmusik, teilweise propagandistisch verändert von der Charlie-Band. Manchmal gab man auch Kriegsgefangenen die Möglichkeit, persönliche Grüße in die Heimat zu senden, was natürlich das Interesse an den Sendungen steigerte, da viele Familien auf ein Lebenszeichen ihrer Verwandten warteten.

Initiiert wurden die Sendungen von Wolf Mittler in Zusammenarbeit mit William Joyce und Norman Baillie-Stewart, die unter dem abwertenden Spitznamen "Lord Haw-Haw" die Moderation der Sendungen übernahmen. Später kam noch Mildred Gillars dazu, die als "Axis Sally" Sendungen moderierte.

Die Resonanz dieser Propagandasendungen ließ im Laufe des Krieges nach, allerdings wurden die ausländischen Radioprogramme für deutsche Hörer immer beliebter, trotz des seit Kriegsbeginn herrschenden Verbots "Feindsender" zu hören.
Vor allem der amerikanische Swing übte eine enorme Anziehungskraft aus. So wurden auch bei der englischen BBC Propagandasendungen produziert, als Kuriosität sind Sendungen erhalten geblieben mit der Army Air Force Band von Glenn Miller (allerdings ist dies ein anderes Thema).

I will win this war,
Even from American shore,
`cause I’ve got a pocketful of schemes!
(I’ve got a pocketful of dreams, 1941)


In Folge der zunehmenden Bombenangriffe auf Berlin wurde der Betrieb des KWS so stark beeinträchtigt, dass die Behörden die Sender verlagerten und aus der Provinz weitersendeten. Charlie and his Orchestra spielten ab 1943 beim Reichssender Stuttgart. Dort gab es keine Möglichkeit zur Aufnahme von Schallplatten, so dass aus der Zeit nach Sommer 1943 keine Aufnahmen von Charlie and his Orchestra existieren.
Erst am 5. April 1945 gab der Reichssender seine letzte Durchsage, einen Tag später sprengte ein SS-Kommando die Sendeanlagen, kurze Zeit später rückten die alliierten Truppen ein. Der Krieg war beendet.

Wenige Wochen nach Kriegsende waren verschiedene Musiker der Charlie-Band wieder im Geschäft, diesmal regulär in den entsprechenden Clubs in München, Stuttgart und Ludwigsburg, allerdings ohne den Sänger Karl Schwedler, der als Geschäftsmann aktiv war.
Lutz Templin war nach dem Krieg eine Zeit lang musikalischer Direktor des Tanzorchesters vom Süddeutschen Rundfunk, Willy Berking machte unter eigenem Namen Platten für die neu gegründete Phillips Schallplattengesellschaft, auch Benny de Weille und Fritz Brocksieper, der sich nach dem Krieg "Freddie" nannte, waren im Aufnahmestudio aktiv.
Somit wurde Charlie and his Orchestra vergessen, zumal die Beteiligten nach dem Krieg wohl kaum Interesse an einem Bekanntwerden ihrer Bandzugehörigkeit hatten.

Anders erging es den Briten und Amerikanern, die für den KWS gearbeitet hatten und für Texte und Kommentare während der Sendungen verantwortlich waren.
Mildred Gillars, die "Axis Sally", ging für viele Jahre ins Gefängnis, ebenso Norman Baillie-Stewart.
Der Nazi-Kommentator William Joyce ("Lord Haw-Haw") wurde 1946 verurteilt und gehängt.

Another war, another profit,
another Jewish business trick!
Another season,
another reason
for makin` whoopee!
(Makin woopee [sic], 1942)


Die Musik von Charlie and his Orchestra ist heute einfach zu bekommen, es existieren CD-Veröffentlichungen von verschiedenen Songs und das allgegenwärtige youtube bietet auch einige Titel zur Auswahl.

Quellenangabe: LP's: Charlie & his Orchestra - German Propaganda Swing Vol. 1 - 3, Harlequin 2058, 2059, 2067
Buch: Hitlers airwaves, Bergmeier & Lotz, Yale University Press, 1997
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Rundfunkonkel
Di Feb 05 2019, 03:26
Dabei seit: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Einträge: 1079
Zu Karl Schwedler gibt es momentan zwei Wikipedia Einträge:

Link - Hier klicken

Link - Hier klicken

Was stimmt denn nun?

Das genannte Hotel in Düsseldorf steht nicht mehr, dort steht jetzt ein Neubau.
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snookerbee
Di Feb 05 2019, 14:37
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1716
Hier ein weiterführender Link zu einer Spiegel-Reportage zum Thema: Link - Hier klicken
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gramofan
Di Feb 05 2019, 19:09
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 911
Rundfunkonkel schrieb ...

Was stimmt denn nun?


Bei wikipedia kann prinzipiell jeder mitschreiben (kurze Anmeldung vorausgesetzt). Da lassen sich unterschiedliche Darstellungen in den voneinander unabhängigen Wikipedias verschiedener Sprachen nicht sicher vermeiden, je nach beteiligten Beiträgern. Da gilt das Prinzip, mit der Zeit wird sich das Richtige schon einstellen, wenn Beiträge oft genug korrigiert wurden. Das kann bei Randthemen u.U. länger dauern.
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