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Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten
Von der Aufnahme bis zur Plattenkritik. Wie viel Zeit lag dazwischen
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Starkton
Mo Jan 04 2016, 10:47 Druck Ansicht
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Ich habe anhand der ersten Tonaufnahmen von Adelina Patti, einer berühmten Opernsängerin, rekonstruiert, wie lange es in diesem Fall von der Tonaufnahme bis zur Veröffentlichung einer Plattenkritik gedauert hat:

  • 4. - 7. Dezember 1905: Tonaufnahme von Adelina Patti auf Schloss Craig-y-Nos, South Wales, Großbritannien

  • 18. Dezember 1905: Testpressungen liegen vor.

  • 19. Dezember 1905: Patti hört sich die Testpressungen an.

  • 30. Dezember 1905: Nach längerem Überlegen und Verzögerung durch die Feiertage entscheidet sich Patti welche Aufnahmen veröffentlicht werden dürfen.

  • 5. Januar 1906: Erneut Verzögerung durch die Feiertage. Die Geschäftsführung der Gramophone Company wird über die Auswahl informiert.

  • 8. Februar 1906: Erster Verkaufstag für die fertigen Pressungen in Großbritannien.

  • 22. Februar 1906: Eine Schallplattenkritik von Max Chop erscheint in der Phonographischen Zeitschrift.
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Lars
Mo Jan 04 2016, 11:03
Dabei seit: Mi Dez 30 2015, 20:58
Einträge: 8
Das ist wirklich beeindruckend schnell. Wenn das Ganze dann eine Aufnahme von Hausorchester und Hausdirigent ist, geht es noch schneller. Es wäre jetzt toll, wenn man so was für eine Reihe von Beispielen verschiedener Zeiten und Firmen durchspielen könnte. Interessant wäre auch die Frage, wie sehr die Schallplattenkritik mit der Industrie verzahnt war.
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Formiggini
Mo Jan 04 2016, 11:05


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Danke dir für diese Aufstellung!

Gelegentlich liest man, jedoch immer ohne Angabe von Quellen, von Aufnahme bis Veröffentlichung habe es "mehrere Monate" gedauert. Dies hielt ich für etwas lange, dass es aber bereits 1905/06 so "fix" ging, hätte ich auch nicht gedacht.

In den Aufnahmebüchern der Lindström lässt sich schön sehen, dass Weihnachtsaufnahmen meist im Sommer entstanden, um pünktlich zum Advent zur Verfügung zu stehen. Natürlich waren dies feste Jahrestermine bei denen sich längerfristig planen ließ. Bei dem damaligen Star Adelina Patti war die Firma sicherlich bemüht, die Aufnahmen so schnell wie möglich in den Handel zu bringen. Daher sieht man an diesem zeitlichen Ablauf schön, was technisch (und organisatorisch) möglich war von der Aufnahme bis zur Handelseinführung.
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Webseite
Starkton
Mo Jan 04 2016, 11:25
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Viele Autoren gehen bei solchen Angaben "auf Nummer sicher", da Technikgeschichte gewöhnlich nicht zu ihren Kernkompetenzen gehört. Da schreibt man lieber voneinander ab.

Klar hat sich die Gramophone Co. bei den Aufnahmen der Patti besonders engagiert, andererseits hat die Künstlerin und zudem die Feiertage für Verzögerungen gesorgt, die bei anderen Projekten wegfallen.

Bei den berüchtigten Weihnachtsaufnahmen im Sommer kommt derselbe Effekt zum Tragen wie beim Sylvesterfeuerwerk. Der Großhandel will halt schon nach der Sommerpause wissen was es Neues gibt (Leipziger Herbstmesse bei Phonoartikeln) und sich nach einer Planungsphase entsprechend eindecken. Danach geht es an die Zwischenhändler, später an die Einzelhändler und schließlich zum Kunden.
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Formiggini
Mo Jan 04 2016, 11:52


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Auch in der "Berliner Börsenzeitung" erschienen, über mehrere Jahre, regelmäßige (kurze) Kritiken und Neuvorstellungen. Dazu zwei Beispiele aus dem Jahr 1928 für Lindström

Der Tenor Jaro Dworsky mit "Friederike - O Mädchen, mein Mädchen" auf Parlophon P-9331, aufgenommen am 17. Oktober 1928. Diese Platte fand am 15. Dezember 1928 Erwähnung:




Wagners "Götterdämmerung" unter Max von Schillings. Die Aufnahmen entstanden am 27. & 28. März 1928 und wurden als "Neuerscheinung" am 14. September 1928 vorgestellt.

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Webseite
Arto
Di Jan 05 2016, 14:35
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 188
Die Aufforderung an den Händlern war riesengroß, und nur wenig Zeit wurde gegeben. Schon am 1. Februar 1906 wurden sie angeschrieben -- wie hier gezeigt:



Mit freundlichen 2016-Grüßen,

Arto
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Starkton
Di Jan 05 2016, 23:05
Dabei seit: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Einträge: 1927
Tolles Dokument und eine wunderbare Ergänzung der Patti-Schallplatten-Zeitleiste! Vielen Dank @Arto

Die Firma war, wie man in diesem Schreiben lesen kann, wirklich ausserordentlich stolz auf ihren Coup: "... by far the most important event in connection with the Talking Machine trade."

Ich habe eine der Testpressungen von Dezember 1905, und ich stelle mir vor es wäre eine derjenigen gewesen die Patti damals vorgelegen haben.
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