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Schellackplatten schonend abspielen?
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purpom
Di Feb 28 2012, 14:10 Druck Ansicht
Gast
Hallo zusammen,

ich habe einen Pfad gesucht, der das Thema behandelt aber auf den ersten
Blick nicht gefunden. Was ist eurer Meinung nach schonender für die Platte?
Das abspielen der Schellackplatte mit einem modernen Abspielgerät mit
Industriediamant oder mit dem alten Grammophon?
(Wie hoch ist die Gefahr, die Platte mit dem Diamant zu zerkratzen?)

Sicher, das Feeling kann man nicht miteinander vergleichen
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Gast
Di Feb 28 2012, 14:22
Gast
Da kann es nur eine Antwort geben: moderner Leichttonarm mit entspechendem Diamant.

Die Grammophonschalldose wiegt im Durchschnitt etwa 100 g !

Wie ich schon so oft erwähnte: zeitgenössisch ging man davon aus, daß nach 100 x Abspielen auf dem Grammo eine Platte unbrauchbar verschlissen ist. Schäden machen sich schon wesentlich früher bemerkbar.

Der Leichttonarm von heute hat ein Auflagegwicht von etwa 2g. Das sind keine Kräfte, die mit dem richtigen Diamant einen wahrnehmbaren Schaden anrichten können.

Gruß, Nils
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purpom
Di Feb 28 2012, 14:29
Gast
Das ging aber schnell - danke Nils
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Willi-H-411
Di Feb 28 2012, 14:44
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Beiträge: 1291
Wobei man aber auch sagen muß, daß die Nadelaufhängung bei Schellacknadeln für Magnetsysteme sehr oft etwas härter ist, als bei Micronadeln. Daher benötigen viele Systeme schon ein Auflagegewicht zwischen 3 und 5 Gramm. Ebenso, wie Kristallsysteme, die auch sehr gut zum Abspielen geeignet sind. Vor allem die DUAL-Systeme aus den 1960er Jahren waren/sind da sehr gut. Aber auch 5 Gramm tun der Schellackplatte nicht weh.

VG Willi


[ Bearbeitet Di Feb 28 2012, 14:44 ]
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Formiggini
Di Feb 28 2012, 14:44

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

Wenn du häufiger Schellackplatten hören willst, kann man über die Anschaffung einer größeren Schellacknadel nachdenken: Link - Hier klicken

Auf dem Grammophon würde ich keine perfekt erhaltenen Platten spielen.
Will man für das echte Gefühl doch öfter auf dem Grammophon spielen, so muss dieses gründlich überholt sein:
- gleichmäßiger Motorlauf
- kein ausgeschlagener, schlackernder Tonarm
- Gummidichtungen zwischen Tonarm & Schalldose erneuern - ansonsten können Schüttelresonanzen die Rillen ausschlagen
- komplett überarbeitete Schalldose mit intakter Membrane, frischen Gummidichtungen usw.
- Verwendung von leisen Nadeln oder Bambusnadeln Link - Hier klicken
- Die Nadel nach jeder Plattenseite wechseln!

Es gab schon während der Schellackzeit Tipps die Abnutzung zu vermindern dadurch das die Platte vor dem Abspielen mit Graphitstaub oder Wachs abgerieben wurde.
Dies möchte ich aber meinen guten Stücken heute ersparen...

Trotzdem hat man auf dem Grammophon immer eine wesentlich stärkere Abnutzung!

Lieber einige abgekurbelte Platten für das Grammophon, bzw. zu Vorführzwecken;
Die guten Stücke aber nur auf einem Leichttonabnehmer!

Wie Willi schon sagt, auch 5gr eines modernen Abnehmers schaden der Platte nicht.
Grüße


[ Bearbeitet Di Feb 28 2012, 14:45 ]
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Starkton
Di Feb 28 2012, 16:37
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Gast schrieb ...

Wie ich schon so oft erwähnte: zeitgenössisch ging man davon aus, daß nach 100 x Abspielen auf dem Grammo eine Platte unbrauchbar verschlissen ist.

Ich interessiere mich für frühe Untersuchungen zur Abnutzung von Schallplatten. Wo hast Du diese Information gefunden? Die Wiener Plattenfirma Schiff & Cie. garantierte z.B. in den 1910er Jahren einhundertfünfzigmaliges, fehlerfreies Abspielen.
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Formiggini
Di Feb 28 2012, 16:46

⇒ Mitglied seit ⇐: Di Dez 28 2010, 19:20
Beiträge: 1579
Soweit ich mich entsinne, kam diese "100x" Regelung aus dem Rundfunk, als noch mit schweren Tonabnehmern und Stahlnadeln abgespielt wurde.
Gelegentlich sieht man solche "Rundfunkplatten", normale Ausgaben, die einen Aufkleber erhielten, bei dem jedes Spiel vermerkt werden musste. Selber habe ich aber keine solche Platte - ist nur aus der Erinnerung heraus.
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Gast
Di Feb 28 2012, 17:22
Gast
Die 100x mal Faustregel ist aus einem Buch...ich glaube KLEVER zitierte aus einem zeitgenössischem Papier.

Leider habe ich eine solche Platte (Telefunken) mit entsprechendem Rundfunk-Aufkleber neulich verschenkt. Der Aufkleber war von Firma Siemens, die Platte ca. 1934/35. Siemens wohl deshalb weil der Plattenspieler dieser Firma war.

Jedenfalls zeigte dieser Aufkleber 60 kleine Nummernkästchen, wovon ein jeder nach dem Abspielen durchstrichen wurde.

60 x Spielen war offenbar beim Rundfunk schon die Qualitätsgrenze beim Abspielen mit elektrischem Tonkopf/Nadel.

Desweiteren hatte ich Einblick in ein technisches Prüfverzeichnis der Ultraphon/Telefunken. Dort war eine Prüfung der Platten unter anderem " 70 x gespielt" und die Beurteilung war dann durchweg "gerade noch brauchbar" und sinngemäß.

Natürlich kann man diesen Abnutzungsgrad durch Veränderung der härtenden/schleifenden Substanzen in der Pressmasse etwas verändern.
Das kann aber nur eine Jonglage zwischen stärkerer Nadelabnutzung zum Plattenende sein und damit wieder größerer Belastung gerade im engen Schnitt am Ende der Platte.

Die Abnutzung kann natürlich nicht nur in "pro Abspielen" festgemacht werden. Präziser wäre die Spieldauer einer Platte.
Bei 2,5 Minuten ist die Nadel am Musikende natürlich noch in besserer Facon als bei einer Platte deutlich über 3 Min.

Vielleicht hängt die Angabe mit 150 x dieser alten Wiener Firma mit Materialhärte und Spieldauer zusammen?

Ein eigener Test mit Grammophon Electrola 101 hat ergeben:eine nahezu neuwertige Platte zeigte nach 40 mal Abspielen mit leiser Nadel langsam aber deutlich leichte Schäden am Ende der Platte.

Gruß, Nils




[ Bearbeitet Di Feb 28 2012, 17:23 ]
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gramofan
Di Feb 28 2012, 17:39
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1108
Was ich sehr erhellend finde: einfach mal nach dem Abspielen einer Platte die Nadel, bevor man sie aus der Schalldose nimmt, mit zwei Fingern sacht abstreifen. Der schwarze Staub, den man dann an den Fingern sieht, war vor dem Abspielen noch Plattenmaterial. Das ganze in der Phantasie mal 100, da kommt schon was zusammen, noch dazu wenn man bedenkt, dass ja ein Teil des Abriebs in der Rille verbleibt!
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purpom
Di Feb 28 2012, 17:46
Gast
Ja, da sieht man die Vergänglichkeit der Dinge *:( Richtig poetisch
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Starkton
Di Feb 28 2012, 19:16
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Die Abnutzung erfolgt bei Schallplatten, welche mit Stahlnadeln abgespielt werden, vor allem in den ersten zwei bis drei Rillen, weil sich dort die Nadelspitze "einschleift." Das frühe Plattenmaterial besteht zum größten Teil aus Gesteinsmehl das als Schleifmittel fungiert. Deshalb beginnen die Platten auch immer mit einigen Leerrillen und man sollte darauf achten die Stahlnadel stets ganz außen aufzusetzen.

Im Innenbereich kommt es nur bei besonders lauten, dynamischen Passagen zu Verzerrungen. Dies hat physikalische Gründe: die relative Geschwindigkeit der Nadel in der Rille ist dort am geringsten. Offenbar begünstigt das den Verschleiß.

Dass schwarzer Staub als Beleg für die Abnutzung zwischen den Fingerkuppen verbleibt kommt vor, allerdings lange nicht bei jeder Platte. Einige Mischungen, auch von der gleichen Firma, scheinen anfälliger für mechanischen Abrieb zu sein als andere.

Den meisten Schmutz erhalte ich allerdings beim erstmaligen Abspielen. Unglaublich was sich alles an Ablagerungen in der Rille sammelt. Besonders unangenehm sind englische Platten die gewachst, und mit Nadeln aus organischem Material abgespielt wurden. Die abgeriebenen Pflanzenfasern ergeben zusammen mit dem Wachs eine stark haftende Masse. Ein elektrischer Tonabnehmer wird damit jede Menge Störgeräusche einfangen.

Zur Beruhigung für alle die die Zerstörung von Schallplatten beklagen. Die Abnutzung betrifft immer nur einen bestimmten Bereich der Rillenflanken, vor allem auf der äußeren Flanke. Der obere und untere Bereich bleibt von der Nadel völlig unberührt, immer unter der Voraussetzung dass die Nadel nach jedem Spielen gewechselt wird.
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