Automatic translation in English

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾

‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾‾


Grammophone in BildernGrammophongalerie


International Gramophone Board
Participate?

Foren

Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten
Neuveröffentlichungen von Platten nach 1943 für den deutschen Zivilmarkt
Wechsle zur Seite   <<        >>  
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Odeon89
So Jan 27 2019, 14:37
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 316
Musikmeister schrieb ...

Zu den bereits erwähnten 30cm-Odeon-Platten O-3648 und 3649 (adoptiert März 1944) kann man im Aufnahmebuch neben "Neuerscheinungen 1944" auch "für Kopenhagen" erkennen.



Also wenn die Platten 1944 überhaupt noch veröffentlicht wurden, dann wohl nur noch im Ausland (Dänemark,Belgien etc.).


Danke für diese spannenden Einblicke in die Aufnahmebücher! Unten meine ich sogar eher "1945" lesen zu können (?)
Nach oben
Konezni
So Jan 27 2019, 15:19
Dabei seit: Do Aug 20 2015, 18:23
Wohnort: Berlin
Einträge: 150
Ledkowskys Blümchen-Polydors umfassen selbstverstädnlich nur die Nachkriegsaufnahmen. Dass die Lotz-Diskografien oft keine Bestellnummern enthalten, liegt daran, dass hierfür die Kartei-Karten der DGG zur Grundlage genommen wurden, die, ähnlich wie die Aufnahmebücher der Lindström, nur Bestellnummern für den regulären Inlandsmarkt enthalten. Der dortige Eintrag "für Kopenhagen" wird vermutlich bedeuten, dass für den dänischen Markt eine eigene Ausgabe mit einer gesonderten Bestellnummer gepresst wurde. Im faksimilierten Ausschnitt halte ich eine Lesart "1945" für unwahrscheinlich, da die beiden letzten Zahlen identisch sind, es sei denn, es hieße "1955".
Nach oben
Konezni
So Jan 27 2019, 15:20
Dabei seit: Do Aug 20 2015, 18:23
Wohnort: Berlin
Einträge: 150
... Der Umschnitt einer Wiener Aufnahme (Schimmelpfennig) in Prag ist natürlich denkbar...
Nach oben
Abstellhebel
So Jan 27 2019, 16:18
Gast
Frage zwischendurch, Liegen die Odeonbücher wirklich nur in dieser furchtbaren 70er Jahre Fotokopier Qualität vor ?

Gruß, Max
Nach oben
berauscht
So Jan 27 2019, 16:51
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1453
Abstellhebel schrieb ...

Frage zwischendurch, Liegen die Odeonbücher wirklich nur in dieser furchtbaren 70er Jahre Fotokopier Qualität vor ?

Gruß, Max

Es sind Fotokopien aus der Sammlung Rainer Lotz, die von Claus Peter Gallenmiller gescant wurden, und jetzt von der GHT als CD (Preis: 29.90 Euro + Porto) angeboten werden.
Nach oben
jitterbug
Mi Jan 30 2019, 14:02
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 380
Mit großem Interesse habe ich die spannenden Beiträge verfolgt.

Hier ergänzend ein paar Infos und Etikettenabbildungen (TEIL 1 TELEFUNKEN):

Diverse Musiker, wie auch der Telefunken Techniker Ewald Mahr und Televox-Techniker Hajo Lichtenfels beschrieben, dass ab 1942 von den großen Plattenfirmen Aufnahmen quasi "auf Halde" produziert wurden. Dafür gab es verschiedene Gründe. Zum einen wurden etliche Musiker eingezogen und stnaden somit nicht mehr für Neuaufnahmen zur Verfügung, zum anderen "hing in Luft" eine extreme Rationierung, die Neuaufnahmen auf ein Minimum herunterzufahren drohte.

Bei TELEFUNKEN und GRAMMOPHON konnte so eine kleiner Katalog an Neuerscheinungen aufrecht erhalten werden, auch wenn die Aufnahmen bereits etwas älter waren. Sie sind schließlich zuvor nicht in den Handel gekommen (KURT HOHENBERGER, FUD CANDRIX, STAN BRENDERS, JEAN OMER, TEDDY KLEINDIN, LISA LESCO). Leider sind einige Aufnahmen im Laufe des Krieges verlorengegangen (LISA LESCO beispielweise, es erhielten sich wohl nur zwei Tonbänder vom 21.10.1943, die nach dem Krieg umgeschnitten wurden und auf A 10695 erschienen "Schade, daß wir auseinander gehn"/"Ich laß meinen Peter nie allein")


Nachkriegs-Erstveröffentlichung auf Papieretikett mit "Censure"-Vermerk
A10695, Aufnahme Berlin, 21.10.1943




Da sowohl TELEFUNKEN als auch die DEUTSCHE GRAMMOPHON/POLYDOR/BRUNSWICK über verschiedene Presswerke an unterschiedlichen internationalen Standorten verfügten, konnte die Produktion der beiden Firmen ziemlich nahtlos durch den Krieg erfolgen, auch wenn wenig an Neuaufnahmen produziert werden konnte, da Studios beschädigt/zerstört waren und bekanntermaßen Rohstoffknappheit herrschte.


Hier Etiketten der TELEFUNKEN aus der späten Kriegszeit:

Zu Beginn wie SchellackFreak am 26.01. vorstellte, hier ein Exemplar aus der Neuerscheinungsliste September/Oktober 1943

blaues Etikett mit Schriftzug "Die deutsche Weltmarke"
A 10413, Aufnahme Berlin, 08.05.1943




blaues Etikett bereits OHNE "Weltmarke" (offenbar Pressung der ULTRAPHON)
A 10523, Aufnahme Berlin, 15.07.1943 (Neuerschinung NACH Oktober 1943)




rotes Etikett OHNE "Weltmarke"
(ähnlich wie die CANDRIX-Platten mit Aufnahmen "auf Halde" vom 05.01.1943, die Odeon89 am 26.01. zeigte)
A 10537, Aufnahme Wien, 30.03.1944




graues Papieretikett OHNE Lizenznummer, späte Kriegspressung, Aufnahme "auf Halde".
Die Bestellnummer liegt weit höher als bei der Wiener Aufnahme vom 30.03.1944. So ist zu schließen, dass diese Platte erst im Sommer 1944 hergestellt wurde, also zwei Jahre nach der Einspielung.
A 10552, Aufnahme Berlin, 15.07.1943




Beleg für eindeutige Kriegspressung auf Papieretikett: Diese italienische Aufnahme von 1942, die 1943 von TELEFUNKEN Deutschland aus Anlass des Gastspiels von Zuccheri erfolgte, trägt beidseitig die EInstanzung "Wehrmachts-Eigentum"
A 10480, Aufnahme Mailand, Oktober 1942




Testplatte (einseitig)
Test, Aufnahme Wien 28.03.1944




Export für Skandinavien in ULTRAPHON-Typographie, schwedischer Aufdruck "Världs Märket"
A 5316, Aufnahme Stockholm 21.10.1942, Neuerscheinung Juni 1943
(Englund&Elfström: Svenska Diskografier 9, Gotab Stockholm 1994)




Skandinavische Pressung (TELEFUNKEN OSLO) "Världs Märket"
A 5388, Aufnahme Stockholm 14.03.1944, Neuerscheinung: Oktober 1944
(Englund&Elfström: Svenska Diskografier 9, Gotab Stockholm 1994)




Um diesen Beitrag nicht zu sehr ausufern zu lassen, folgen in nächster Zeit weitere Teile zu POLYDOR/BRUNSWICK, ODEON (auch Export), IMPERIAL (auch Export), Illustrationen zu ELECTROLA/COLUMBIA (auch Export).

Viele Grüße, Stephan


[ Bearbeitet Mi Jan 30 2019, 14:09 ]
Nach oben
Odeon89
Mi Jan 30 2019, 20:14
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 316
Vielen Dank, Stephan, für diese sehr schönen Beispiele!

Zu Telefunken hätte ich hier noch eine Ergänzung, die ich ganz kurios fand. Es ist zwar keine Neuveröffentlichung von 1943/44, aber recht eindeutig eine Pressung aus diesen Jahren... Eigentlich "feindstaatliche" Musik par excellence, konnte ich diese Platte tatsächlich in Wien finden - mir unerklärlich, zumal sie auch nicht mehr in der 1942er "Ernte" unter den lieferbaren Platten aufgeführt wird...




[ Bearbeitet Mi Jan 30 2019, 20:21 ]
Nach oben
berauscht
Mi Jan 30 2019, 22:28
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1453
Telefunkenwerbung aus dem Jahr 1943.

Nach oben
berauscht
Do Jan 31 2019, 11:11
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1453
Was die Telefunkenplatte oben direkt aussprach, sagte die Grammophon durch die Blume: "Wer seine Schallplatten pfleglich behandelt, hat länger Freude an ihnen!". Was wohl ebenfalls heißen soll: neue Platten gibt es nicht.

Nach oben
jitterbug
Do Jan 31 2019, 19:25
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 380
Es folgen weitere Ergänzungen (und Fragestellungen!)
(Teil 2 : POLYDOR/BRUNSWICK)

Im Laufe des Frühjahres 1943 erfolgte die endgültig Umstellung auf das POLYDOR, bzw. SIEMENS-POLYDOR-Etikett, wie an anderer Stelle bereits ausgeführt.

So zeige ich hier eine unbekanntere Ausführung des SIEMENS-POLYDOR-Etiketts für die Wehrmacht: Es ist in hellbraun gehalten (wie viele der 30cm-POLYDOR-Soundtracks oder einige BRUNSWICK-Pressungen) mit Goldschrift.


SIEMENS POLYDOR "Eigentum der Wehrmacht" (Gold auf Hellbraun)
47733 H, Aufnahme Berlin, 02.01.1943, Neuerscheinung: März/April 1943





SIEMENS POLYDOR Export-Serie Schweden (Gold auf Weinrot)
49963, Aufnahme Kopenhagen, 13.06.1943, Depositato: 8.6.43 (!)



Als Nummernblock wurde die 49500-Serie nach Schweden vergeben, so wie 49200-Serie nach Ungarn, die 49700-Serie in die Niederlande.

Der schwedische Film "En melodi om våren" ("Eine Melodie im Frühling") mit der Sängerin LILIAN ELLIS, die als Tänzerin bereits in der Weimarer Zeit in Berlin gastierte und von der Fotografin YVA (Else Ernestine Neuländer-Simon) fotografiert wurde, hatte in Stockholm am 31.07.1943 Premiere.




POLYDOR (Export) (Gold auf Grün)
49565 G, Stockholm 10.08.1943 (Depositato 9.9.43)





SIEMENS POLYDOR (Ungarn) (grau-grünes Papieretikett)
47803/261 H, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (kein Depositato)



POLYDOR NACHKRIEGSPERSSUNG (Deutschland) (Gold auf Weinrot)
47803 H, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (Depositato 8.6.)



BRUNSWICK (Deutschland) (Gold auf Schwarz)
82303, Aufnahme Budapest, Februar 1943 (Depositato 8.6.)



Die BRUNSWICK-Pressung und die Nachkriegsprssung haben das gleich Erscheinungsbild im Wachs. Die auf ungarisch beschriftete Ausgabe der selben Aufnahme trägt KEIN Depositato im Wachs.


SIEMENS POLYDOR (Ungarn) (rot-schwarzes Papieretikett)
49207/327 H, Aufnahme Budapest, Mai 1944 (kein Depositato)



Diese SIEMENS-POLYDOR-Aufnahme entstand im Mai 1944 und trägt kein Depositato oder Mechan. Copyright im Wachs. Die Matriznummer ist stark reduziert auf die fünfstellige Zahl 10237, Rücksiete 10238.


Als Abschluss die anonymisierte Platte von KIRSTEN HEIBERG mit der Soundtrack-Aufnahme von "Ich bin heut' frei, meine Herren" auf POLYDOR 57312 (30 cm). Auf der Platte ist noch der Arbeitstitel ds Filmes vermerkt, im Dezember 1942 wird allerdings in der Presse berets über den Film "Liebespremiere" geschrieben, so dass die Drucklegung des Etiketts mit dem alten Arbeitstitel "Bist du verliebt" spätstens im November 1942 erfolgt sein muss.

Der Film hatte am 11.06.1943 in Berlin Premiere, am 05.01.1943 erfolgte der Umschnitt des Tonbandes mit der Playback-Musik auf Wachs.

Auch hier also eine anonyme Platte, ähnlich, wie es bei der bekannten Zarah-Leander-30cm-Polydor-Platte auch der Fall ist.

POLYDOR (Deutschland) (Gold auf Hellbraun)
57312 GM (30cm), Aufnahme Berlin, ca. November 1942, Umschnitt 05.01.1943




So sind in diesem Beitrag immer noch nicht alle Fragen geklärt, auch nicht, was das "Depositato" engeht, das ich imme rnoch als einen Copyright-, bzw. Zensur-Vorlagestempel halte. Bei etlichen italienischen Pressungen der CETRA, ODEON und FONIT finden sich auch teils tagesgenaue Stempel im Wachs: Besonders beeindruckend, dass am Silvestertag 1942 Dutzende Aufnahmen den Stempel tragen, andere Platten targen das Weihnachtsdatum 1943. Diese Stempel finde ich bei italienischer ODEON auch noch in Nachkriegsjahren 1945 und 1946. Die in römischen Zahlen bezeichnete neue Jahresrechnung ab Mussolini ist dann bei älteren Aufnahmen in Nachkriegspressungen mit "xxxxx" überdruckt.

Fortsetzung folgt.

Beste Grüße, Stephan


[ Bearbeitet Do Jan 31 2019, 19:46 ]
Nach oben
berauscht
Do Jan 31 2019, 20:46
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1453
Die Fragen zum Posting von Stephan sollen wir vielleicht im "Depositato" Thread diskutieren.
Nach oben
jitterbug
Fr Feb 01 2019, 12:11
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 380
Es folgen weitere Ergänzungen
(Teil 3 : ODEON / PARLOPHONE)


Über die 26000-Serie mit WILLI STEFAN DIDI und GRETL SCHÖRG wurde bereits von den Mitgliedern Konezni und Musikmeister berichtet, ebenso hat Odeon89 die O-31728 (WERNER SCHWARZ) abgebildet. Um die Neuerscheinungen November/Dezember 1943 als Auftakt zu illustrieren, die berauscht am 17. und 19.01. vorstellte, hier zu Beginn die gelistete MICHAEL JARY/HORST WINTER-Platte O-31721.

ODEON Goldschrift auf blau
O-31721, Aufnahme Berlin, 21.06.1943 (Neuerscheinung: November/Dezember 1943)



Diese Pressung begegnete mir in über 40 Jahren des Sammelns insgesamt nur zwei Mal auf freier Wildbahn, als Nachkriegspressung trifft man sie weitaus häufiger an.


ODEON Goldschrift auf blau ("Wehrmachts-Eigentum")
O-31724, Aufnahme Berlin, 05.04.1943 (Neuerscheinung: 1944)



Die Neu-Inlandsveröffentlichungen der ODEON wurden ab spätestens Mitte des Jahres 1943 stark eingeschränkt, diese Platte ist quasi ein "Restbestand auf Halde", der erst etwa 9 Monate nach Aufnahme erst veröffentlicht wurde. Dies ist u. a. belegbar durch die direkt aufeinander folgenden Plattenbestellnummern:

ODEON Goldschrift auf blau (Aufdruck "P"="Pathé" Frankreich)
O-31725, Aufnahme Berlin, 21.10.1943 (Neuerscheinung: 1944)



Diese Platte mit Goldaufdruck "P" ist tatsächlich auch eine Laminatpressung, wie sie bei der PATHÉ (zusammengefasst mit COLUMBIA, SWING, LA VOIX DE SON MAÎTRE) in Frankreich üblich war.

Da die höchste genannte Nummer im Nachtrag November/Dezember 1943 von berauscht die Nummer 31722 zeigt, sind diese beiden FRED HECKER-Platten offensichtlich erst 1944 veröffentlicht worden. Dabei fällt auf, dass zwischen beiden Einspielungen mehr als 6 Monate liegen, sie aber quasi gemeinsam veröffentlch wurden.


Die mir vorliegende O-31685 von MICHAEL JARY trägt überigens zwei unterschiedliche Etiketten und ist KEINE Laminatpressung:

ODEON Goldschrift auf blau (mit UND ohne Aufdruck "P")
O-31685, Aufnahme Berlin, 29.08.1941 (Neuerscheinung: Ende 1941)





Für den Export nach Dänemark stellte die ODEON etliche Platten her, die erst 1944 aufgenommen und/oder gepresst wurden:

Zuerst wiederum eine Platte mit Aufdruck "P" (allerdings KEINE Laminatpressung):

ODEON Goldschrift auf blau (Aufdruck "P")
OD. D-905, Aufnahme Kopenhagen, September 1943 (Pressung offenbar 1944)





Die folgende Aufnahme von BRUNO HENRIKSEN entstand am 12.06.1944 und erschien nach dem Krieg auch in Deutschland mit der (dänischen) Export-Bestellnummer. Hier eine Kriegspressung von 1944:

ODEON Goldschrift auf blau
OD. D-961, Aufnahme Kopenhagen, 12.06.1944 (deutsche Kriegspressung)



Diese Platte trägt erstaunlicherweise keinen Aufdruck "P", sie ist KEINE Laminatpressung, sondern in bestem Voll-Material hergestellt worden.


Hier folgt eine Export-PARLOPHONE-Pressung, die mit Umschnitt-Matrizen und britischer Besetllnummer in den europäischen Export, bevorzugt nach Skandinavien, geschickt wurde. Diese Serie wurde quasi als Fortsetzung der ODEON SWING MUSIC SERIES, die allerdings mit Original-Matrizen arbeitete, während des Krieges auf den Markt gebracht. Man behalf sich mit Umschnitt-Matrizen, da die Originale fast ausschließlich bei der DEUTSCHEN GRAMMOPHON/BRUNSWICK lagen. So behalf man sich mit Umschnitten von Schallplatten, die mit Lindström-Ersatzmatrize "Bb" belegt wurden und gekennzeichnet durch den Anhang "-0" nach der Nummer.

Diese seltsame Verwicklung kam zustande durch die Übertragung der Rechte an die Britische PARLOPHONE mit Gründung der EMI und Firmenliquidationen/Übernahmen von Labels in den USA und Großbritannien.

Solche PARLOPHONE-Pressungen tauchen über Re-Import hin und wieder in Deutschland auf, waren aber in Folge des relativ niedrigen Preises beliebt in Skandinavien.

PARLOPHONE Goldschrift auf violett (mit Aufdruck "P")
PARL. R 2554, Aufnahme New York, 17.09.1937 (deutsche Kriegspressung)





Als Abschluss ein Kuriosum, das quasi als "Überläufer" 1944 untergegangen ist und erst in der Neuerscheinungsliste I/1950 vorgestellt wird:

ODEON (Papieretikett, Nachkriegsveröffentlichung)
O-31878, Aufnahme Kopenhagen, 27.10.1944 (Neuerscheinung Januar 1950)





Der dänische Bandleader BENT FABRICIUS-BJERRE ging selber jahrelang davon aus, dass die vier Titel dieser Aufnahmesitzung verschollen seien, da sie im November 1944 nach Berlin zur technischen Entwicklung geschickt wurden und er nicht einmal - wie sonst üblich - ein Belegexempar erhielt.

So ist offenbar, dass bei ausländischen Produktionen selbst im Herbst/Winter 1944 davon ausgegangen wurde, die Produktion der ODEON würde nahtlos trotz aller Kriegswirren weiterlaufen, was in diesem Falle selbst für die sicherlich bevorzugte Export-Produktion aus gegebenem Anlass auch nicht mehr funktionierte.

Eine Veröffentlichung der BENT FABRICIUS-BJERRE-Sitzung müsste also für das beginnende Jahr 1945 geplant gewesen sein...

Auch wenn die Inlandsproduktion nahezu zum Erliegen kam und nur noch stark eingeschränkt Neuaufnahmen erfolgten, muss die Exportproduktion bei ODEON nach wie vor auf Hochtouren gelaufen sein.


Fortsetzung folgt.

Viele Grüße Stephan
Nach oben
Arto
Sa Feb 02 2019, 00:24
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 184
Nur ganz kurz:

"SIEMENS POLYDOR Export-Serie Schweden (Gold auf Weinrot)
49963, Aufnahme Kopenhagen, 13.06.1943, Depositato: 8.6.43 (!)"

die Zeile "ur filmen "En melodi om våren"" ist schwedisch


die Zeile "med Teddy Petersen og hans orkester" is dänisch, sowie das Orchester an sich.

MfG

Arto

Nach oben
jitterbug
Sa Feb 02 2019, 11:02
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 380
Es folgen weitere Ergänzungen
(Teil 4 : IMPERIAL Export)

Ein weiterer Beleg, dass die Plattenproduktion - zumindest mit Exportproduktionen - in Deutschland auch 1943/1944 immer noch weiter fortlief, zeigen die folgenden Etiketten mit Produktionen für Ungarn und Dänemark.


IMPERIAL (Gold auf violett, Ungarn)
JU 3056, Aufnahme Budapest, ca. September 1943





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark)
DS 1006, Aufnahme Kopenhagen, November 1943





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark, Aufdruck "P")
DS 1023, Aufnahme Kopenhagen, 20.01.1944





IMPERIAL (Gold auf blau, Dänemark, Aufdruck "P")
DS 1026, Aufnahme Kopenhagen, Februar 1944





Obwohl die letzten beiden Etiketten wiederum ein "P" (bekannt von ODEON-Etiketten als Kennzeichnung Presswerk "Pathé") auf dem Etikett zeigen, handel es sich nicht um Laminatpressungen.

Diese Serien sind in Deutschland nicht veröffentlich worden.

Einen schönen Start ins Wochenende!
Viele Grüße, Stephan
Nach oben
Konezni
Sa Feb 02 2019, 14:29
Dabei seit: Do Aug 20 2015, 18:23
Wohnort: Berlin
Einträge: 150
Die Odeon O-31724 befindet sich bereits in der Sept/Okt-Liste 5.43, die O-31725 in der leider nicht komplett hier eingestellten Liste 6.43. Die Neuerscheinungen 1944 beginnen erst mit O-31729.

[ Bearbeitet Sa Feb 02 2019, 14:32 ]
Nach oben
Konezni
Sa Feb 02 2019, 14:31
Dabei seit: Do Aug 20 2015, 18:23
Wohnort: Berlin
Einträge: 150
Kennt jemand den Inhalt der O-31727?

[ Bearbeitet Sa Feb 02 2019, 14:34 ]
Nach oben
jitterbug
So Feb 03 2019, 20:33
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Einträge: 380
Zur Ergänzung vorangegangener Beiträge zu den Veröffentlicheungen POLYDOR/SIEMENS POLYDOR hier Anzeigen, die im Schwedischen ORKESTER JOURNALEN geschaltet wurden.

Teilweise tauchen als Neuerscheinung Platten auf, die in Beiträgen oben bereits abgebildet sind, teilweise werden auch Restbestände beworben von älteren Aufnahmen, die noch lieferbar waren.
SIEMENS POLYDOR Anzeige Neuheiten März 1943



SIEMENS POLYDOR Anzeige Neuheiten Mai 1944
Die hier gelistete Nummer 49565 ist weiter oben abgebildet, im Wachs "DEPOSITATO 9.9.43"



SIEMENS POLYDOR Anzeige Dezember 1944
Dies ist die letzte Anzeige, die während des Krieges in der Weihnachtsausgabe 1944 des Schwedischen ORKESTER JOURNALEN von SIEMENS/POLYDOR geschaltet wurde. Es sind nur bereits zuvor veröffentlichte Platten gelistet, die wohl zu Weihnachten nochmals "aus der Versenkung" geholt wurden.


Viele Grüße, Stephan
Nach oben
Musikmeister
So Feb 03 2019, 21:12
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 938
Konezni schrieb ...

Kennt jemand den Inhalt der O-31727?


Be 13341 und 13342 (17.06.1943)
Nach oben
Arto
So Feb 03 2019, 21:59
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 184
Ehrlich gesagt, auch wenn immer interessant, gehören Exportpressungen nicht hier. Es sei denn, dass skandinawische Platten im offenen deutschen Markt vertrieben wurden. Ausser vielleicht 'Victor spielt' kenne ich keine. Und Victor nur, weil es tatsächlich ein deutsches Label gibt.

M.f.G.

Arto
Nach oben
Wechsle zur Seite   <<        >>   

Forum:     Nach oben