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Foren > Phonographen > Geräte, Werbung und Schriftmaterial
Phonograph der Allgemeinen Phonographen Gesellschaft Krefeld (Geräte Serie TipTop B und Mignon B)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
-Juergen-
Sa Feb 06 2021, 20:34 Druck Ansicht
Dabei seit: Di Dez 25 2018, 08:26
Wohnort: Rhein-Main
Einträge: 119
HERSTELLER: Allgemeine Phonographen Gesellschaft Krefeld
MODELL: Mignon B/ TipTop B
SERIENNUMMER: siehe unten
JAHR: Um 1900
DAMALIGER PREIS: siehe Werbeanzeige
GEHÃUSE: Eisenguss
TRICHTER: kleiner Zinkblechtrichter, Hörschlauch oder Messingtrichter an Galgen
MOTOR: 1 Feder
SCHALLDOSE: Ebonit und später Aluminium
MANDREL/ Walze: Speiche bzw. spätere Modelle dann konischer Walzenträger

Hallo Zusammen,

hier ein paar Bilder zum Thema Allgemeine Phonographen Gesellschaft Krefeld (APG) um ein paar Punkte zu veranschaulichen.

Einmal Umgang mit dem Edisonpatent bzgl. Walzenträger bzw. dessen Umgehung bis zu einer durchgängigen Verwendung konischer Walzenträger.
Zum Anderen die laufende Veränderung innerhalb eines dynamischen Produktionsprozesses zur Reaktion auf Anforderungen des Marktes und zur Senkung von Produktionskosten
Im Weiteren ist die Ähnlichkeit mit dem früher erschienen Edison GEM oder auch dem Gaulois vermutlich dem Ansatz, solche Erfolgsmodelle möglichst zu kopieren, zu verdanken.
Bessere Bilder reiche ich nach. Lockdownbedingt bin ich nicht da wo meine Sachen stehen…..

Geräte der APG sind recht selten und meist nur mittels Werbung zu identifizieren. Ein Teil der bei APG hergestellten Phonographen wurden durch Edison Bell vertrieben und tragen dann ein Edison Bell Label und ein Nameplate mit der von Bell erdachten Verkaufsbezeichnung wie zum Beispiel "Empire". Nach Konkurs der APG 1904 wurde von Lenzen (später Lenzola) teile des Geschäftes weiter geführt und auch APG Phonographenmodele weiter verkauft und unter Lenzen weiter entwickelt. Dazu an anderer Stelle mal mehr.

Grundsätzlich ist bei dieser Ausführung des Mignon B/ TipTop B Bauserie die Geschwindigkeitsreglung so ausgeführt, daß eine an der Frontplatte montierte konische Rändelschraube auf den direkt angrenzenden Bremshebel wirkt und somit eine Art verstellbaren Anschlag bildet.
Alle haben den charakteristischen Carriagearm der die Schalldose schützend umschließt und einen Metalbügel auf der Rückseite in dem der Carriagearm in Ruheposition fixiert werden kann. In der Ruheposition liegt die Schalldose nicht auf dem Walzenträger auf.

Das erste unbezeichnete schwarze Gerät mit dem Speichenmandrel trägt die Serialnummer 683 und hat ein paar besondere technische Merkmale:
- Speichenmandrel mit Spannschlitten.
- Freilauf beim oberen Antrieb des Mandrels. Hier ist die Riemenscheibe und der Walzenträger um etwa 60° entkoppelt, sodaß der Motor etwas anlaufen kann bevor die Walze selbst anfängt sich zu drehen. Dadurch kann der Motor zunächst lastfrei beschleunigen.
- Die Federn des Fliehkraftreglers sind im Regler eingelötet.
Weitere Merkmale die den Verlauf der Produktentwicklung veranschaulichen sind:
- Keine Abschleifvorrichtung montiert
- Halteblock mit Loch für einen Galgen
- Ebonitschalldose mit Auflagegewicht
- Grundneigung der Schalldosenposition noch nicht beeinflussbar

Das zweite schwarze Gerät mit der Bezeichnung Mignon B auf dem Deckel. Die Serialnummer ist im oberen 3 stelligen Bereich (reiche ich nach).
Merkmale:
- Abschleifvorrichtung ist hier montiert und auch ohne laufenden Motor durch Aufsetzen einer Kurbel direkt auf einem dafür vorgesehenen Fixpunktes an der Welle möglich
- Halteblock mit Loch für einen Galgen
- Rändelschraube zur Verstellung Grundneigung der Schalldosenposition

Das dritte hellgrüne Gerät mit der Bezeichnung TipTop auf dem Gehäuse trägt die Seriennummer 1472 und ist schon etwas vereinfacht.
Merkmale:
- Keine Abschleifvorrichtung vorgesehen
- Halteblock mit Loch für einen Galgen
- Rändelschraube zur Verstellung Grundneigung der Schalldosenposition

Das vierte dunkelgrüne Gerät ohne Bezeichnung trägt die Seriennummer 2434 und ist weiter vereinfacht.
- Keine Abschleifvorrichtung mehr vorgesehen
- Im noch vorhandenen Halteblock ist kein Loch mehr für einen Galgen gebohrt
- Grundneigung der Schalldosenposition nicht mehr beeinflussbar

APG hat nicht sehr lange existiert und keine Gelegenheit für Großserien gehabt. Wie Ihr hier seht sind auch innerhalb eines Gerätetyps diverse Varianten produziert worden bevor die Firma in Konkurs ging.

Wie bereits erwähnt reiche ich gelegentlich bessere Bilder nach und bitte um Zuschriften über die im Forum hinterlegte E-Mailadresse oder Infos über den Forumeintrag hier falls bei Euch in den Regalen noch was ähnliches schlummert. APG interessiert mich sehr und ich kann da thematisch und geräteseitig durchaus nachlegen.




























[ Bearbeitet Mi Feb 10 2021, 14:10 ]
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DGAG
So Feb 07 2021, 18:06
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
Wohnort: Berlin
Einträge: 525
Großartig, die Entwicklung einer sehr seltenen Geräteserie an dieser Stelle verfolgen zu können. Klar, dass der Edison GEM Modell A von Februar 1899 Pate stand, aber bereits die Grammophonfabrik Kämmer & Co. brachte 1892/93 mindestens zwei Grammophonmodelle mit einer Basis aus lackiertem Gusseisen auf den Markt. Diese beiden Kämmer & Co.-Modelle waren damit besonders günstig herzustellen und für Kinder gedacht.

Das älteste Deiner Geräte ist von Anfang 1900, nicht früher. Das Gebrauchsmuster für den charakteristische Walzenträger mit drei beweglichen Rippen, welche mittels einer an einer Hülse verschiebbaren Scheibe an den Innenkonus der Walze gepresst werden, wurde nämlich erst Ende Dezember 1899 angemeldet.

Aus der Werbeanzeige für das "Modell 1900" geht hervor, dass es einen "Blechboden" gegeben hat. Der GEM stand auf einem kleinen Blechtablett, welches aus dem Getriebe tropfendes Öl auffing. So etwas würde ich hier auch erwarten.

-Juergen- schrieb ...

Grundsätzlich ist bei dieser Ausführung des Mignon B/ TipTop Serie die Geschwindigkeitsreglung so ausgeführt, daß eine an der Frontplatte montierte konische Rändelschraube auf den direkt angrenzenden Bremshebel wirkt und somit eine Art verstellbaren Anschlag bildet.

Verstehe ich richtig, dass man die Rändelschraube reindreht und der Konus am Schaft dieser Schraube den Bremshebel nach rechts drückt. Ein Filz am unteren Ende des Hebels wirkt dann auf die Scheibe des Fliehkraftreglers sobald die richtige Geschwindigkeit erreicht ist.

Zum unmittelbaren Bremsen würde man den Bremshebel ganz nach rechts umlegen. Könnte man auch gemächlich bis zum Stillstand bremsen wenn man die Rändelschraube nach und nach reindreht?
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-Juergen-
So Feb 07 2021, 19:49
Dabei seit: Di Dez 25 2018, 08:26
Wohnort: Rhein-Main
Einträge: 119
Hallo Stephan,

in der Tat ist da ein Blech verbaut welches lediglich mit einer Schraube fixierten unter die vier Füße etwas zum Klemmen unter geschoben ist. Im Wesentlichen halten die vier Gummifüße das Blech in Position. Habe noch zwei Bilder dazu angehängt.

Den Carriage kann ich auf einer Maschine von 1898 belegen aber leider konnte ich bislang weder das APG Patent für den Walzenträger noch für den Carriage mit dem Auge finden. Falls Du da was hast bin ich ein dankbarer Abnehmer.

Deine Interpretation bzgl. des Bremshebels:

"Verstehe ich richtig, dass man die Rändelschraube reindreht und der Konus am Schaft dieser Schraube den Bremshebel nach rechts drückt. Ein Filz am unteren Ende des Hebels wirkt dann auf die Scheibe des Fliehkraftreglers sobald die richtige Geschwindigkeit erreicht ist.

Zum unmittelbaren Bremsen würde man den Bremshebel ganz nach rechts umlegen. Könnte man auch gemächlich bis zum Stillstand bremsen wenn man die Rändelschraube nach und nach reindreht?"

ist völlig richtig. Sorry wenn ich da mit meiner Beschreibung nicht klar genug war.



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DGAG
So Feb 07 2021, 20:06
Dabei seit: So Dez 31 2017, 12:30
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Danke für das Bild vom Blech. Ja, so habe ich es mir vorgestellt :) Die damaligen Hausfrauen werden dafür dankbar gewesen sein.

Es gab zwei verschiedene Walzenträger, die jedoch nicht patentiert, sondern nur durch Gebrauchsmuster geschützt wurden. Der ältere, angemeldet im Januar 1899, hatte eine "aufgeschnittene, mittels Konus auseinanderzutreibende Hülse zum Festklemmen der Walze", Passt diese Beschreibung auf den früheren Phonographen der Allgemeinen Phonographen-Gesellschaft m. b. H.? Dann könnte man dafür 1899 als Baujahr annehmen.

Leider gibt es, anders als für Patente, für die meisten Gebrauchsmuster keine Beschreibungen oder Zeichnungen mehr. Diese wurden im Krieg zerstört, da sie offensichtlich nicht wichtig genug waren um sie auszulagern.
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-Juergen-
So Feb 07 2021, 21:02
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In der Phonographischen Zeitschrift taucht der Mignon B erst gegen 1900 auf. Der Vorläufer hat es scheinbar nicht in die Werbung geschafft :-)

Habe leider nur ein recht schlechtes Bild des Spannmechanismus. Die 3 Flügel sind and der Seite mit dem Antriebsriemen lose aufgehängt und die umlaufende Schnur/ Schlinge definiert den maximal zu erreichenden Öffnungsgrad. Mit Ziehen der Hülse wird der vordere Schlitten an mit der großen Spannscheibe verschoben. Diese Spannscheibe wirkt auf die abgeschrägten Innenseiten der 3 Flügel bis entweder ausreichend Spannung auf der aufgesetzten Walze ankommt oder die umlaufende Schnur ausreichend Gegendruck bildet.

Ich weiß nicht ob das den bekannten Gebrauchsmustern entspricht und halte das Konzept nur für eingeschränkt praxistauglich. Wenn man da unvorsichtig ist, knackt man so die Walze von innen.


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DGAG
So Feb 07 2021, 21:58
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Das ist der jüngere Walzenträger, Gebrauchsmuster angemeldet am 19. Dezember 1899. Deshalb hatte ich als Baujahr für diesen Phonographen frühestens Anfang 1900 angegeben.
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Merlin
Mo Feb 08 2021, 14:32
Dabei seit: Mi Jan 13 2021, 20:40
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Einträge: 23
wieder was gelernt :-) danke .... ich kannte das gerät nicht
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-Juergen-
Mo Feb 08 2021, 16:43
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Danke für Eure Rückmeldung und Infos. Ich hoffe, daß da noch ein paar Kollegen Bildmaterial oder Geräte haben.

Fortsetzung zur APG gelegentlich in einem anderen Post. Ein Bild hier schon mal vorab.
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