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Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten
Produktionszahlen der deutschen Schallplattenindustrie ab 1927
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Polyfar41
Mi Mär 27 2019, 16:47 Druck Ansicht
Dabei seit: Fr Feb 24 2017, 11:27
Wohnort: Frankfurt am Main
Einträge: 56
Ich habe heute mal einige Zahlen ab 1927 zusammengesucht, die den wirtschaftlichen Zustand der Plattenfirmen beleuchten.

Ausgangspunkt war die Festschrift "25 Jahre Lindström 1904-1929" (1)
Dort fand fand ich die Angabe, dass 1929 bei Lindström in Berlin pro Tag 100.000 Platten gepresst wurden. Wenn man diese Zahl auf der Basis einer damals üblichen 6-Tage-Woche auf ein Jahr mit etwa 300 Arbeitstagen hochrechnet, kommt man auf ein Ergebnis von 30 Millionen gepresster Platten allein in Lindströms Berliner Presswerken.
Das erscheint mir unglaublich viel und vielleicht auch falsch, denn in anderen Quellen wird die Gesamtproduktion aller Plattenfirmen in Deutschland, ebenfalls für 1929, gleichfalls mit 30 Millionen Stück angegeben.

So existiert eine Aufstellung für die Jahre 1927-1939 mit folgenden Zahlen für die gesamte deutsche Schallplattenindustrie (2),(3)

Anzahl gepresster Platten:
1927 25 Millionen
1928 30 Millionen
1929 30 Millionen

1930 20 Millionen
1931 18 Millionen
1932 15 Millionen
1933 10 Millionen
1934 8 Millionen
1935 5 Millionen

1936 7 Millionen
1937 10 Millionen
1938 12 Millionen
1939 14 Millionen

Man sieht, nach der Einführung der elektrischen Aufnahmen lief das Geschäft der deutschen Plattenindustrie bis 1929 nahezu rekordverdächtig.
Der Börsencrash in New York am 24. Oktober 1929 führte aber bekanntlich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise mit Langzeitwirkung, die auch die Plattenindustrie 6 Jahre lang das Fürchten lehrte.
1935 war endlich die Talsohle erreicht, ab 1936 ging es dann wieder aufwärts, zumindest bis 1939, danach in den Kriegsjahren aber eher wieder abwärts. Für die Jahre ab 1940 sind jedoch leider keine Zahlen verfügbar.

Eine weitere Statistik (4) finde ich noch interessant. Sie gibt (mit geschätzten Zahlen) sogar noch Aufschluß über den Umsatz der einzelnen Hersteller im Jahr 1933, aus denen man die damalige Marktstellung der Unternehmen ablesen kann.

Schallplatten-Stückumsatz
Telefunken 1,180 Millionen
Deutsche Grammophon incl. Brunswick 2,8 Millionen
Lindström (Odeon, Parlophon, Gloria, Columbia) 3,3 Millionen
Electrola 1,0 Millionen
Kristall 1,5 Millionen
Brillant 1,2 Millionen
Clangor 0,2 Millionen
Clausophon 0,150 Millionen
Longophon 0,220 Millionen
Sonstige, Warenhausplatten 0,450 Millionen
Summe: 12 Millionen

Auch der Wiedereinstieg nach Ende des Krieges war für die Plattenfirmen mehr als mühsam, was ich hier anhand des Beispiels von Telefunken belegen möchte.
Es heißt im TELDEC-Wiki:
"Schon 1950 erreichte der Plattenausstoß wieder das Volumen von 1935, und Telefunken eroberte hinsichtlich des Tonträgerverkaufs den nach Polydor-Grammophon zweiten Platz auf dem deutschen Markt."
So formuliert klingt das gut, aber dieses "Volumen von 1935" entsprach lediglich 1 Million Platten bei der Telefunkenplatte.
Das war allerdings für Telefunken im Jahr 1950 die zweite Million nach dem Krieg, die erste Million kam zustande durch Addition der Stückzahlen der Jahre 1945 bis 1949.

Quellen:
(1) Carl Lindström AG: Festschrift "25 Jahre Lindström 1904-1929"
(2) Curt Riess: "Die Geschichte der deutschen Schallplatte"
(3) Sophie Fetthauer: "Deutsche Grammophon - Geschichte eines Schallplattenunternehmens im "Dritten Reich""
(4) Frank Wittendorfer: "Geschätzter Schallplatten-Stückumsatz der deutschen Schallplattenindustrie für 1933", basierend auf:
Siemens-Archiv München, SAA Nachlaß Finanzchef Dr. Jessen: Geschätzter Schallplatten-Stückumsatz der deutschen Schallplattenindustrie (undatiert, wohl 1933)

Viele Grüße
Klaus
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Arto
Do Mär 28 2019, 23:26
Dabei seit: Di Jan 07 2014, 01:33
Wohnort: z.Z. Dänemark
Einträge: 188
Ein Eindruck des Produktionsvermögens der deutschen Schallplattenindustrie nach Waffenstillstand in 1945 bekommt man von den allierten Spezialistenberichten, wovon ich einige Seiten zeige:










Mit freundlichen Grüssen,

Arto
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Polyfar41
Mi Apr 03 2019, 17:21
Dabei seit: Fr Feb 24 2017, 11:27
Wohnort: Frankfurt am Main
Einträge: 56
Ich habe zunächst eine dringende Bitte an die Herren Admin.
Beim Eröffnen dieses Threads habe ich gepennt und ihn in einer völlig falschen Rubrik gestartet. Ich wollte ihn eigentlich in "Diskussionskreis Schellackplatten" platzieren, wären Sie so freundlich, ihn dorthin zu verschieben? Vielen Dank!


[Moderation: Kein Problem! Thread verschoben.]

Weiter zum eigentlichen Thema:
Da steckt in der Sektion1 des Berichtes im Beitrag von Arto eine interessante Aussage der britischen Kontrollkommission:

"Vor 1939 hat Lindström 75% aller in Deutschland gepressten Platten verkauft, während die Deutsche Grammophon der zweitgrösste Konzern war."

Wenn ich das zu den geschätzten Zahlen des Jahres 1933 oben in Relation setze, hätte also Lindström von der Gesamtzahl der 12 Millionen Platten einen Anteil von 9 Millionen haben müssen. Die Summe aus Lindström plus Electrola in der Schätzung macht aber nur 4,3 Millionen aus.

Das heißt, auch diese Aussage mit den 75% halte ich für viel zu hoch gegriffen, denn:
1.) Das große Presswerk in Berlin-Treptow, Bouchéstr. 35/36 musste 1936 verkauft werden, da nach den Insolvenzen von Ultraphon (1931) und Deutsche Grammophon (1936) auch die Lindström von den Folgen der Weltwirtschaftskrise angekratzt war.
2.) Es wurden kaum noch 30cm-Platten für Odeon aufgenommen.
3.) Mit der fortschreitenden anti-jüdischen Gesetzgebung im "Dritten Reich" ab 1933 verlor Lindström viele seiner umsatzstarken Künstler und konnte ab Ende 1937 etwa die Hälfte der Schallplatten des Odeon-Katalogs nicht mehr vermarkten, da die jüdischen Künstler als "unerwünscht" galten.
Wo sollen da 75% Marktanteil hergekommen sein ? Ich kann es mir jedenfalls nicht erklären.

Viele Grüße
Klaus

[ Bearbeitet Mi Apr 03 2019, 18:21 ]
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