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Phonographen Schalldose - Aufbau & Frage
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Formiggini
Fr Dez 16 2011, 13:12 Druck Ansicht

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Die ersten (und später auch noch billigeren) Walzendosen hatten den Abspielsaphir entweder direkt auf die Membran geklebt, oder zwischen Saphir und Membrane gab es noch eine kleine "Spinne" aus Metall die verschiedene Punkte der Membran anregten.

Edison kam bereits um 1892 mit einer neuen, wesentlich komplizierteren Abtastdose für die Tiefenschrift auf den Markt.
An dem grundlegenden Aufbau änderte sich bis zum Schluß wenig.

Generell verstehe ich die Funktion der Dose, allerdings habe ich zu dem kleinen Kettenglied/Faden zwischen Hebel und Membran eine Frage.
Zuerst mal aber zwei Bilder einer Edison Walzenschalldose und der erklärende Text dazu aus einer Zeitschrift um 1900:




Der Edison Automatic Reproducer vorletzter Konstruktion besteht aus einem Metallgehäuse mit dem Klemmring A.
Emtfernt man diesen, so läßt sich die Platte mit Rohransatz B herausheben.
Es zeigt sich nun ein dünner Gummiring G G`, die Glasmembrane DD und wiederum ein Gummiring GG`.
Wenn diese Gummi Isolierung spröde geworden sind, müssen sie durch neue ersetzt werden.
Das Membranglas soll so zwischen den Isolierringen liegen, dass es mit seinem Umfange an keiner Stelle des Gehäuses anstößt.
Der Klemmring A darf weder zu lose, noch zu fest geschraubt werden; ist er zu lose, so entsteht in der Wiedergabe ein unreiner Ton, hingegen büßt bei zu fester Spannung das Diaphragma an Empfindlichkeit ein.
Man trachte daher, durch Versuche die richtige Spannung zu ermitteln.
Nun besehen wir die Schalldose von der anderen Seite.
Nach Lösung der Schraube C wird das Gewicht W frei, welches im Punkte E beweglich ist. Man lasse es nie auf die Membrane fallen, weil diese sonst zerbricht.
Der Membrankopf F, ein kleines Messingscheibchen, ist mit Syndetikon (?) genau im Mittelpunkte des Membranglases festgeklebt und hängt durch eine Öse und das Kettenglied L am Saphirträger H.
Dieser, ein kleines Hebelchen, ist im Punkte I drehbar und trägt am anderen Ende die Wiedergabespitze J.




Meine Frage betrifft das Kettenglied L (später durch eine starre Schnur ersetzt):
Der Saphir setzte ja die Tiefenschriftbewegung auf die Membran über dieses kleine Glied um.
Aber jedesmal, wenn der Saphir ein "Tal" erreichte, müsste sich doch dieses kleine Kettenglied entspannt haben, und die Wiedergabe aussetzen?

Wo habe ich da meinen Denkfehler? Ohne zusätzliche Feder kann sich dieses kleine Kettenglied doch nicht unter dauerhafter Spannung befunden haben...?
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Rundfunkonkel
Fr Dez 16 2011, 17:05
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1112
Nach meiner Überlegung liegt das Gewicht der Dose auf dieser Nadel, und hält somit durch die Massenträgheit die Spannung aufrecht. Sobald die Dose aus der Rille genommen wird, entspannt sich diese Schnur oder Keete, und eine Druckbelastung der Membran ist nicht möglich. Habe ich das richtig verstanden?
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gramofan
Fr Dez 16 2011, 21:23
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1109
Das Gewicht (hier W)zieht permanent nach unten. Da der Saphir (J) mit seinem Hebel darauf sitzt (Drehpunkt I), wird die Öse (L) permanent unter Spannung gehalten. Ende des Saphirhebels (H) und Gewicht (W) arbeiten gegenläufig.
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Rundfunkonkel
Fr Dez 16 2011, 21:39
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1112
Hmm, kann es sein, dass die Dose auf einem definierten Abstand zur Walze gehalten wird, und der Bewegungsraum nur durch das gelagerte Gewicht überbrückt wird - das Gewicht zieht den Faden stramm, und gleichzeitig die Nadel gegen die Tonrille.


[ Bearbeitet Fr Dez 16 2011, 21:40 ]
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Starkton
Fr Dez 16 2011, 22:25
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Das ist eine sehr gute Frage. Die besondere Konstruktion des "Automatic Speaker", entwickelt 1892, erlaubt es, dass der Wiedergabesaphir "J" etwas seitliches Spiel hat und leichter auf die Rille einzustellen ist, bzw. beim Absenken auf die Rille diese besser trifft. Beim Vorgänger kam es vor dass der Saphir im Bereich zwischen den Rillen auftraf was die Wiedergabe stark verzerrte.

Entscheidend für dieses seitliche Spiel ist die Aufhängung über ein bewegliches Kettenglied "L". Das Gewicht des Automatic Speaker liegt übrigens nicht auf dem Saphir, dies würde die weichen braunen Walzen aus wachsähnlicher Masse, für welche diese Schalldose entworfen wurde, sofort zerstören. Der Tonarm, in den die Schalldose eingesetzt ist, hält sie stets in einem gleichbleibendem Abstand über der Walze.

Das Zusatzgewicht des Automatic Speaker wird über die Stellschraube "C" so eingestellt dass die Glasmembran durch den Saphir "J" stets ein wenig gespannt ist und der Saphir dem Rillenboden dennoch gut folgen kann. Die Tiefenschrift ist nicht so "tief". Nur ein paar Tausendstel Millimeter. Das kann die Membran über die Gummiringlagerung locker ausgleichen.

Text und Bilder sind übrigens der ersten deutschsprachigen Sprechmaschinen-Monographie entnommen: Alfred Parzer-Mühlbacher: Die Modernen Sprechmaschinen (Phonograph, Graphophon und Grammophon), deren Behandlung und Anwendung. Wien, Pest, Leipzig o.J. (1902)

Das Büchlein ist von einem Kenner der Materie hervorragend geschrieben und absolut zu empfehlen. Ich habe es im Antiquariat bekommen, es gibt aber auch einen Nachdruck davon.
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snookerbee
Fr Dez 16 2011, 22:47
"Urgestein"

⇒ Mitglied seit ⇐: Fr Apr 15 2011, 20:12
Beiträge: 1644

Auch wenn ich nicht alle mechanischen Details verstehe, so ist doch für mich beeindruckend, wie präzise der Abnehmer eingestellt werden musste, um die Walze nicht zu beschädigen. Dagegen scheint mir die Technik der Berliner-Grammophone eher grob zu sein!

Eine Frage, die vielleicht etwas vom Thema wegführt: Uli schrieb von einem Saphir, der in die Rille gesenkt wird. Warum wurde die Nutzug eines Saphirs nicht bei der Seitenschrift in Erwägung gezogen? Das dauernde Nadelwechseln würde wohl aus heutiger Sicht einen Käufer eher abschrecken, oder?

[ Bearbeitet So Mär 25 2012, 21:46 ]
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Formiggini
Sa Dez 17 2011, 00:02

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Warum wurde die Nutzug eines Saphirs nicht bei der Seitenschrift in Erwägung gezogen? Das dauernde Nadelwechseln würde wohl aus heutiger Sicht einen Käufer eher abschrecken, oder?


Ein mehr als ausführliches Thema - lass uns dazu morgen einen neuen thread aufmachen - besser ist da... *grins

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Rundfunkonkel
Sa Dez 17 2011, 01:23
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1112
Dazu fällt mir die Frage ein, ob bei Edisons "Diamond Disc" die Tondose vielleich so ähnlich aufgebaut war, also ohne großes Gewicht auf die Rille einwirken zu lassen.
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RF-Musiker
Sa Dez 17 2011, 06:56
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Sep 15 2011, 11:21
Wohnort: Berlin
Beiträge: 353
snookerbee schrieb ...

Warum wurde die Nutzug eines Saphirs nicht bei der Seitenschrift in Erwägung gezogen?

Weil sich lieber die Nadel als die Platte abnutzen sollte, denke ich mal. Heutzutage haben wir ja ein Auflagegewicht von 1 bis 2 g.
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