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Ehem. Schallplattengeschäfte in Hilden (Rheinland) und Oschersleben (Sachsen-Anhalt)?
Moderatoren:SchellackFreak, berauscht, GrammophonTeam, Charleston1966, DGAG, Der_Designer, LoopingLoui
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gramofan
Sa Dez 28 2019, 18:48 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1164
Hat ein Forumsmitglied irgendwelche Informationen zur Existenz von Schallplattengeschäften in der Vorkriegszeit in folgenden Orten
- Hilden (PLZ vormals 4010)
- Oschersleben (PLZ vormals 3230).
Falls Belegstücke wie z.B. Plattenaufkleber, Plattenwischer mit Firmenangabe, gestempelte Plattenhüllen oder Prospekte, Zeitungsinserate oder gar Photos vorhanden sind, wäre ich für eine Abbildung höchst dankbar.


[ Bearbeitet Sa Dez 28 2019, 18:50 ]
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Telraphon
Sa Dez 28 2019, 19:51
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Apr 03 2017, 18:57
Beiträge: 333
In Oschersleben gab es das Musikhaus Ernst Quedenfeld, welches von 1908 bis 1945 als solches existierte, und unter Anderem auch mit Grammophonen handelte. Ich besaß längere Zeit einen Hupfeld Phonoliszt aus dem besagten Musikhaus, welcher lange in Besitz einer Nichte des Herrn Quedenfeld war.
Das Musikhaus bzw. dessen Hoflager wurden in den Kriegsjahren mehrfach durch die intensiven, gezielten alliierten Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung und die AGO-Werke beschädigt, zuletzt waren die Fassade und das abgedeckte Dach den Erzählungen der Frau Quedenfeld nach fast vollständig mit altem Kistenholz verkleidet,um die fehlenden Fenster zu kaschieren und weitere Schäden durch Splitterwirkung zu vermeiden - die Altstadt war ohnehin ein Trümmerfeld, und die einzige "Genugtuung" für die Oscherslebener war den Erzählungen nach die erfreulicherweise sehr hohe Zahl an Verlusten für die Amerikanischen Bomberverbände, besonders bei der später so genannten "Blitzluftschlacht" von Oschersleben.
1945 wurde dann die verbliebene direkte Verwandschaft des Besitzers (Nunmehr der Sohn Ernst Quedenfelds, Walther-Ernst Quedenfeld mit zwei Kindern und Frau) fast vollständig durch sowjetische Soldaten ermordet, die wohl beim Plündern der Reste des Musikhauses oder Ähnlichem gestört wurden. Bei späteren "Ermittlungen" wurde als Entlastungsargument für die wohl unbekannten Täter ein angeblicher Waffenbesitz der Familie genannt - zu DDR-Zeiten war eine genauere Auseinandersetzung mit solchen Themen ohnehin nicht gewollt oder gern gesehen.
Ein verbliebener Verwandter (vermutlich Helmut Quedenfeld) verkaufte in der direkten Nachkriegszeit angeblich auch noch Platten - das ist jedoch nicht belegbar, ich kenne heute auch keinen noch lebenden Zeitzeugen mehr.
Was noch erwähnenswert sein dürfte: Das Musikhaus bzw. der Musiksalon E. Quedenfeld war eine offizielle Electrola-Verkaufsstelle. Ab und an findet man Platten mit einem Aufkleber, ich habe auch mal ein Electrola 109 mit Messingschild aus diesem Haus gesehen. Bei "Google" ist momentan auch wieder eine Platte mit einem Händleraufkleber mit Nummernfeld zu finden...Einen wirklich "schönen" bzw, klassischen Sticker mit voller Adressangabe oder in besonderer Form kenne ich von dem Musikhaus aber nicht.

LG
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gramofan
Sa Dez 28 2019, 22:15
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1164
Erstmal ganz herzlichen Dank für diese ausführliche Antwort zu Oschersleben. Mein Vater stammt von dort und hat immer viel erzählt, bloß bei seinem Desinteresse für Musik, kam dieses Thema schlicht nicht vor. Auch auf dem großen Posten ererbter Ansichtskarten konnte ich bislang ein entspr. Geschäft nicht entdecken.

[ Bearbeitet So Dez 29 2019, 11:31 ]
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