Automatic translation in English

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾


Grammophone in BildernGrammophongalerie


International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten > Technik
Starkton Schallplatten
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Grammophonteam
Di Jul 28 2015, 16:55 Druck Ansicht
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2090


Anfang 1908 kamen sogenannte Starkton Platten in den Handel. Diese spielten auf einem Grammophon auch tatsächlich deutlich lauter als die bis dahin bekannten Aufnahmen. Sie wurden schlicht "lauter" aufgenommen. Wie dies bei akustischen Aufnahmen möglich ist? Dazu gleich...

Die Industrie war ständig bemüht die Wiedergabe von Phonographen und Grammophonen "stärker" zu machen. So entwickelte sich z. B. die Friktions-Verstärkung Link - Hier klicken. Die (damals) maximale Lautstärke erreichte man mit Pressluftverstärkung. In Deutschland verkaufte die DGAG das



Mit diesen Grammophonen war es möglich ganze Säle oder auch Freiluftveranstaltungen zu beschallen. Problem: Selbst für Gewerbetreibende waren diese Starkton Geräte kaum erschwinglich. Man suchte nach Lösungen für den "kleinen Mann". Im Februar 1907 kündigte die Homokord (Homophon) zur Frühjahresmesse eine Starktonplatte an:



Es blieb jedoch bei dieser Ankündigung; man hörte zunächst nichts mehr von diesen Platten. Erst im Frühjahr 1908 brachte die Lyrophon die erste Schallplatte nach dem "neuen, eigenartigen Verfahren" auf den Markt.












Diese Aufnahmen waren deutlich lauter. In Verbindung mit Grammophonen mit einem besonders großen Trichter sollten die Schallplatten In Natürlicher Orchester-Stärke spielen. Manche Werbung sprach sogar davon, das die Starkton-Platte die Pressluftverstärkten Grammophone ersetzten könnten, zumindest in Lautstärke in nichts nachstehen würden. Solche Grammophone mit großem Trichter wurden teils sogar als Starkton-Geräte beworben - obwohl keine aktive Verstärkung statt fand.

Was machte aber die Starkton-Platte lauter? Die Rillen der Schallplatten wurden damals in einem bestimmten Abstand bei der Aufnahme zueinander geschnitten. Üblich waren zu dieser Zeit etwa 100 Rillen auf den Zentimeter. Auch gab es empfindlichere Aufnahmedosen. Diese wurden z. B. bei Streichinstrumenten verwendet. Etwas vereinfacht: Je breiter die Auslenkung einer Rille ist, umso "lauter" ist später die Wiedergabe. Dem waren aber Grenzen gesetzt. War eine Passage der Aufnahme zu laut, wurde die Rille zu breit. Es bestand Gefahr, dass diese laute Stelle in die Rille daneben "schnitt". Solch eine Aufnahme wäre unbrauchbar.


Eingefärbt eine "laute" Rille. Sie kommt der nächsten Rille schon recht nahe (Pfeil).


Die Rillen hatten also einen bestimmten Abstand zueinander (A)


In (B) ist die zweite Rille "lauter" (breiter) Sie überschneidet in Rille 1. Um nun insgesamt lautere Aufnahmen (breitere Rillen) schneiden zu können, vergrößerte man den Abstand der Rillen zueinander (C).

Dies ist das ganze Geheimnis hinter den Starkton Platten. Es wurden bei der Aufnahme empfindlichere Schneidedosen verwendet, der Rillenabstand wurde durch den Vortrieb bei der Aufnahme vergrößert. Bei den Starkton Platten wurde mit c. 75 Rillen auf den Zentimeter geschnitten. Die Rillen waren "lauter aufgenommen", also breiter als bei einer gewöhnlichen Schallplatte. Durch den größeren Abstand zueinander bestand keine Gefahr der Überschneidung mehr. Dazu wurden die meisten Starktonaufnahmen von großen Militär oder Blechbläser Orchestern eingespielt. Diese konnten den nötigen Schalldruck erzeugen. Dieser Artikel schildert das Verfahren recht ausführlich:







Die neuen Starktonplatten führten aber auch zu Problemen. Viele Trichtergrammophone der Zeit waren recht "einfach" gebaut. Schwache Motoren hatten teils Probleme eine komplette Starktonplatte durchzuziehen. Schalldosen waren oft zu leicht (unter 100 gr), was bei den breiten Rillen zu scheppern in der Wiedergabe führte. Auch die oftmals recht dünnen Tonarme und Trichter waren mit der Lautstärke einfach überfordert. Eigenresonanzen der Schallführung verschlechterte die Wiedergabe. Auch wurde die musikalische Qualität der nur auf "laut getrimmten" Aufnahmen kritisiert wie diese beiden Artikel zeigen:










Trotzdem fand dieses "neue" Aufnahmeverfahren Anklang beim Kunden und Handel. Schon nach wenigen Monaten führten auch die meisten anderen Firmen Starkton-Platten ein.



[ Bearbeitet Di Jul 28 2015, 16:59 ]
Nach oben
Starkton
Di Jul 28 2015, 22:41
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Auch der Kaiser fand "Starkton" gut, siehe den Beitrag aus Die Sprechmaschine, Berlin, 5. Jahrgang, No. 14, 1. April 1909, S. 400 + 402:

„Die Eröffnung der Sprechmaschinen-Ausstellung in den Ausstellungshallen am Zoo, Berlin [...], über die wir des öfteren berichteten, fand nunmehr unter reger Beteiligung der Branche und der offiziellen Kreise statt. Die Eröffnungsansprache hielt zur größten Freude und zum größten Erstaunen aller Anwesenden der Protektor der Ausstellung, der Vater der Sprechmaschinenbranche, der greise Thomas A. Edison. [...]

Der Vormittag bleibt den kleinen Maschinen reserviert [...]. Der Nachmittag gehört ausschließlich den Starktonmaschinen. Am 14. April wird als Abschluß der Ausstellung abends 8 Uhr unter Ausschluß der Oeffentlichkeit ein Wettstreit der Starktonmaschinen stattfinden. Das Preisrichterkollegium besteht aus einigen bedeutenden Experten der Sprechmaschinenbranche. Eine ganze Reihe von Preisen ist ausgesetzt, darunter drei Staatsmedaillen, eine goldene, eine silberne und eine bronzene. Es ist berechtigte Aussicht vorhanden, daß auch der Kaiser die Ausstellung mit seinem Besuch beehren wird [...] [u]nd auch den Wettstreit der Starktonmaschinen, denen er grosses Interesse entgegenbringt [...].“
Nach oben
 

Forum:     Nach oben