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Grammophone in BildernGrammophongalerie


Ende des Walzer Jahrhunderts - SYNKOPEN-TÄNZE



CAKEWALK UND RAGTIME




Nach der Sklavenbefreiung bieten sich zunehmend mehr schwarze Künstler auf dem Unterhaltungsmarkt an, bei den Minstrelshows, den Gesangs- und Tanzgruppen, den Road Shows und anderen Unterhaltungsangeboten.
Helmut Günther: Die Tänze und Riten der Afro-Amerikaner, Bonn 1982, S.97

Gleichwohl dominieren im Musikgeschäft die weißen Künstler, selbst in den neuen afro-amerikanischen Tanz- und Musikformen wie Cakewalk und Ragtime. Cakewalk-Tanzen mit der Begleitung von Ragtime, vergleichbar einer stark synkopierten Form von Marsch-, Polka- und Rheinländer-Musik, kommt um die Jahrhundertwende schnell nach Europa. Einige der damals reussierenden Stücke haben sich noch bis heute in manchen Erinnerungssträngen gehalten.

Ein Beispiel dafür: "At A Georgia Campmeeting" von Kerry Mills aus dem Jahre 1897, von dem Komponisten und Verleger Mills quasi als Protest gegen die herrschende Unsitte der artifiziell-prätentiösen "Coon Songs" geschrieben. Mills, ein Weißer, hat mit diesem Stück den klassischen Cake Walk präsentiert, der Text beschreibt das parodistische Tanzspiel der Schwarzen (einen Wettkampf von Tanzpaaren um die Siegestrophäe eines Schokoladenkuchens) und die Reaktion auf das Spiel der Ragtime-Band. Das gelungene Stück hat den Cakewalk im weißen Musikgeschäft durchgesetzt, Showtänzer haben ihn dann zu einem aufsehenerregenden Tanz entwickelt und quasi als Gesellschaftstanz für eine Weile populär machen können.
Spaeth, a.a.O., S. 284: "Mills... may be considered the creator of the cake-walk"

.
"At A Georgia Campmeeting" - Sousa´s Band - Monarch Records c. 1900


Das Cover der Sheet-Ausgabe von Mills "At a Georgia Campmeeting" weist darauf hin, daß die Ragtime-artige Musik zum Tanzen gedacht ist, jedoch für recht verschiedene Tänze. Zunächst wird das Stück als "characteristic march" bezeichnet, aber es kann auch als Two-Step, Polka oder Cake Walk benutzt werden. Mit der Mehrfach-Funktion als Tanzmusik werben die meisten Tanzmusik-Ausgaben dieser Zeit, auch in Deutschland. Denn die 4/4-Tänze in der "Post-Polka-Ära" verfügen außer der häufigeren Synkopierung sonst kaum über neue und charakteristische musikalische Eigenschaften, die sie unterscheidbar gemacht hätten.

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Anm.: Zwei weitere, frühe Cakewalks

"At A Darktown Cakewalk" - 1896



The cakewalk in the sky

.
Komponiert 1897, hier in einer Einspielung von 1906


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Ragtime (von Blasmusik, von der Salonkapelle oder vom Klavier ausgeführt) fungiert als musikalische Stütze für so unterschiedliche Tänze wie Two Step, Slow Drag, Cakewalk, Onestep, Turkey Trot, Grizzly Bear, Buck, Buck and Wing (beides Vorstufen zum spätere Tap Dance), aber auch Polka und Marsch. Ein eigener Ragtime-Tanz taucht 1903 auf, in Scott Joplins "The Rag-Time Dance", eine Art volkstümliches Tanztheater.
Günther: Die Tänze und Riten.., a.a.O. S.109

In einem der Texte darin wird genau unterschieden:

Let me see you do the rag-time dance,

Turn left and do the cakewalk prance,

Turn the other way and do the slow drag -

Now take your lady to the World's Fair

And do the rag-time dance.

(Laß mich sehen, ob Du den Ragtime tanzen kannst.

Dreh' Dich nach links und führe den prance (hoher Beinwurf) des Cakewalk aus

und dreh' Dich nach der anderen Seite und tanze slow drag.

Dann nimm Deine Dame zur Weltausstellung

und tanze mit ihr Ragtime.)

Nach Europa kommen derartige Tänze zunächst als Show-Bestandteile und Bühnentänze, tauchen also bei Veranstaltungen auf, in denen sich vor allem die besseren Kreise amüsieren. Von der Jahrhundertwende an entwickeln sie sich zu enormen Erfolgen, zumindest für die erste Dekade mit einem Höhepunkt im Jahr 1903.

Während bis 1897 die importierten US-Titel noch europäischen Zuschnitt aufweisen, bringt das Hofmeister-Handbuch für den Berichtszeitraum bis 1903 erstmals Cakewalks und Valses Boston, in Stilkopie auch von europäischen bzw. deutschen Autoren. Bis 1908 verstärkt sich deren Anteil erheblich. Fast könnte man sagen, daß dieser ,,afro-amerikanische" Teil des Musikangebots eine neue Selbstverständlichkeit im Verlags-Repertoire darstellt, so wie in der Live-Szene damals die Sparte "English Song And Dance" mit "Negerliedern" und "Negertänzen" angeboten wird.
Rainer E. Lotz: Grammophonplatten aus der Ragtime-Ära, Dortmund 1979, S. 209

Auch Franz Pazdíreks Universal-Handbuch der Musikliteratur (Wien 1904-1910) spiegelt diesen Trend, verweist sogar auf bei Hofmeister fehlende Stücke: Einer der bedeutendsten Rags des Schwarzen Scott Joplin, der Maple Leaf Rag, wird als in Deutschland käuflich annonciert, ebenfalls viele Titel von Hogan, Mills, Petrie, Thurban und diverse Cakewalk- und Ragtime-Alben.

Angebot und Nutzung der Noten muß im Zusammenhang des Erfolgs der neuen amerikanischen Tanzformen gesehen werden. Eine massenhafte Rezeption amerikanischer Tanzimporte setzt ein; nicht nur die etwas komplizierten Cakewalks, sondern auch die einfachen Tänze wie Two Step finden Interesse. Noch einfacher als der Two Step und entsprechend beliebt erweist sich um 1910 herum der One Step, der in Deutschland als Marschtanz und Schieber große Popularität erlangt. "Schiebe- und Wackeltänze" - von einigen regionalen Behörden gelegentlich wegen unsittlicher Aspekte verboten - haben um 1910 in Deutschland bei Jugendlichen großen Erfolg, es sind die ersten weit verbreiteten afro-amerikanischen Tänze, denn ihre Becken-Bewegungen und das Entlang-Schlurfen (shuffle) entstammen schwarzen Tanztraditionen.

Europa bietet noch nicht ganz die Vielfalt der amerikanischen Modetänze, doch gibt es immerhin neben Cakewalk, Twostep und Onestep vereinzelt auch den Turkey Trot, den Grizzly Bear und andere Tierimitationen.
Obwohl der Foxtrot bereits in der Vorkriegszeit in den USA reussierte, erreicht er Europa erst während der Kriegszeit und gelangt nach Deutschland nach Kriegsschluß, als der erste neue Modetanz einer Reihe wichtiger neuer afro-amerikanischer Tänze (Shimmy, Charleston, Black Bottom u.a.).

In der breiteren europäischen Öffentlichkeit beeindruckt das Auftreten des Blasorchesters von John Philip Sousa (1854-1932) bei den Weltausstellungen 1899 und 1900 in Paris, wo er neben seinen mitreißenden Märschen (die in Deutschland noch heute gespielt werden!) auch den Rhythmus des amerikanischen Ragtime bekannt macht.
Astrid Eichstedt/BerndPolster: Wie die Wilden. Tänze auf der Höhe ihrer Zeit, Berlin 1985, S. 14

Und dies, obwohl Sousa die Ragtimes und Cakewalks nicht sonderlich mag und vor allem als Marschkomponist brilliert. Mit einer recht absurden Theorie - vielleicht um den schwarzen Background dieser Musik zu vernebeln - behauptet er, der Begriff Ragtime käme aus Indien; er habe den Rag zum ersten Mal auf der Weltausstellung in Chicago von indischen Musikern gehört, die eine "Raga" gespielt hätten.
Günther: Die Tänze und Riten ..., a.a.O., S.112
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