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Foren > Phonographen > Geräte, Werbung und Schriftmaterial
Rätselhafter Phonograph (Edison Standard Nachbau?)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
gramofan
Mo Jan 20 2020, 18:25 Druck Ansicht
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 987
Das Gerät, dass ich hier vorstelle, befindet sich schon seit 20 Jahren in meiner Sammlung, und es ist mir bislang nicht gelungen, es zu identifizieren. Jedenfalls ist es ein Phonograph der 2-Minuten-Walzen abspielt. Auf den ersten Blick sieht er aus wie ein Edison Standard. Aber dann beginnen die Zweifel:
Der Aufbau ähnelt einem Edison Standard A 1. Ausführung (vgl. Müske, Puille, Leitmeyr: Die Technisierung der Klangwelt, S. 121 ff.).
Dazu passt aber nicht,
- das Gehäuse und der Deckel (die würden zur 2. Ausführung passen, die hat aber eine geknickte Gegenhalterung für den Konus),
- die Position des Motoraufzugs,
- die Position der Geschwindigkeitsregulierung,
- der sehr kurze Start/Stop-Hebel,
- der Arm, der die Schalldose trägt,
- das goldene Linienmuster am Rand der Grundplatte.
Außerdem sind keinerlei Spuren eines ehemaligen Typenschildes oder einer Beschriftung mit dem Edison Schriftzug festzustellen. Um das zu überprüfen, habe ich mit Schräglicht und Auflichtmikroskop gearbeitet und bin mir sicher, eine Beschriftung war nie vorhanden. Das wäre für Edison-Geräte sehr ungewöhnlich.
Eine Abbildung des Motors eines Edison Standard A habe ich in der Literatur bislang nicht gefunden, aber allein die anders positionierte Geschwindigkeitsregulierung und der anders positionierte Anschluss zum Aufziehen deuten darauf hin, dass hier ein anderer Motor verwendet wurde als in den eindeutigen Edison-Geräten.
Von der Schalldose solltet ihr Euch nicht täuschen lassen. Die habe ich ergänzt. Im Fundzustand steckten im Aufnahmering nur Reste einer Spritzgußschalldose, die ich mittlerweile nicht mehr auffinden kann und damals auch nicht dokumentiert habe. Auch der Hebel zum Anheben des Arms, in dem die Schalldose sitzt, ist von mir ergänzt, genauso wie die Rolle, auf der er vorne läuft.
Ich schließe aus dem Vorstehenden, dass es sich um einen wahrscheinlich unlizensierten Nachbau eines Edison Standard handelt. Aber von wem könnte er stammen? Der Motor funktioniert sehr gut und macht einen sehr soliden und durchentwickelten Eindruck. Er wird nicht aus einer Hinterhofwerkstatt stammen. Man würde daher eher an einen größeren Hersteller denken.



















[ Bearbeitet Mo Jan 20 2020, 20:14 ]
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veritas
Di Jan 21 2020, 08:05
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 502
Also, ohne jetzt nachgeschaut zu haben, erinnert mich der Motor eher an Columbia als an Edison. Ich würde aber ebenfalls auf einen Nachbau tippen. Läßt sich noch herausfinden, ob das Gerät aus Europa oder USA stammt? Gerade die Edison-Bell-Geräte sind ja auch ein gutes Beispiel für "freie Interpretationen" der Edison-Modelle. Auf jeden Fall ein interessanter Fund.
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Webseite
gramofan
Di Jan 21 2020, 10:49
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 987
Das Gerät wurde bei einem (mittlerweile verstorbenen) Trödler in Berlin gekauft. Über eventuelle Herkunft und Vorbesitzer war damals nichts in Erfahrung zu bringen. Nach dem Zuschnitt des Ladens gehe ich davon aus, dass es aus dem lokalen Umfeld stammte.
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alang
Di Jan 21 2020, 18:50
Dabei seit: Di Jun 12 2012, 19:52
Wohnort: Delaware, USA
Einträge: 616
Hier ist ein Bild vom Motor aus meinem spaeten Edison Standard A (ca. 1905). Leider nur Seitenansicht, aber man sieht deutlich, dass der Motor komplett anders aufgebaut ist. Wie Norman finde auch ich mehr Aehnlichkeit mit einem Columbia Cylinder Motor. Besonders die Federdosen sind eigentlich typisch Columbia.

Trotzdem oder gerade deswegen, sehr interessante Machine. Vielen Dank fuers Vorstellen.

Andreas


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DGAG
Mi Jan 22 2020, 01:24
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 389
Auffallend ist, dass der Buchstabe der Typenbezeichnung vor der Seriennummer abgefeilt wurde. Was mir noch auffällt: Der Zustand der Zierbemalung sieht mir zu gut aus um wahr zu sein.
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gramofan
Mi Jan 22 2020, 07:52
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 987
Dem Hinweis mit der Seriennummer bin ich nochmal nachgegangen. M.E. wurde da nichts weggefeilt. Auffällig ist natürlich der freie Platz links daneben. Vielleicht hatte der Hersteller mit größeren Stückzahlen gerechnet und schonmal den Platz für weitere Stellen vorgesehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Seriennummer so gelesen werden muss, wie abgebildet. Man könnte sie auch von der anderen Seite lesen (dann 968 statt 896). Die goldene Zierlinie befindet sich jedenfalls in dem Zustand, in dem ich das Gerät bekommen habe. Ob der Vorbesitzer zu Pinsel und Farbe gegriffen hat, weiß ich natürlich nicht.
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DGAG
Mi Jan 22 2020, 12:08
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 389
Danke für die Info, dass keine Feilspuren bei der Seriennummer nachzuweisen sind. Es wäre ein möglicher Hinweis für die Identifikation, bzw. Verschleierung derselben, gewesen. Du hast übrigens ganz recht, dass man die Nummer auch andersrum lesen könnte, wenn ich mir z.B. die Form der "8" ansehe.

Eine schlüssige Lösung habe ich leider nicht parat. Sicher ist, dass Edison-Phonographen einigen Herstellern schon früh als Inspiration dienten. Siehe z.B. der Victoria-Phonograph Modell A, den ich im Forum vorgestellt habe.

Der in diesem Thread vorgestellte Phonograph bietet, anders als gängige Geräte, auf jeden Fall viel Gesprächsstoff. Kommen wir vielleicht mit einer zeitlichen Einschätzung weiter? Wie wäre es mit +/- 1905?
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veritas
Sa Jan 25 2020, 11:44
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 502
Als möglichen Ansatzpunkt würde ich die Rändelschraube nehmen, die sich von Edison und Columbia deutlich unterscheidet. Evtl. findet sich in Zukunft ein Gerät mit gleicher Stellschraube, dessen Hersteller bekannt ist.
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