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Foren > Schellackplatten > Digitalisierung und Klangrestaurierung
Ein moderner Dreher für Schellacks - Vorstellung Audio Technica AT LP 120 USB
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
gramofan
Fr Jun 16 2017, 16:42 Druck Ansicht
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 921
Bevor ich auf den Plattenspieler eingehe, vielleicht noch kurz ein paar Worte zur Frage, wieso kauft sich ein eingefleischter DUAL-Fan einen modernen Plattenspieler von einem japanischen Unternehmen? Nun, mein jüngster DUAL (ein 721er) ist bescheidene 37 Jahre alt, spielt aber keine 78er Platten, die weiteren Geräte, die dazu in der Lage sind, haben immerhin zwischen 45 und 50 Jahren auf dem Buckel und wer weiß schon, wie lange sie‘s noch machen.
Wie kam ich nun auf dieses Modell? Gegen Riemenantriebe habe ich schon immer eine Abneigung gehabt, weil ich (wohl zu recht) vermute, dass der Riemen ein Schwachpunkt ist, der durch Alterung das Gerät unbrauchbar macht (ich weiß: vorerst ist für Ersatz gesorgt, aber wer weiß ob das so bleibt). Kam also nur die Alternative Direktantrieb in Betracht. Ein Vermögen wollte ich nicht ausgeben und selbstverständlich waren 78 Rpm Bedingung. Sieht man sich in der aktuellen Produktion um, wird es da schon eng. Der im Forum vorgestellte Reloop RP-6000 scheint mittlerweile neu nicht mehr erhältlich zu sein. Da das Audio Technica Gerät im Netz günstig für 279 € angeboten wird, landete ich fast zwangsläufig dabei.
Eine erste Sichtung überraschte angenehm. Trotz (oder wahrscheinlich vielmehr dank) Produktion in China hat das Gerät keineswegs die befürchtete billige Plastikanmutung, sondern macht einen ganz soliden Eindruck (wenn man auch keinen Vergleich mit einem DUAL Direktantriebler vom Beginn der 80er Jahre anstellen darf [das gilt auch für Gleichlaufschwankungen und Geräusschspannungsabstand], aber der hat damals schon ohne Berücksichtigung von 40 Jahren Geldentwertung locker das Dreifache gekostet). USB-Anschluss und Vorverstärker (abschaltbar) sind eingebaut, reichlich Kabel gehören zur Serienausstattung, sogar das USB-Kabel. Damit sollte (bis auf einen Verstärker mit DIN-Eingang) wohl jeder Anschluss gelingen. Beigepackt war ein MM-Tonabnehmer Audio Technica AT 95 E. Dabei handelt es sich nicht gerade um das Spitzenmodell der Firma. Wer vorwiegend LPs hören will (aber das gibt‘s ja hier im Forum nicht ), sollte sich um etwas Hochwertigeres bemühen. Wenn man den recht günstigen Preis bedenkt, für den das System separat verkauft wird, muss man ihm allerdings einen recht ordentlichen Klang und eine sehr gute Kanaltrennung attestieren. Ich habe mir gleich eine Austauschnadel für Schellacks mitbestellt und für die reicht das System m.E. allemal. In der Gebrauchsanweisung wird immerhin dreimal vor Verwendung des Systems für Schellacks gewarnt. Der Gebrauch könne die Platten beschädigen. Ich denke mal, der Autor kennt sich da mit der Materie nicht aus (ich habe jedenfalls auch nach mehrmaligem Abspielen keinerlei Beschädigungen an einer N+ erhaltenen Platte feststellen können ). Durch den SME-Anschluss der Headshell lassen sich verschiedene Systeme leicht tauschen. Die kardanische Tonarmlagerung macht einen soliden Eindruck, Antiskating ist vorhanden. Für den Schellackfreund unpraktisch ist, dass die Auflagekraftskalierung lediglich bis 3,9 Gramm reicht. Das reicht nicht für jedes System mit 78er-Nadel.

Gut gefällt mir die Möglichkeit die Umdrehungsgeschwindigkeit um bis zu +- 20% zu verändern. Damit lassen sich dann auch eine Reihe Schellacks mit irregulären Aufnahmegeschwindigkeiten korrekt abspielen. Eine Anzeige der tatsächlichen Umdrehungsgeschwindigkeit in diesem Modus fehlt allerdings. Da muss man ggf. mit einem Drehzahlmesser arbeiten. Für die Standardgeschwindigkeiten 33 und 45 (leider nicht für 78) gibt es auf dem Plattentellerrand Stroboskoppunkte und eine entspr. Beleuchtung. Eine Beleuchtung des Nadel-Aufsetzpunkts, haben die Konstrukteure auch spendiert, ein für alle, die nicht im Dunkeln arbeiten, eher entbehrliches Feature. Gewöhnungsbedürftig (für ehemalige DUALer) ist die Einstellung der Auflagekraft: zum Ausbalancieren des Tonarms gibt es keinen genormten Bezugspunkt am Plattenspieler und die Auflagekraft wird nur durch die Schwerkraft bewirkt, nicht wie bei DUAL durch eine Feder, da ist insgesamt viel Fingerspitzengefühl gefragt. Bleibt abschließend anzumerken, dass der Dreher rein manuell zu bedienen ist. Es gibt weder ein automatisches Aufsetzen noch eine automatische End-Abschaltung, nicht mal ein Abheben des Tonarms. Immerhin lassen sich damit im Gegensatz zu Automatikspielern auch sehr weit bis in die Mitte geschnittene Platten ohne Tricks bis zu Ende abspielen. Zu guterletzt sei noch erwähnt, dass man beim Audiokabel mit gewöhnlichen verchromten Steckern vorlieb nehmen muss. Eine Vergoldung ist wohl für diesen Preis nicht drin (darüber, ob man das hören könnte, mag man sich füglich streiten). Bleibt noch zu erwähnen, dass es auch an einem Aluminium-Puck für Singles nicht fehlt und dass 30cm-Platten bei geschlossener Haube abgespielt werden können.
Das Digitalisieren funktioniert mit dem Gerät unter Zu- Hilfe-Nahme von Audacity problemlos: Stecker einstecken, in der Windows System-Steuerung, die nötigen Einstellungen machen (die Anleitung ist hier noch auf dem Stand von VISTA, aber man findet's auch so) und los geht's.
Fazit: für den Preis wirklich eine solide Gegenleistung. Wenn man einen Dreher aus moderner Produktion erwägt: Kaufempfehlung.
Noch ein paar Bilder (ich bin kein Werbepgotograph )













[ Bearbeitet Sa Jun 17 2017, 11:25 ]
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VoxHumana
Fr Jun 16 2017, 21:53
Dabei seit: Mi Okt 12 2016, 21:13
Wohnort: Baden
Einträge: 159
Vielen Dank für diese ausführliche Erklärung und Rezension!!
Seit einiger Zeit will ich mir dieses Gerät zulegen. Ich war mir allerdings in einigen Punkten nicht ganz im Klaren. Die meisten Fragen, die ich noch hatte sind jetzt beantwortet.
LG Annette
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veritas
Sa Jun 17 2017, 12:31
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 461
Den AT-LP120 habe ich selbst seit vielen Jahren alt dritten Plattenspieler in den USA im Einsatz und bisweilen kann ich ihn, wie schon damals hier im Forum, immer noch empfehlen. Die Taster des AudioTechnica sind bei diesem Preis natürlich nicht annähernd so wertig wie die eines Technics, aber völlig in Ordnung. Vorsichtig muß man bei der Tonarmgabel sein, die bricht sehr schnell ab, besonders dann, wenn der Plattenspieler viel transportiert wird.

Mittlerweile gibt es nur die etwas teurere USB-Version mit eingebauter Soundkarte. Wie ich schon mal beschrieb, schafft diese interne Karte allerdings nur mäßige 16 Bit. Da ziehe andere A/D-Wandler vor.

Mein Modell ist noch in mattem Silber gehalten, der schwarze Glanzlack sieht deutlich besser aus. Weiß wäre noch schicker.

Übrigens ist die Justage der Auflagekraft beim AT mit den allermeisten Plattenspieler-Modellen identisch. Dual ging da wieder ganz eigene Wege abseits vom Standard. Ich bekomme das beim AT in max. einer Minute justiert: Antiskating auf 0 stellen; Tonarmgewicht so einstellen bis der Arm waagerecht "in der Luft hängt"; Skala am Gewicht auf 0g stellen und das gewünschte Gewicht einstellen; Antiskating einstellen. Durch Verschieben der Skala kann man auch ohne Probleme ein Offset für höhere Gewichte einstellen.

Ein schönes Feature ist auch die Möglichkeit, den Plattenteller rückwärts laufen zu lassen. Bei fiesen Kratzern, die die Nadel nach innen ziehen, habe ich schon manche Platte wieder spielbar bekommen.

Das AT95E-System ist wirklich ein sehr einfaches Modell (bei Amazon für €28 erhältlich). Es ist aber erstaunlich, daß es selbst in teueren Modellen jenseits der €1000-Marke mitverbaut wird. Viele Hersteller sparen da gern, wo sie der Meinung sind, es falle vielen nicht auf. Für Schellacks reicht es mit Sicherheit aus, wenn man mit der geringen Auflagekraft zurechtkommt.

Noch bizarrer: Der etwa €200 teure ClearAudio Concept V2-Tonabnehmer ist nichts anderes als AT95E in eigenem Gehäuse und mit leicht verändertem Nadelträger! Vielleicht lese ich auch deshalb wiederholt vom Spitznamen 'Klirraudio'.
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krammofoon
So Mär 03 2019, 10:25
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1178
Servus :-)

In der Riege dieses schönen Plattenspielers mische ich dann seit gestern Abend auch mit.

Hier beim ersten Funktionstest; allerdings mit einem AT3600-TA, weil ich da eine Schellacknadel montiert habe.

Nach gut 2-stündigem Test mit allem möglichen Plattenmaterial, bin ich bisher mehr als zufrieden.

Für das Geld (hier 256 Euro bei MM) kann ich den Dreher vollumfänglich empfehlen!

Alles Weitere wird sich ab jetzt im Alltagsbetrieb zeigen.

Gruss
Georg



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snookerbee
So Mär 03 2019, 11:42
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1757

Danke für die Vorstellung dieses Drehers, der für mich recht interessant ist. Das Gerät wird bei einem großen Händler recht gut bewertet Link - Hier klicken , allerdings fallen auch zwei Kommentare auf, die folgende Probleme beschreiben:

1. Hohes Nebengeräusch des Motors mit Rumplen bei der Digitalisierung leiser Musik

2. Ungenaue Pitch-Einstellung des Motors beim Vergleich mit einer Stroboskopscheibe

Ich kann das jetzt nicht verifizieren, da ich den Dreher nicht besitze, würde aber gern wissen, ob besonders der Punkt 1 zutrifft. Das wäre für zumindest mich ein Ausschlußgrund.

Auch würde ich gern wissen, ob es für das beschriebene Tonabnahmesysthem verschiedenene Schellack-Nadelverrundungen gibt. Kann da jemand eine Aussage treffen?

VG Claus
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krammofoon
So Mär 03 2019, 12:44
Schellack-Gnadenhof
Dabei seit: Mo Jun 27 2011, 20:47
Einträge: 1178
Servus :-)

Claus, ich hab dir eine Mail geschrieben. Bitte mal nachsehen. Danke!

Gruss
Georg
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snookerbee
So Mär 03 2019, 17:02
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1757
Fragen beantwortet und Mail retoure ...

[ Bearbeitet So Mär 03 2019, 19:38 ]
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