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Wie teuer waren mal Grammophone und Schellackplatten?
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Autor Eintrag
Janek55
Fr Mai 17 2013, 20:40 Druck Ansicht
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 13 2013, 22:47
Wohnort: Bielefeld
Beiträge: 145
Mich würde gerne interessieren wie Teuer ( bis 1945 ) waren Grammophone, Schellackplatten, Nadel. War das alles fast Unbezahlbar?
Leider hab ich keine Großeltern mehr, sonnst hätte ich sie gefragt.
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gramofan
Fr Mai 17 2013, 21:30
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1108
Ich habe einige Preislisten usw., mache mal ein paar Photos.
Gerade vor ein paar Tagen nachgesehen habe ich den Preis des Polyfar Raumtonkoffers der DGG (eines zwar soliden Koffergeräts, aber auch kein Spitzenprodukt), weil ich einen auf dem Flohmarkt gefunden habe. Das waren 1935: 58.- RM.
Aus dem Kopf: eine 25cm-Platte kostete Mitte der 30er Jahre je nach Label zwischen 1,50 und 3,50 RM.
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Janek55
Fr Mai 17 2013, 21:41
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 13 2013, 22:47
Wohnort: Bielefeld
Beiträge: 145
Danke Euch, also war das doch bezahlbar, ich erinnere mich dass mein Großvater sagte mir, er bekamm Monatlich 350 RM.
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Rundfunkonkel
Fr Mai 17 2013, 21:43
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1111
Jetzt müsste noch ein Bezug zur Kaufkraft her, damit man in etwa umrechnen kann was das in der aktuellen Währung bedeutet. Damals Grammophon, heute Ei-Phon oder so.
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krammofoon
Fr Mai 17 2013, 22:13
Schellack-Gnadenhof
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Jun 27 2011, 20:47
Beiträge: 1210
Servus :-)

was ich allerdings sagen kann, ist, dass mein EDISON HOME lt. Katalog A. 2000. mal 135 Mk. (Mark) gekostet hat.......

In der Zeit, in welcher er angeboten wurde - in dieser Bauform wie ich ihn habe und wie er hier im Katalog ist, bis ca. 12/1905 - ganz sicher ein richtig heftiger Preis!
Vor allem wenn man mal davon ausgeht, dass ein Arbeiter um 1900 so ca. zwischen 40 und 45 Mark Monatslohn (!) hatte......... wer außer reichen Leuten, konnte da auf 3 Monatslöhne verzichten, bloß um sich einen Walzendudler zu kaufen?!

Gruss
Georg





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[ Bearbeitet Fr Mai 17 2013, 22:17 ]
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Gast
Sa Mai 18 2013, 01:25
Gast
Hallo.

Heutzutage gibt es Leute, die für ne Urlaubsreise, um sich zwei Wochen irgendwo in die Sonne zu legen, nen Kredit aufnehmen.

Wieviel Monatslöhne kostet heutzutage ein Auto und trotzdem haben sehr viele von uns eines.

Ich würde mal behaupten, es war für den Arbeiter genauso schwer sich so einen Phonographen zu beschaffen, wie wenn sich heute jemand mit 1700 Euro Brutto einen Top Fernseher mit 3D für 3000 Euro anschafft. Auch damals gabs natürlich schon Ratenzahlung und sparsame Menschen.
Aber vielleicht dachten auch viele, ich esse lieber nen Stück Wurst oder ich gehe mal mit der Familie auf ein Fest, oder in einen Vergnügungspark oder mit der Frau tanzen.

Erst mit den Enrico Caruso Aufnahmen und z.B. den Tamagno Aufnahmen, begannen die Menschen in dieser Zeit überhaupt zu registrieren, da ist ja was Neues, ernstzunehmendes und Interessantes, weil die Aufnahmen aufsehen erregten.
Solche berühmten Klänge ins eigene Wohnzimmer zu holen war auf einmal eine Verlockung. Man konnte natürlich mit sowas bei seinem Freundeskreis gut dastehn.
Ein Grammophon wurde auf einmal von einem lärmenden Etwas zum Prestigeobjekt.

Es war wie bei den ersten Videorecordern im Anfang der 80er Jahre, Erst wollte sie niemand, für was denn auch.
Dazu waren die Kisten am Anfang auch noch sauteuer aber schon nach 10- 12 Jahren gab es fast keinen Haushalt mehr ohne.

Beim Grammophon dauerte es eher 20 - 25 Jahre, was man vielleicht aus dem Schließen kann, dass in den 20er Jahren erst so ein richtiger Hype losging mit Tagesschlagern, und Billigplatten und vielen Herstellern von Geräten und Platten, und ersten großen Stückzahlen von Plattenproduktionen.
Beispiel, das Musikstück "Großmütterchen" findet man selbst heute noch ohne Probleme auf jedem Flohmarkt.

Umso exotischer und wertvoller muß alles betrachtet werden was vor den Zwanziger Jahren, sprich erstem Weltkrieg war.
Platten von kurz nach der Jahrhundertwende, die vielleicht 1000 oder 10.000 mal hergestellt und verkauft wurden, und zwar in ganz Europa, sind heutzutage einfach selten zu erwischen.
So eben auch ein Phonograph, oder ein schönes DGG Grammophon.

Grüße, Gerhard
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 10:15
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
krammofoon schrieb ...

Vor allem wenn man mal davon ausgeht, dass ein Arbeiter um 1900 so ca. zwischen 40 und 45 Mark Monatslohn (!) hatte.........

Das was Du angibst ist der durchschnittliche Monatslohn für Frauen und Jugendliche. Bei einer 55 - 60 Stundenwoche! Ein durchschnittlicher Arbeiter hat etwa 100 Mark im Monat verdient. Industriearbeiter in Berlin verdienten sogar 150 Mark, die Hälfte eines im Krankenhaus angestellten Arztes.

Arbeiter kauften sich keinen Home Phonographen, sondern einen Puck für 5 Mark oder einen anderen Billigphonographen mit Gehäuse für maximal 20 Mark. In diese Regionen konnte die amerikanische Industrie nicht mehr vorstoßen, da hatten deutsche Hersteller ihr Monopol. Bespielte deutsche Walzen kosteten nach der Jahrhundertwende 80 Pfennig bis 2 Mark.

Edison Phonographen die man heute in Deutschland antrifft sind zumeist in den letzten Jahren aus den USA importiert worden. Dort war das Lohnniveau für Fachkräfte etwas höher als in Europa.
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 10:29
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Gast schrieb ...

Platten von kurz nach der Jahrhundertwende, die vielleicht 1000 oder 10.000 mal hergestellt und verkauft wurden, und zwar in ganz Europa, sind heutzutage einfach selten zu erwischen.

Da muss man etwas differenzieren. Das was heute selten ist sind Platten die 300 bis 3000 mal gepresst wurden.

Stars wie Tamagno und Caruso [Ausnahme Zonophone und eine Handvoll Aufnahmen vor 1903] erreichten wesentlich höhere Auflagenzahlen.
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Willi-H-411
Sa Mai 18 2013, 10:41
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Beiträge: 1291
Von Caruso war es eine Platte, die zum ersten Mal 1.000.000-mal verkauft wurde. Es war die Arie "Recitar! mentre preso dal delirio... Vesti la giubba", und soweit ich weiß, war es die Aufnahme von 1902. Stimmt das, Starkton?

VG Willi
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krammofoon
Sa Mai 18 2013, 10:45
Schellack-Gnadenhof
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Jun 27 2011, 20:47
Beiträge: 1210
Servus :-)

oh..... da ist meine Quelle aber mehr als hinterhott...... danke schön für die Korrektur, Stefan :-)

Aber ich gehe dann auch mal davon aus, dass Frauen und Jugendliche auch eher NICHT die Zielgruppe zum Kauf eines Phonographen waren; zumindest keines Edison Home und schon gar nicht in diesen Zeiten.

Gruss
Georg
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 11:26
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Willi-H-411 schrieb ...

Von Caruso war es eine Platte, die zum ersten Mal 1.000.000-mal verkauft wurde. Es war die Arie "Recitar! mentre preso dal delirio... Vesti la giubba", und soweit ich weiß, war es die Aufnahme von 1902. Stimmt das, Starkton?

Es war die amerikanische Victor Aufnahme vom 17. März 1907. Die Million hat sie aber erst lange nach seinem Tod geknackt. Während Carusos Lebenszeit wurden insgesamt etwa 5 Millionen Platten mit seinen Aufnahmen verkauft.

Alma Gluck war die erste, welche einen Millionen-Seller mit "Carry Me Back to Old Virginny", Aufnahme vom 13. November 1914, landen konnte.
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 11:40
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Um die Eingangsfrage ["Wie teuer waren mal Grammophone und Schellackplatten?“] für die Zeit bis 1914 zu beantworten:

Preis der Grammophone [für den Heimgebrauch]:
15 bis 1100 Mark

Preis der Platten:
1 bis 30 Mark

[ Bearbeitet Sa Mai 18 2013, 15:29 ]
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joha
Sa Mai 18 2013, 11:56
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Beiträge: 986
Liebe Kollegen,
in dem Igenieur Kalender von 1909 hat der Besitzer einige Unterlagen hinterlassen unter anderem ein Tages-Lohn-Schein von 1912 hier mal zu Ansicht da wird die Lohnsituation aus diesen Jahren eines Industie Angestellten Ingenieurs klarer und das war schon ein guter Lohn.
Hier zur Ansicht.
Gruss joha

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Starkton
Sa Mai 18 2013, 12:18
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Das war bestimmt kein Ingenieur. Mit einem Monatslohn von 70 Mark befand er sich nur wenig über dem Existenzminimum. Schon ein Nadelschleifer [für Grammophonnadeln] hat im Durchschnitt 100 Mark verdient!
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joha
Sa Mai 18 2013, 12:52
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Beiträge: 986
@ Starkton Diese Herr war angestellt in einer Metallfirma die Teile für Dampfmaschinen herstellte.
Den Begriff Existenzminimum kannte man damals nicht.
Löhne waren damals schon recht unterschiedlich im Mitteldeutschem Industiegebiet.
Er hatte den Vorteil versichert zu sein,das war schon Luxus.
Näherinnen und Wäscherinnen verdienten noch weniger.Man kann es also nicht so einfach vergleichen.
Es ist auch nur ein Beispiel für die Zeit.
Bismarks Reformen waren erst der Anfang der Sozialpolitik und das interessierte den Unternehmer wenig.
Gruss joha
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Janek55
Sa Mai 18 2013, 13:34
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 13 2013, 22:47
Wohnort: Bielefeld
Beiträge: 145
Also mit den 350 RM hat mein Opa damals gut verdiennt, na ja er war auch ein Beammter. Hätte ich damals gelebt würde bestimmt auch für einen Grammophon sparen. Heute sind die alten Grammophone und Schellackplatten auch nicht umsonnst zu bekommen.
Gruß
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 14:13
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
joha schrieb ...

Löhne waren damals schon recht unterschiedlich im Mitteldeutschem Industiegebiet.

Es ist sicher richtig, dass es große Einkommensunterschiede je nach Region und Geschlecht gab.

Im Großherzogtum Baden wäre der Mann komplett steuerfrei geblieben. Da wurde das Existenzminimum im August 1900 auf jährlich 900 Mark festgesetzt: Link - Hier klicken
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Gast
Sa Mai 18 2013, 14:16
Gast
PS: ich redete sicher nicht von der zigsten Nachpressung der alten Aufnahmen, sondern von den Pressungen der ersten Serie. Dass im Laufe von 50 Jahren irgendwann Caruso auch mal ne Millionenauflage erreichte ist mir auch klar. ebenso das ne Platte die warum auch immer, nur 300 mal gepresst wurde, noch seltener ist, braucht sicher nicht betont werden.
Gruß, Gerhard
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Starkton
Sa Mai 18 2013, 14:32
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Okt 05 2011, 21:47
Wohnort: Berlin
Beiträge: 1881
Gast schrieb ...

PS: ich redete sicher nicht von der zigsten Nachpressung der alten Aufnahmen, sondern von den Pressungen der ersten Serie.

Auch mit den ersten Pressungen, sagen wir bis 10 Jahre nach der Aufnahme, lagen z.B. Tamagno und Caruso deutlich über den genannten 3000 Stück. Das kann man im Falle von Tamagno prima an der laufenden Nummer auf den Labels nachvollziehen. Bei Caruso gelingt das indirekt über die Anzahl der Pressstempel.

Schon eine Auflage von 3000 Stück haben viele Aufnahmen, auch von bedeutenden Künstlern, niemals erreicht, unter anderem weil ihre Verweilzeit in den Katalogen nur wenige Jahre betrug. Hier sind Caruso und Tamagno, neben einigen anderen, ebenfalls die große Ausnahme.

[ Bearbeitet Sa Mai 18 2013, 14:35 ]
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