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Foren > Firmengeschichte, Labels, Hüllen, und Matrizen > Im Studio/Aufnahmeorte
Aufnahme im Studio - Wieviele Mikrophone wurden verwendet?
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Autor Eintrag
Gast
Di Mär 05 2013, 18:31 Druck Ansicht
Gast
Liebe Leute

Da ich nicht wusste, wo ich es reintun sollte, habe ich einen neuen Eintrag gemacht.

Fotos von realen Aufnahmesituationen gibt es recht wenige, da das lange Zeit gut gehütete Geheimnisse der Aufnahmestudios waren. Filme gibt es noch weniger.

Heute bin ich ueber Umwege auf so einen gestolpert - ich moechte ihn euch nicht vorenthalten...

Auch hier wieder: EIN Mikrophon (vermutlich ein Westrex). Der Tonmeister machte die Balance allein mit dem Abstand zum Mikrophon, z.T. auch mit Aufstehen des Musikers, wenn zum Beispiel die etwas leisere Klarinette durchkommen sollte.
(Ich will nicht sagen, dass es keine Versuche mit mehreren Mikrofonen gab, aber bei meinem heutigen Kenntnisstand muessen wir davon ausgehen, dass bis zum Ende der Schellackzeit mit 1 (einem) Mikrofon aufgenommen wurde.)

Jack Hylton's Orchester nimmt 1931 "Choo choo" auf. Viel Vergnuegen mit dieser interessanten Aufnahme.

Link - Hier klicken

Michael

Was ich noch nachtragen wollte:

Wenn jemand Fotos hat von realen Aufnahmesituationen, bitte hier einstellen. (oder Privatmail an mich)

DANKE

Michael

[ Bearbeitet Do Jul 04 2013, 21:39 ]
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Grammophonteam
Di Mär 05 2013, 18:43
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Aus diesem Eintrag: Link - Hier klicken

USA - c. 1928




Lindström Studio 1929




Telefunken, 30er Jahre





Hier ein Bild einer Tri-Ergon-Aufnahmesitzung mit Franz Léhar aus dem Jahr 1931.
Im Bild sind drei Mikrophone zu sehen.
1. Streicher
2. Vokalist (Karl Jöcken)
3. Restliches Orchester
möglicherweise noch ein viertes außerhalb des linken Bildrandes.



Das Orchester des Metropoltheaters spielt grade "Schön ist die Welt"

Bitte dort auch in den Texten lesen. Es stimmt einfach nicht, das bis zum Ende der Schellackzeit nur mit einem Mikrofon aufgenommen wurde. Obige Bilder beweisen dies auch...

Viele Grüße




Nachtrag: Dieses Thema wurde auch schon mal im amerikanischen Forum diskutiert: Link - Hier klicken

Daraus zwei Einträge:
In a May 21 1928 note to Charles Edison, Walter Miller listed 4 items "we should be working on" - #2 was "Mixing box transformers that will enable us to use more than one mike and arranged so that we can fade from one mike to another without being noticed on record. "


Der technische Leiter der Edison Company schrieb an Charles Edison das man an Mixern arbeiten müsse, so das man von einem Mikrophon auf das andere blenden kann ohne dies auf der Platte zu hören (Mai 1928).

By the later 30s many companies were using 2 or more mikes. There's a number of Fats Waller sessions where you can actually hear that the technician is sometimes too late in turning up the volume for a solo. In Germany many companies used 3 mikes, 1 for the horns, 1 for the rhythm (including violins) and 1 for the singer. The recordings Miller made in England with his AAF band were made using 4 RCA PBs-44 mikes on booms above the orchestra.


In den späten 30´er Jahren nutzten viele Firmen 2 Mikrofone. Es gibt einige Fats Waller Aufnahmen (RCA Victor), bei denen man hören kann, das der Tontechniker das Mikrofon für ein Solo zu spät hoch drehte.
In Deutschland nutzten viele Firmen 3 Mikrophone: eines für die Blechbläser, eines für die Streicher und Rhythmusgruppe und eines für die Sänger.
Die englischen (Glenn) Miller Aufnahmen mit seiner AAF Band wurden mit vier Mikrophonen über dem Orchester gemacht.

Interessant auch dieses Video:

1937

.


Es zeigt Duke Ellington während einer Aufnahmesitzung 1937 für das Variety Label (Dies war eine kurzlebige Marke seines Managers Irving Mills. Es wurde im Auftrag bei der Brunswick produziert. Wir sehen hier also das Brunswick Studio).

Betrachtet man das Video aufmerksam, so sieht man hier mehrere Mikrofone.

Eines vor dem Bass



(Ist im Video besser zu erkennen)


Eines über dem Klavier




Eines für die Solisten




Vermutlich gab es noch ein weiteres Mikro in der Nähe oder über dem Orchester.
Es sind also mindestens 3, wenn nicht 4 Mikrofone für diese Aufnahme verwendet worden.




Natürlich wurden Aufnahmen bis weit in die dreißiger Jahre hinein auch mit nur einem Mikrofon geschnitten. Bei kleineren Firmen kann man dies als üblich annehmen. Auch spielt es eine Rolle, ob es sich um Studio aufnahmen handelt, oder ob Plattensitzungen z.B. Hotelsälen o.ä. gemacht wurden.
Wenn die ganze Ausrüstung mit genommen werden mußte, wurde wohl häufig nur ein Mikrofon verwendet.

Man muss weiter bedenken, das Mikrofone teuer waren - je nach Größe des Orchesters (und Bedeutung) kam dann wohl nur ein Mikrofon zum Einsatz.

James Kok - Dt. Grammophon 1935


Allerdings darf man nicht in eine Falle tappen - wenn auf einem Bild nur ein Mikrofon zu sehen ist, heißt dies nicht das nicht noch ein weiteres verwendet wurde.
Wie man auf dem Bild aus den Lindström Studios zu sehen ist, arbeitete man bereits 1929 mit Mikrofon Galgen bei denen das Mikro über dem Orchester war.
Wenn der Bildausschnitt des Photographen so gewählt ist das man dieses nicht sieht....

Zusammenfassend belegen die Bilddokumente, wie auch zeitgenössische Texte das ab Ende der zwanziger Jahre teilweise bereits mit zwei Mikrophonen aufgenommen wurde.
Ab Mitte der dreißiger Jahre kann man dies als Standard ansehen soweit es sich um Studio aufnahmen handelt.

[ Bearbeitet Mi Mär 06 2013, 10:42 ]
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Grammophonteam
Mi Mär 13 2013, 22:38
Seitenbetreiber

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Michael Jary im (Lindström?) Studio, dreißiger Jahre





Ein Mikrophon am Galgen über dem Orchester. Jary greift an das Mikro für Solisten oder Sänger. Dieses ist mit Stoff überspannt um Zisch-Laute zu reduzieren.
Man sieht nur einen kleinen Ausschnitt, ob neben den zwei sichtbaren Mikrophonen noch mehr verwendet wurden ist nicht zu erkennen.

Grüße
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snookerbee
Mi Mär 13 2013, 22:50
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1787

Zum letzten Bild: Ich habe mal gelesen, daß das kein Mikrophon war, was Jary anfasst, sondern eine Uhr zur Kontrolle der Aufnahmezeit. Ich weiß leider nicht mehr, wo das stand.
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Gast
Do Mär 14 2013, 00:39
Gast
Danke fuer die interessanten Beitraege und Bilder.
Mich haben vor allem die Bilder interessiert, die aus den Vortragsfolien von Claus Peter Gallenmiller "Das Entstehen einer "historischen Schallplatte" (Vortrag gehalten 2009) stammen. Mich haette vor allem interessiert, was er zum Bild vom Lindström-Aufnahme-Studio von 1929 gesagt hat.

Ich habe versucht, ihn per E-Mail zu kontaktieren, habe aber leider keine Antwort bekommen.

Es gibt ein dazugehoeriges Video, das auf YT anzusehen ist
Link - Hier klicken
(oder suchen nach: "Demostration der Aufnahme einer Schellackplatte")

Interessant ist, dass in dem dazugehoerigen Video auch wieder nur ein Mikrofon (eine "Neumann-Flasche" CMV3) zu sehen ist. (Es gab noch ein anderes Video, wo ein kleiner Chor eine Aufnahme machte, auch mit einem (1) hist. Neumann-Mikrofon.) Es waere fuer Gallenmiller sicher kein Problem gewesen, mehrere Mikrofone an ein heutiges Mischpult anzuschliessen und den gemixten Ton an die Mono-Schneidemaschine zu senden.

Wie gesagt, ich wollte ihn fragen, was seine Erkenntnisse sind in Sachen Mehrmikrofon-Aufnahmen in jener Zeit.
Vielleicht weiss jemand von euch eine gueltige Mail-Adresse von Herrn Gallenmiller?

"Ab Mitte der dreißiger Jahre kann man dies (die Aufnahme mit zwei oder mehr Mikrofonen) als Standard ansehen soweit es sich um Studio aufnahmen handelt." (Zitatende)
Ob anhand der Fotografien dieser Schluss wirklich zwingend ist?

Ich moechte es nicht von vornherein ausschliessen, dass es auch solche Aufnahmeverfahren und -experimente gegeben hat. Auch ich habe lange – ausgehend von heutiger Aufnahmetechnik mit mehreren Mikrofonen und Mischpult – angenommen, dass auch frueher mit mehr als einem Mikrofon und Mischpult aufgenommen wurde. Interessant ist, dass meine Kollegen und ich bis jetzt noch kein solches Mikrofonmischpult abgebildet gesehen haben.
Der zweite, vielleicht gewichtigere Grund ist der, dass die Aufnahmemeister, die zum Thema Schallplattenaufnahme (in der Schellack-Aera) befragt wurden, von einem (1) Aufnahmemikrofon sprachen.

Ich hoffe, ich kann noch Kontakt mit Herrn Gallenmiller aufnehmen. Ich bin sehr interessiert an seinen Erkenntnissen zu diesem Thema. Wenn ich mehr weiss, werde ich es natuerlich hier berichten.

Wie gesagt, danke für die Bilder und Beitraege. Jedes Fundstueck bringt ein bisschen mehr Licht in dieses Thema.

liebe Gruesse
Michael (der wieder viel laenger an diesem Beitrag gesessen ist und jetzt schlafen geht…)

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Gast
Do Mär 14 2013, 05:16
Gast
Hallo Snookerbee,

ja, das ist eine Stopuhr ! Das Foto hatte ich mal eingestellt und erwähnt, daß es sich um eine Uhr handelt.

Eine solche Stopuhr habe ich auch noch. Es ist eine Junghans. Hier wurde sie nur auf einen Ständer montiert, damit der Orchesterleiter sie leichter im Überblick hatte.

Gruß, Nils
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Gast
Do Mär 14 2013, 06:05
Gast
Hier als Nachtrag noch Fotos einer solchen Uhr:






Hier ist diese Stopuhr auf einem Tischsockel montiert, er ist abnehmbar, man kann die Uhr auch hängend verwenden. Bei der Studioaufnahme ist sie halt auf einem Ständer angebracht.

Es gibt außerdem noch ein anderes Foto, auf dem das Zifferblatt zu erkennen ist.

Gruß, Nils
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Gast
Do Mär 14 2013, 07:56
Gast
Hallo Nils

Danke fuer deine Beitraege.

Uebrigens ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dem Ellington-Bild das glockenfoermige Ding hinter Ellington kein Mikrofon ist.
Hingegen sind auf dem naechsten Bild allerdings zwei Mikrofone zu sehen. Es sind dieselben, die auch in den RCA-Studios verwendet wurden. Fuer RCA ist es ziemlich sicher, dass nur eins davon angeschlossen und zur Aufnahme verwendet wurde.
So ein Mik kostete uebrigens ein Vermoegen. Was mich erstaunt hat: die Dinger sollen so gut sein, dass sie immer noch gesucht werden!

Was ueber die Aufnahme von Fats Waller geschrieben wurde, interessiert mich sehr. Weiss jemand, um welche Aufnahme es sich handelt?
Die uebrigen Eintraege werde ich in Ruhe noch lesen. Danke an alle.

Michael
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berauscht
Do Mär 14 2013, 10:46
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1518
Allerdings habe ich einmal in einem Film über Bert Kaempfert gehört, daß er für die Aufnahmen bei der Polydor in der Hamburger Musikhalle nur ein Stereo-Mikrophon verwendete. Ehemalige Musiker erzählten, daß die Ausrichtung des Orchesters im Raum immer sehr viele Stunden gedauert hätte. Die eigentlichen Aufnahmen selber wurden dann in ein "paar" Minuten gemacht. Aber ein Weltstar wie Kaempfert konnte sich das wohl leisten.

Es ist wohl immer eine Frage der Produktionskosten wieviele Mirophone verwendet werden. Man kann wohl auch mit einem Mikrophon gute Aufnahmen machen, aber da Studio und Personal Geld kosten, verwedendet man lieber mehrere und "mischt".
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Grammophonteam
Do Mär 14 2013, 11:24
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2092
Fuer RCA ist es ziemlich sicher, dass nur eins davon angeschlossen und zur Aufnahme verwendet wurde.


Bitte diese Aussage mit Quellen belegen - bis dahin ist es sonst einfach nur eine persönliche Annahme

Gegenfrage: Warum sollten in einem Studio mehrere Mikrophone aufgebaut werden, wenn dann aber nur eines Verwendet wird bei der Aufnahme. Das ergibt wenig Sinn.

Auch aus einem anderen Eintrag:

Bericht aus den 30er Jahren:


Es war einmal ein Musikus


Inhalt, Bild oder Datei nur fuer angemeldete Mitglieder

Bei dieser Aufnahme Ende 1932 spricht Paul O´Montis nochmal kurz "zwischen" dem Xylophon Solo.
Wenn die Stimme einsetzt, wird das Xylophon im Hintergrund leiser, also vom Aufnahmetechniker herunter geregelt während der Sänger in gleicher Lautstärke bleibt.
Also quasi ein "akustischer Beweis" für zwei Mikrofone im Studio und Mischtechnik.

DGG, 1939


Hier ist von "den Mikrophonen" die Rede.

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Grüße
Yannick

[ Bearbeitet Do Mär 14 2013, 11:44 ]
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Gast
Do Mär 14 2013, 12:00
Gast
Die Neumann-Flaschen kosteten schon ihr Geld, aber Telefunken hat sie auch unter eigenem Namen verkauft.

Ich glaube ganz fest, daß sich z.B. Telefunken und Lindström problemlos mehrere Mikrofone leisten konnten.

Eine übliche "Schwachstelle" ist zum Beispiel die Baßgeige. Die müßte dann schon sehr nah am Mikro stehen, gleichauf mit dem Sänger.
Wenn wir über den Zeitraum 30iger Jahre reden, kann man davon ausgehen, daß die großen Firmen immer mehrere Mikrofone verwendet haben.

Ein Aufnahmeleiter war ja immer nötig, ob ein oder drei Mikros.
Und stundenlanges Einrichten und womöglich Probeaufnahmen mit nur einem Mikro kosteten langfristig sicher mehr als ein zweites Mikro.

Hier mischt sich wohl viel Unrichtiges mit der Zeit der akustischen Aufnahmen, als die Musiker tatsächlich vor dem Aufnahmetrichter speziell plaziert wurden.

Gruß, Nils
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Gast
Do Mär 14 2013, 12:15
Gast
Grammophonteam schrieb ...

Wenn die Stimme einsetzt, wird das Xylophon im Hintergrund leiser, also vom Aufnahmetechniker herunter geregelt während der Sänger in gleicher Lautstärke bleibt.
Also quasi ein "akustischer Beweis" für zwei Mikrofone im Studio und Mischtechnik.


Für genau diese Zwecke wurde auch die große Stopuhr benutzt. Der Sänger wußte, daß sein Einsatz z.B. ab Minute 1.32 kam und hatte neben der Musikwahrnehmung ein zeitliches "Achtung".
(Eine Probeaufnahme mit der Uhr gemessen, bei der Aufnahme Uhr wieder als Orientierung laufen lassen)

Aus welcher Quelle stammt denn die Aussage, die Stopuhr bei Jary wäre ein ümhülltes Mikro?

Gruß, Nils
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Gast
Do Mär 14 2013, 12:30
Gast
Hallo
Es gibt hier einige interessante Meldungen, danke. Ich versuche, in der Mittagspause kurz auf verschiedene Meldungen Antwort zu geben.

@ berauscht (bzgl.) Bert Kaempfert

Ich beziehe mich auf die Aufnahmetechnik in der Schellackzeit, das von Dir Erwaehnte ist trotzdem interessant. Das war vermutlich ein Aufnahmemeister der alten Schule, die Aufnahme wird gut und natuerlich geklungen haben - nicht so wie spaeter die "Waldbauer-Stereofonie" (wie wir es genannt hatten): Jedes Instrument so gemischt, dass es aus einer anderen Ecke kam, so dass jeder Waldbauer merkte: "Aha, das ist jetzt Stereofonie!". Mit Raumklang hatte das nix mehr zu tun... Aber das waere ein anderes Thema, ueber das man sich trefflich streiten koennte...

@ Grammophonteam
(wer versteckt sich eigentlich dahinter - Yannick? Kenn mich da noch nicht so aus..)
Zuerst mal danke fuer deine interessanten Fotos.

Wegen Quellen zu RCA: Das wird ein Weilchen dauern, ich hoffe, ich kann es bald nachliefern. Es beruht auf persönlichen Gespraechen von einem Kollegen, der viel Zeit in die Erforschung dieser Frage gesteckt hat und noch mit Tonmeistern aus jener Zeit sprechen konnte.

Zu "mehrere Mikrofone standen in den Aufnahmestudios herum."
Das ist sicherlich korrekt, ich koennte auch mehrere Fotos dazu beisteuern (Widmann, Bauschke). Die Rundfunk- und Aufnahmestudios jener Zeit waren bestens dotiert und hatten alle Mittel zur Verfuegung - warum sollten sie nicht mehrere Mikrofone herum stehen haben? Mich interessiert, wieviel davon fuer eine Aufnahme eingesetzt wurden.

Zum Text "Ihren geübten Ohren..."

Wenn mehrere Wachsplatten geschnitten wurden (ich zitiere: .."wieviel Wachsplatten mit einem Mal bespielt werden, das richtet sich nach der Wichtigkeit der Aufnahme." Fuer mich heisst das, dass pro Schneidemaschine ein (1) Mikrofon im Einsatz war.
Ausserdem gab es auch deswegen verschiedene Mikrofone in den Studios, weil diese eine verschiedene Charakteristik hatten (vermutlich auch wegen den damaligen Toleranzen). Ausserdem musste man experimentieren, um das Bestmoegliche herauszuholen.

@ Grammophonteam - Aufnahme O'Montis 1932

Sehr interessant, danke. (ich finde toll, was man alles hier im Forum finden kann.)

Hingegen ist diese Aufnahme eher ein Beleg, dass diese Regeltechnik unzureichend war, d.h. unnatuerlich klang. Die Ein-Mikrofon-Technik hat sich vermutlich durchgesetzt, weil sie klanglich ueberlegen war.
(Ich weiss - ist kein 'Beweis', weder in die eine noch in die andere Richtung...)

Heute abend noch etwas mehr, muss jetzt los.

Michael

[ Bearbeitet Fr Mär 15 2013, 21:55 ]
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Gast
Do Mär 14 2013, 13:49
Gast
Mir fiel noch ein: in einem Interview erzählte Evelyn Künneke mal sinngemäß "..man stand in einer Kabine und wartete auf den Einsatz".
Es ging um ihre Aufnahmen bei Odeon/Lindström in den Jahren 1942/43.

Offenbar wurden in der Zeit schon ganz dünne, leise Stimmchen wie jene von Evelyn akustisch vom Orchester abgeschirmt und eben vom Techniker dosiert beigemischt.

Klar, daß dazu mindestens zwei Mikros nötig waren. Wohlgemerkt mindestens.

Gruß, Nils
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Grammophonteam
Do Mär 14 2013, 16:06
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Uebrigens ich bin mir ziemlich sicher, dass auf dem Ellington-Bild das glockenfoermige Ding hinter Ellington kein Mikrofon ist.


Was soll es denn sonst sein? Sieht für mich nach dem (dynamischen) Studio Mikrophon der Firma RCA aus ;)





Bei Rundfunk und Tonfilm war es seit den frühen dreisiger Jahren tatsächlich Standard mehrere Mikrofone zu verwenden. Interessant dazu
dieser amerikanische Artikel vom Juni 1930. Zwar ist auf der Zeichnung (!) nur ein Mikro zu sehen, wesentlich
interessanter ist aber der Text dazu.





Juni 1930
"Several microphones may be used to pick up the same orchestra and the tone censor at the mixing panel can control the relative volume from each and blend the result into a perfect whole."

"Mehrere Mikrophone können genutzt werden um ein Orchester aufzunehmen. Der Tontechniker am Mischpult (!) kann die Lautstärke kontrollieren und mischt (blendet) das ganze zu einem perfekten Ganzen."



Die meisten Bilder von Rundfunkstudios (bei Orchestern) und im Tonfilm zeigen mehrere Mikros. Auch in der Literatur dazu wird fast durchgängig von mehreren Mikrophonen gesprochen die dann am Mischpult überblendet wurden.

Im Tonfilmstudio, 1935


2 Mikrofongalgen nehmen das Orchester auf


Die Technik dazu stand ab den späten zwanziger Jahren und wurde (bei Rundfunk und Tonfilm) erfolgreich angewendet. Warum sollte die Schallplattenindustrie darauf verzichten?
Gerade sie lebt ja von qualitativ und technisch hochwertigen Produkten (Ergebnis Schallplatte).

Wenn mehrere Wachsplatten geschnitten wurden (ich zitiere: .."wieviel Wachsplatten mit einem Mal bespielt werden, das richtet sich nach der Wichtigkeit der Aufnahme." Fuer mich heisst das, dass pro Schneidemaschine ein (1) Mikrofon im Einsatz war.


Wie kommst du darauf? Dieser Satz bedeutet wie viele Aufnahmeapparaturen gleichzeitig liefen!

In dem gleichen Text ist aber von den Mikrophonen die Rede!

Die Ein-Mikrofon-Technik hat sich vermutlich durchgesetzt, weil sie klanglich ueberlegen war.


Genau umgekehrt ;)
Die Mehr-Mikrofon-Technik hat sich durchgesetzt da sie klanglich überlegen ist. Bis heute... :)

Sicherlich haben kleinere Firmen u.a. auch aus Kostengründen noch lange Zeit mit einem Mikrofon gearbeitet. Bei kleineren Orchesterbesetzungen macht dies auch Sinn.
Wenn du nun einen ehemaligen Tonmeister befragst der eben bei so einer Firma arbeitete hörst du natürlich das nur ein Mikrofon verwendet wurde...

Wie Nils aber schon schrieb, bei den großen Firmen war es in den dreißiger Jahren wohl absolut üblich mit mehreren Mikrofonen zu arbeiten, also z.B. Dt. Grammophon, Telefunken, Lindström mit Odeon
und später Electrola usw. Selbst kleinere Firmen wie Tri-Ergon verwendeten mehrere Mikros wie auf dem Bild oben zu sehen ist.
Das sollen über mehrere Jahre hinweg alles nur halb gelungene Experimente gewesen sein?

Fassen wir nochmal das bis jetzt zusammengetragene zusammen:
- Es gibt Aussagen sowie zeitgenössisches Schriftmaterial die sowohl von einem, wie auch von zwei Mikrophonen mit Mischpulten sprechen
- Bilddokumente zeigen den Einsatz von mehreren Mikrophonen. Dir frühesten datieren von 1928
- Filmdokumente belegen den Einsatz sowohl von einem, wie auch mehreren Mikrophonen
- Tondokumente ab den frühen dreißiger Jahren belegen ebenfalls mindestens zwei Mikrophone. Wenn dabei (Musikus) mal eine Aufnahme weniger gut gelang (man hört das Überblenden),
heißt dies noch lange nicht das weiterhin nur ein Mikro verwendet wurde. Lindströmstudios waren mindestens seit 1929 (Bild oben) mit zwei Mikrophonen ausgestattet. 1932 hört man diese Blendtecnik auch bei einer Aufnahme. Drei Jahre experimentieren in eine Technik die sich nicht durchgesetzt hat?


Die Vorstellung der "guten alten Zeit" in der rührige Tontechniker alles mit einem Mikrophon aufnahmen um aus der einfachen Technik trotzdem das beste zu machen entspringt eher heute nostalgischen, etwas verklärenden Vorstellungen.
In den dreißiger Jahren war Elektronik und Studiotechnik hoch ausgereift. Es war eine Millionenindustrie. Große Firmen konnten aus den vollen Schöpfen.

Bild, Schrift, Film und Tondokumente bestätigen den Einsatz von mehreren Mikrophonen. Wenn es noch Firmen oder Umstände gab unter denen mit nur einem Mikrophon aufgenommen wurde bedeutet dies doch nicht den Umkehrschluss!
Rundfunk und Filmstudios arbeiteten ab den frühen dreißiger Jahren mit modernster Mischtechnik und mehreren Mikrophonen. Nur die "rückständige" Schallplattenindustrie blieb bis zum Ende der Schellackzeit (50 er Jahre!) bei dem Verfahren nur ein
Mikrophon zu verwenden? Schwer vorstellbar, vor allem wenn Bilddokumente mehrere Mikrophone ab den späten zwanziger Jahren belegen...

Interessant wäre das Buch: Herbert Grenzebach, ein Leben für die Telefunken-Schallplatte
Grenzebach war erst bei der Ultraphon, dann bei Telefunken (Bilder oben mit mehreren Mikros) technischer Aufnahmeleiter. In seiner Biographie ging er wohl auch sehr genau auf die Studiotechnik ein. Leider liegt uns dieses Buch nicht vor. Auch antiquarisch ist es leider nur schwer erhältlich.

Grüße
Yannick

PS:

EMI, London


Studio Abbey Road, 1940er Jahre. Mischpult mit Eingängen für bis zu 5 Mikrophonen. Quelle: soundofthehound Link - Hier klicken


DECCA Studios, Paris 1938


Zwei Mikrophone...


1935


2 Studio, 1 Radio Mikrofon





1945



1946








Die Mehr-Mikrofon-Technik scheint sich gegen Ende der Schellackzeit durchgesetzt zu haben...

[ Bearbeitet Do Mär 14 2013, 23:23 ]
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Aristodemo
Do Mär 14 2013, 17:31
Dabei seit: Sa Jan 21 2012, 01:07
Einträge: 426







Quelle: TELEFUNKEN Schallplattenfibel, 1939
Es wird IMMER non MikrophonEN gesprochen, auch laufen IMMER zwei Schneidegeräte.

Zur Praxis bei ODEON schreibt H. Wahl : "Nach einigen gelegentlichen (von April 1927 mit Unterbrechungen bis 1929) zaghaften Versuchen, es ...... Firmen gleichzutun, setzte er es bald zu seiner Ehre darein, den großartigen neuen ODEON-Aufnahmesaal derart extrem "schalltot" zu machen, das es nun zwar viel einfacher war, Solisten und Orchester an vorher genau fixierten Stellen zu postieren und sich nicht von diesem "dummen, dummen Nachhall" stören zu lassen. ........ Als ich 1937 mit meinen ständigen Mahnungen endlich durchdrang, da war es für Lehmann, Tauber und Joseph Schmidt längst zu spät. "
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Rundfunkonkel
Fr Mär 15 2013, 20:47
Dabei seit: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Einträge: 1088
Mischpulte, die Aufnahmen stammen aus 1938 bzw. 1940:





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Grammophonteam
Fr Mär 15 2013, 21:50
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Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2092
@Aristodemo & Rundfunkonkel - vielen Dank für diese zeitgenössischen Bild und Schriftdokumente!

Aus der TELEFUNKEN Schallplattenfibel, 1939 einige für uns unter dieser Fragestellung wichtigen Passagen:

...die nach den Erfordernissen der Aufnahme Umstellung und Umgruppierung der Instrumente und Mikrophone vornehmen... Jedes Instrument muß durch die Mikrophone richtig erfaßt werden...
Die Mikrophone verwandeln die vom Orchester erzeugten Schallwellen in elektrische Wellen.
...Hier sitzt zunächst der Tonmeister am Mischpult. Mit seinen exakten Steuer- und Verstärkergeräten sorgt er für gleichmäßige Aussteuerung.
...Hier gibt es zum Beispiel einen leuchtenden Pfeil, der im Rhythmus der Schwingungen über eine Skala zuckt.
...Der Sicherheit halber laufen gleichzeitig zwei Schneideapparaturen.


Was in der Telefunken Fibel 1939 schriftlich dokumentiert wurde, lässt sich mit einem Film vom März 1942 untermauern.

Rosita Serrano singt "Eine kleine Mondscheinfahrt" im März 1942 für die Telefunken ein. Die Aufnahme erschien auch auf dem Markt. Diese Aufnahmesitzung (Proben?) wurden filmisch festgehalten:



Hier sieht man nun 1942 im Film, was 1939 auf Papier (Telefunken Fibel) geschrieben wurde.








OK - nur ein Mikrophon für die Sängerin ist zu sehen, die gesamte Anordnung macht aber ein zweites Mikrophon für die Musiker klar. Im weiteren Verlauf wird dies auch untermauert.





Telefunken Fibel: ...Hier sitzt zunächst der Tonmeister am Mischpult. Mit seinen exakten Steuer- und Verstärkergeräten sorgt er für gleichmäßige Aussteuerung.

Man sieht kurz im Film wie der Tontechniker zwei Regler bedient. Er "mischt" das Verhältnis von Gesang zu Musik.
Fast noch interessanter: Vier Mischregler sind vorhanden! D.h. das Telefunkenstudio war auf max. vier Mikrophon Eingänge ausgelegt.


Die Aussteueranzeige



Telefunken Fibel:...Hier gibt es zum Beispiel einen leuchtenden Pfeil, der im Rhythmus der Schwingungen über eine Skala zuckt.





Telefunken Fibel:...Der Sicherheit halber laufen gleichzeitig zwei Schneideapparaturen.




1939 wurde diese ausgefeilte Studiotechnik bei Telefunken schriftlich dokumentiert, ein Filmdokument drei Jahre später bestätigt genau diese Aufnahmetechnik.

Hieraus geht ganz klar hervor das bereits in den dreißiger Jahren eine sehr ausgereifte, Mehr-Mikrofon Technik inkl. Mischtechniken zum Einsatz kam.
Es gibt eigentlich keinen Anlass zu denken ähnlich große Firmen wie die Dt. Grammophon oder Lindström (Odeon, Electrola usw.) hätten zu diesem Zeitpunkt anders gearbeitet.
Die Dt. Grammophon spricht in einer Firmenschrift von 1938 ja ebenfalls von "den Mikrophonen". Bilder bei der Lindström belegen mehrere Mikrophone ab mindestens 1929.

Die Theorie nach der bis zum Ende der Schellackzeit nur ein Mikrophon ohne elektronische Mischtechnik zum Einsatz kam ist so nicht zu halten.Schrift, Bild, Film und Tondokumente aus Europa und den USA belegen dies.

Viele Grüße
Yannick

[ Bearbeitet Fr Mär 15 2013, 22:47 ]
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snookerbee
Fr Mär 15 2013, 22:03
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1787

Auf einem Bild einer Aufnahmesession der amerikanischen Decca im Jahre 1941 sieht man folgendes:

Der Sänger (Louis Armstrong) steht nahe an dem über den Musikern befestigten hängenden Raummikrophon. Der Bassist ist im Raum auf der Höhe der Bläser platziert, also auch nahe am Mikro. Der Pianist (nicht sichtbar hinter einem Gitarrenverstärker) oder das Schlagzeug erhält einen extra Mikro-Galgen. Die mir vorliegenden Aufnahmen der Decca mit dieser Gruppe und ähnlichen Besetzungen lassen eine deutliche Hervorhebung des Klaviers bei Solostellen erkennen. Ansonsten ist dieses Instrument eher schwach zu hören. Interessant ist, daß diese relativ billig produzierende Plattenfirma mit nur zwei Mikrophonen auszukommen scheint.

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[ Bearbeitet Sa Jul 01 2017, 14:00 ]
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