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Foren > Firmengeschichte, Labels, Hüllen, und Matrizen > LABELKUNDE - Deutschsprachige Labels und Firmengeschichte > Informationskreis D. Grammophon
Frühe elektrische Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon
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Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, Der_Designer
Autor Eintrag
Formiggini
Mi Apr 06 2011, 19:20 Druck Ansicht
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Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
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Habt ihr euch auch schon mal über die Klangqualität mancher Platten der Deutschen Grammophon aus der Zeit um 1926 gewundert?
Klingt irgendwie akustisch aufgenommen, dann aber wieder doch nicht.
Ab c. spät August/September 1925 brachte die Grammophon/Polydor vermehrt elektrische Aufnahmen heraus, allerdings ohne dies auf dem Label zu vermerken. Warum nicht ?


Vorweg, auch nach intensiver Suche in der online Ausgabe des Deutschen Patentamtes, lassen sich keine eigenen Patente der Deutschen Grammophon für ein elektrischen Aufnahmeverfahren belegen.
Gesucht habe ich nicht nur mit dem Begriff "Deutsche Grammophon (AG) sondern auch unter Polyphon Werke zu diesen gehörte damals die Deutsche Grammophon.

Laut einigen Quellen soll die Grammophon ab 1922/23 mit einem eigenen elektrischen Verfahren experimentiert haben, ob solche Platten auf den Markt kamen weiß ich nicht.
Die frühesten (Deutschen) Patente für elektrische Tonaufnahme stammen aus den Jahren 1920 und 1921 (Egbert von Lepel & Dr. Huth, letzterer bekannt durch die Radiofirma Huth)

System Huth



System von Lepel



Möglicherweise experimentierte die Grammophon mit einem dieser Verfahren, dazu bedarf es aber noch weitergehender Forschungen.

Allerdings gibt es bereits 1909 ein Patent auf elektrische Wiedergabe von Grammophonplatten. Dies ist dahingehend erstaunlich, da zu diesem frühen Zeitpunkt eine elektronische Verstärkung noch nicht möglich war! Die elektrische Abtastung konnte nur mit Telefonhörern abgehört werden demzufolge wurde damals die elektrische Abtastung nicht weiter verfolgt.

Elektrische Abtastung 1909



Die elektrischen Aufnahmen der Grammophon ab 1925 schwanken in der Tonqualität erheblich. Nicht alle Aufnahmen sind ab diesem Zeitpunkt elektrisch, viele Platten aus diesem Zeitraum verwenden noch das akustische Aufnahmeverfahren.
Die elektrischen Aufnahmen auf Victor und Columbia (beide nutzten das Western electric Verfahren) waren Haushoch überlegen (Ab April/Mai 1925 in den USA im Handel).

Andererseits könnten auch Patentrechtliche Gründe eine Rolle gespielt haben.
Die Grammophon hatte im Winter 1926 ein Abkommen mit der amerikanischen Brunswick, deren elektrisches Aufnahmeverfahren LIGHT RAY zu verwenden.





Mr Deutsch sagte darüber hinaus, dass als teil des Abkommens die elektrischen Aufnahme und Wiedergabe Rechte der General Electric der Deutschen Grammophon zugänglich werden. Möglich ist dies durch die Deutsche General Electric Co, so dass die neuen Aufnahmen von nun an durch das "Light Ray" Verfahren gemacht werden können.....

Ein weiterer wichtiger Punkt in dem Abkommen ist die Herstellung und der Verkauf der Brunswick Panatrope Grammophone in Deutschland und Österreich durch die Deutsche Grammophon.




Meiner Meinung nach verwendete die Grammophon bei ihren elektrischen Aufnahmen ab 1925 bereits das Light Ray Verfahren, die Patente hielt die General Electric inne, die auch eine deutsche Niederlassung hatten. Möglich das die G.E. dieses Verfahren zur Verfügung stellte.

Vom Frequenzgang sind die Aufnahmen aus der Zeit vor dem Abkommen (1926) denen aus der Zeit in der die Grammophon das Light Ray Verfahren definitiv nutzte quasi gleich.
Jedoch fast immer schlechter wie Aufnahmen aus den USA die die gleiche Technik nutzten.

Bei dem LIGHT RAY Verfahren wurde in einen Trichter eingespielt (deswegen auch die typischen Resonanzen einer akustischen Aufnahme).Am Hornende befand sich eine Membran an die ein kleiner Spiegel gekoppelt war. Dieser bewegte sich zusammen mit der Membrane. Ein gebündelter Lichtstrahl fiel auf den Spiegel, durch ein weiteres Linsensystem traf der in der Helligkeit schwankende (Im Rhythmus der Aufnahme) Lichtstrahl auf eine Photozelle. Diese wandelte die Lichtschwankungen in pulsierende Stromimpulse, die verstärkt einen Schneidekopf antrieben.

















Schneidekopf der General Electric, vermutlich verwendete auch die Grammophon dieses Schneidegerät


"Mikrophon" mit Trichter des Light Ray Systems. Dieser Schall/Elektrikwandler wurde auch von der Deutschen Grammophon verwendet



Diese Aufnahmetechnik entstammt früher Tonfilmentwicklung. Das LIGHT RAY Verfahren geht direkt auf Entwicklungen der Pallophotophone Geräte für Tonfilme zurück.
Dieses Verfahren wurde von Charles Hoxie ab c. 1920 bei der amerikanischen General Electric erfunden und verbessert.
Pallophotophone leitet sich aus dem griechischen für Rüttelnder Licht Klang ab.








1927 tauschte die Brunswick dieses Mikrophon-verfahren gegen ein normales Kondensatormikrophon, resultierend in einer erheblichen Klangverbesserung. Zeitgleich führte die Grammophon das Polyfar Raumklang Verfahren ein. Dieses lässt sich jedoch mit keinen Patenten belegen, bzw. die Grammophon hielt keine Patente darauf.

Auszug aus einem Brunswick Katalog für das elektrische Verfahren "Light Ray" wie es auch bei der Grammophon zum Einsatz kam








Worum könnte es sich bei dem POLYFAR Verfahren gehandelt haben?
Für die Deutsche Grammophon fand ich keine weiteren Informationen, allerdings von der Firma Odeon zum Raumtonverfahren:




Auch die Ultraphon AG verwendete ein Raumtonverfahren, bei dem mit einem weiteren Mikrophon Hallanteile mit aufgenommen wurden.
Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Deutsche Grammophon mit dem Begriff Polyfar das Raumklangverfahren ihrer Aufnahmen bezeichnete.

Ab 1928/29 brachte die Grammophon ebenfalls elektrische Plattenspieler mit Verstärkern auf den Markt. Diese Geräte gab es auch mit eingebautem Radio.
Diese ``Musiktruhen`` sind quasi identisch zu den AEG Geräten dieser Zeit. Da die AEG Zugang zu den Patenten der General Electric hatte, wird hier also ebenfalls Technik verwendet, die bei der amerikanischen Brunswick zum Einsatz kamen.

Woraus leitet sich der Begriff POLYFAR ab? Dies konnte ich noch nicht vollständig klären. Die AEG verwendete ebenfalls den Begriff Polyfar,
Gea-Polyfar III für einen Zweikreis Audionempfänger (1930/31).
POLY bedeutet viel oder mehr. Möglicherweise spielt hier auch die Firma POLYphon mit hinein, zu der die Deutsche Grammophon ja gehörte.
FAR könnte aus dem englischen FAR für fern entlehnt sein. Also möglicherweise die Verwendung mehrerer Mikrophone aus der Ferne.

Die Firma Homocord verwendete teils auf ihren Platten den Begriff Fernaufnahme
Auch die Telefunken (Ein Zusammenschluss von Siemens & AEG!) verwendete den Begriff FAR in ihren Geräteserien, z.B. ARCOFAR.

Möglicherweise wissen zu der Begriffsgebung POLY-FAR Spezialisten im Rundfunkmuseum.org mehr? Vielleicht kann ein Mitglied dort im Forum hierzu eine Anfrage stellen ;) ?






[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:32 ]
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Odeon89
Do Apr 07 2011, 18:08
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 281
Hallo,
vielen Dank für diese hochinteressante Erklärung! Gibt es eigentlich irgendeine Möglichkeit, an der Matrizennummer festzustellen, ob es sich um eine solche "elektrische" Aufnahme handelt, oder muss man sich da rein auf sein Gehör verlassen?

Liebe Grüße
Kai

[ Bearbeitet Di Mai 22 2012, 15:09 ]
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Formiggini
Do Apr 07 2011, 18:41
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Leider konnte ich noch keinen Zusammenhang zwischen MxNr. und elektrischen Aufnahmeverfahren finden.
Anfangs dachte ich noch, das "bg" in den MxNr stehe für elektrisches Aufnahmeverfahren - war wohl leider eine Sackgasse, frühe elektrische Platten finden sich auch mit mit anderen Buchstabenkombinationen.

Zugegebenermaßen habe ich aber auch das Mx System der Grammophon nicht wirklich verstanden - ich kann dort kaum Regelmäßigkeiten finden....

Vielleicht findet sich ja noch ein Grammophonexperte, der etwas Licht in das Nummernsystem bringen kann.

[ Bearbeitet Mo Sep 01 2014, 00:44 ]
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Formiggini
So Mai 08 2011, 14:09
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759

YT Sammler "Brillantspecial" hatte vor einiger Zeit eine DERBY Platte hochgeladen, bei der die Vermutung im Raum stand, das es sich um eine Efim Schachmeister Platte auf Grammophon handelt.
Dieser Verdacht hat sich nun bestätigt.

" Maria, Mari " - Efim Schachmeister Orchester
Grammophon mx. 306 br / Bestellnummer: 20462

Das besondere an dieser Derby/Grammophon Aufnahme ist, es handelt sich bereits um eine elektrische Aufnahme des Sommers 1925. Laut der Lange Discographie dürfte die Aufnahme Ende Juli, Anfang August 1925 gemacht worden sein. Dem Klang nach auch schon mit dem "Light Ray" Verfahren, also fast ein halbes Jahr VOR dem abkommen der Deutschen Grammophon mit der Amerikanischen Brunswick:



[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:11 ]
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Gast
So Mai 08 2011, 16:26
Gast
Da Lange auch viel "geschätzt" hat bei den Aufnahmedaten, habe ich versucht, ein genaueres Datum aus den kopierten Listen aus England der Deutschen Grammophon zu finden.

Völlig sinnlos :-D

Die Aufzeichnungen gehen zwar (seltsamerweise) noch deutlich in die 20er Jahre, aber sind ein unendliches Chaos mit den Mischungen aus Bestell-Katalog- und Matr.Nummern. Dazu sind die Kopien der sehr zerfransten Originale auch mit Lupe schwer zu entziffern. ...und das ganze Ding hat 4-500 Seiten.

Da kann ich leider nicht helfen.



[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:12 ]
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Formiggini
Mo Mai 09 2011, 05:49
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Den Lange Datierungen stehe ich teils auch kritisch gegenüber. Zumindest decken sich häufig seine "Schätzungen" mit den ungefähren Erstveröffentlichungen von Notenblättern/Titeln. Leider gibt es quasi kaum eine andere Quelle.

Gefühlt wird er so ab 1926 genauer.
Das du dich nicht durch 500 Seiten mit der Lupe kämpfen willst, kann ich verstehen ;-)



Viele Grüße


[ Bearbeitet Do Jun 27 2013, 20:28 ]
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Formiggini
So Jun 05 2011, 10:33
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Ich fand in einer alten Radiozeitschrift einen recht interessanten Artikel zu den "Polyfar" Geräten.

Dieser belegt nochmals die Zusammenarbeit von AEG & der Dt. Grammophon (diese wird in dem Artikel allerdings mit ihrem "Besitzer" Polyphonwerke A.G. erwähnt).

Wir sollten dabei im Hinterkopf behalten, das die AEG Zugang zu den Patenten der General Electric hatte.











Interessant bei der letzten Werbung; Auch Electrola arbeitete mit der AEG zusammen!

[ Bearbeitet Di Mai 22 2012, 15:03 ]
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Gast
So Jun 05 2011, 10:59
Gast
Danke, Uli !

Ja, das ist schon richtig ! Bei den (richtig seltenen) Schrankgeräten mit Radio von Electrola wurden Fremdgeräte (in jenen Jahren solche der AEG) verbaut.

Die Grammophonteile sind die uns bekannten (aus England), die Radioteile sind in solchen Schränken jedoch deutsche Erzeugnisse. Das gilt natürlich nur für Deutschland.
Ich habe schon ein paar englische Schränke mit Radioteil gesehen, diese sind dann auch englischen Ursprungs.

Gruß, Nils


[ Bearbeitet Di Mai 22 2012, 15:08 ]
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Herold38
Sa Jul 23 2011, 22:58
Gast
Hallo Formiggini,

zwecks Übergang vom akustischen zum elektrischen Aufnahmesystem bei der Bestellnummern-Serie 19000 von "Grammophon" habe ich mal nachgeschaut:

- bis 19330 (April 1925) wurde alles akustisch aufgenommen.

- von 19331 bis 19396 wurde gemischt aufgenommen.
(Deine 19364 ist noch akustisch. Beide Mx-Nummern [1241 av / 1242 av / schau mal nach, ob das stimmt] fallen zumindest noch in diesen Zeitraum!!
Als Datum ist "Mai 1925" angegeben.)

- von 19397 bis 19563 wurde der größte Teil elektrisch aufgenommen.
(Es gibt noch einige Ausnahmen, auch wurden jetzt noch einige bisher unveröffentlichte Stücke von 1924 und eher in den Handel gebracht).

- ab 19564 (September 1926) wurde nur noch elektrisch aufgenommen.

Wir müssen uns einfach damit abfinden, dass es bei der Marke "Grammophon" keinen eindeutig und klar getrennten Übergang zum elektrischen System gab, sondern dass dieser allmählich vonstatten ging.

Es ist nur sehr schade, dass man mehr als 2 Jahre brauchte, um klanglich halbwegs ordentliche Aufnahmen zustande zu bringen.

Bedenkt bitte bei Recherchen auch, dass es ab 1927/28 einige Fälle gab, wo akustische Musikstücke (meist klassischer Art oder Weihnachten) nochmal neu elektrisch eingespielt und trotzdem unter der alten Bestellnummer wiederveröffentlicht worden.

Das vielleicht bekannteste Beispiel ist die Weihnachtsplatte 19288, die es in mindestens 3 verschiedenen Besetzungen und mit verschiedenen Matrizennummern gibt.

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Hallo onlyesterdays,

der dicke Ring am Plattenrand ist nicht zwangsläufig identisch mit akustischen Aufnahmen, obwohl dieser in etwa der gleichen Zeit weggelassen wurde.
Maßgebend ist wie überall auch hier die Matrizennummer und dazu sollte man immer eine gute Lupe bereitliegen haben.

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Hallo Odeon89,

das Potpourri "Alle Neune" ist vom Oktober 1924 und noch voll akustisch!
Es würde auch keinen Sinn ergeben, bei den Schlagern über 3 Jahre später mit total gleicher Titelauswahl Neuaufnahmen zu machen. Man will ja immer das Neueste unter die Leute bringen.

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Viele Grüße

[ Bearbeitet Di Jun 26 2012, 11:59 ]
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schellackplatte
Sa Jul 23 2011, 23:19
Dabei seit: Do Jun 23 2011, 11:33
Einträge: 44
Hallo Uli, hallo Kai!

Die Aufnahmeverfahren gingen in der Zeit 25/26 etwas durcheinander. Damit sich später unterscheiden lies, welches Aufnahmeverfahren jeweils verwendet wurde, bakam die Matrizennummer eine Buchstabenkombination angehängt. Bei den beiden Titeln auf Platte 19364 steht da ein "a". (1241-av bzw. 1242-av) Dieses "a" steht für eine "Akustische Aufnahme" und ist vom Mai 1925 -
Die Platte 19261 hat die Matrizennummer 611-az und 612-az ist also auch eine akustische Aufnahme.
Alle elektrischen Aufnahmen haben zur Unterscheidung zu den akustischen Aufnahmen ein "b" bekommen.
Die Discographie der Godwin Aufnahmen ist in Band 7 der Discography der deutschen Tanzmusik erschienen.
Liebe Grüße Willi*cool
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Formiggini
Sa Jul 23 2011, 23:23
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Das mit "a" für akustisch und "b" für elektrisch ist ja endlich mal eine Information zu dem wüsten Grammophon System, mit dem man was anfangen kann! Danke!

So können einen die Ohren täuschen *no

[ Bearbeitet Sa Jul 23 2011, 23:26 ]
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Odeon89
Sa Jul 23 2011, 23:32
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 281
In Berthold Leimbachs Diskographie findet man die Aufschlüsselung der Buchstabenkombination zu den Toningenieuren der D.G.A.G.

Allerdings gibt es auch das Kürzel "ab" (= 25cm-Aufnahmen des Toningenieurs Hancox, 30cm-Aufnahmen tragen das Kürzel "ac"). Das ist dann aber ein Widerspruch zu den Erläuterungen... Die Aufnahmen von Hancox können ja schlecht gleichzeitig akustisch und elektrisch sein *grins

Bezieht sich die Zuordnung der Aufnahmetechnik immer auf den ersten Buchstaben?

[ Bearbeitet Sa Jul 23 2011, 23:45 ]
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Herold38
So Jul 24 2011, 01:09
Gast

Hallo Willi,

Deine Anmerkungen gelten leider nur teilweise.
Alle Buchstaben in den Matrizennummern sind immer komplett zu betrachten - niemals einzeln!
Diese Buchstaben wurden Aufnahmeleitern und Plattengrößen zugeordnet und damit auch verschiedenen Regionen und Zeitabschnitten.

Dass "a" = akustisch heißt und "b" = elektrisch sein soll, ist nicht in Ordnung. Das kann man so nicht stehen lassen. Es gab auch schon um 1910 bis 1912 Matrizennummern mit einem "b".

Fakt ist aber, dass zumindest in der Übergangszeit der 30 cm-Platten (Ich hole hier noch etwas weiter aus: 1924 bis 1927) alle Mx-Nummern, die ein as, av, und az haben, noch akustisch aufgenommen wurden.

Die ersten elektrischen 30cm-Aufnahmen begannen mit be, danach bg, bm, bi, bo usw.

Das ganze internationale Matrizennummernsystem ist hochkompliziert und hier nicht in einer verständlichen Form zu erklären. Um das mal aufzubereiten bräuchte man sehr viel Zeit.

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Hallo Odeon89,

ja, bis zum Ende der akustischen Ära versuchte man diese Aufnahmetechnik weiter zu entwickeln und es entstanden teilweise durchaus noch recht gute Aufnahmen. Trotzdem waren dem Ganzen physikalische Grenzen gesetzt. Etwas neues musste her!

Natürlich gab es auch eine Serie mit "ab". Die wurde für 25cm-Platten von 1908 bis 1910 genutzt.

Und es gab auch eine Serie mit "ac". Die wurde für 30cm-Platten von 1908 bis 1912 genutzt.

Da sehe ich keinen Widerspruch zu meinem letzten Text.
Bitte (oben für Willi) beachten: Die Buchstaben haben keine Einzelbedeutung, sondern sind immer als "Gesamteinheit" zu betrachten.

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Hallo Onlyesterdays,

ok, freut mich. Die "Alle Neune"-Platte ist recht verbreitet. Mir ist noch keine untergekommen, die eine andere Matrizennummer hätte als Deine. (Habe jetzt extra noch mal nachgeschaut).

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So, jetzt geh' ich schlafen.

[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:15 ]
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Formiggini
So Jul 24 2011, 10:46
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Anscheinend hat sich die Entwicklung der elektrischen Aufnahmen bei der DGAG parallel zu dem amerikanischen Brunswick/Vocalion Konzern vollzogen.

Brunswick machte am 7. April 1925 die erste elektrische Aufnahme nach dem "Light Ray" Verfahren der General Electric, Vocalion (gleicher Konzern!) folgte am 2. Mai 1925.#
Bis Herbst 1925 nahm Brunswick/Vocalion sowohl akustisch, wie auch elektrisch auf.
Von der Aufnahmequalität mit sehr wechselnden Ergebnissen - wie auch bei der DGAG.

Ab Oktober/November 1925 veröffentlichte Brunswick nur noch elektrische Aufnahmen.

Es stellt sich nun die Frage, ob die Zusammenarbeit bereits im Frühjahr 1925 bestand, oder ob die DGAG die Aufnahmetechnik von der deutschen Abteilung der General Electric erhielt, die das Verfahren ja entwickelte?

Eine weitere Frage an die Discographischen Spezialisten
- Die DGAG soll ja bereits 1924 mit einem eigenen elektrischen System experimentiert haben, allerdings waren die Ergebnisse schlechter als mit dem "Light Ray" System (Ich habe solche Aufnahmen aber noch nicht gehört).
Führen die Grammophon Discographien/Unterlagen solche Experimente, bzw. lassen sie sich anhand von Mx.Nummern belegen - so sie denn überhaupt in den Handel kamen?

Um zu verdeutlichen, wie die Qualität der ersten elektrischen Versuche im argen lag (sie sind oft nur schwer von akustischen Aufnahmen zu unterscheiden), hier einige Beispiele:

Begräbniss des unbekannten Soldaten, Westminster Abbey, 11. November 1920
Dies war ein experimentelles System, entwickelt von Lionel Guest & Horace Owen Merriman. Die Aufnahme wurde in der Westminster Abbey mit vier Kohlekörner Mikrophonen gemacht, und auch von der Britischen Columbia veröffentlicht - es handelt sich um die erste, kommerzielle, elektrische Aufnahme.
Die Columbia entschied sich aber gegen das System, und blieb bei dem akustischen Verfahren. 1925 übernahmen sie das Westrex System der Western Electric (wie auch Lindström 1926)




Guest & Merriman führten ihre Experimente aber in Kanada weiter, hier eine elektrische Testaufnahme vom 14. Oktober 1923




In den USA entwickelte Orlando Marsh in Chicago für sein Autograph Label ein eigenes, elektrisches System. Erste Aufnahmen wurden bereits 1921 gemacht, ab 1924 gab es auf seinem Label nur noch elektrische Aufnahmen.
Das System basierte wohl auf Telephon-Technik, mit einem ähnlich eingeschränkten Klangspektrum wie bei frühen Fernsprechern.

"King Porter Stomp" King Oliver -cornet & Jelly Roll Morton - piano
Chicago, Dezember 1924




"Up Jumped The Devil" Merritt Brunies and his Friars Inn Orchestra
Chicago, September 1924



Hier noch ein Ausschnitt aus der elektrischen Testaufnahme für das Autograph Label von 1921. Es spielt eine (leider) unbekannte Jazzband aus Chicago:



[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:36 ]
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Formiggini
Di Jul 26 2011, 21:48
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759


Wie ich weiter oben in einer älteren Nachricht mal geschrieben habe, wechselte bedingt durch einen Patentaustausch auch die amerikanische Brunswick um Ende 1926/27 von dem doch recht seltsamen "Light Ray" Mikrophon mit Spiegel zu einem "richtigen" Mikro der Western Electric.
Von der General Electric wurde das Verstärker und Schneidesystem beibehalten.
Durch ein "echtes" Mikro verbesserte sich die Klangqualität der Aufnahmen erheblich.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Grammophon und Brunswick ja schon geschäftlich verbunden.

Ungefähr zu dem gleichen Zeitpunkt verbesserte sich auch bei der Grammophon der Klang erheblich. 1927 begann man dann die Polyfar Serie einzuführen, auch wurden die Platten erstmals stolz als "elektrisch aufgenommen" vermarktet (Obwohl man damit ja schon im Frühjahr 1925 begann...)

Wann aber genau vollzog sich der Wechsel bei der Grammophon?

Noch Ende 1926 hat man den typischen "Light Ray" Klang
(z.B.Dezember 1926 Nordisk Polyphon X.S.40825/17bn)


Auch im Januar 1927 herrscht dieser Klang vor
Grammophon 19646 (Mx. No.: 110 be)


Doch im Juli 1927 - welch ein Klang!
Bei dieser Aufnahme hört man am Ende übrigens auch erstmals das typische Grammophon "pfeifen"
GRAMMOPHON 21015, Matr. Nr.334-bh



Also - irgendwann zwischen Januar und Juli 1927 wechselte auch die Grammophon die Aufnahmetechnik.

Kann jemand diesen Zeitraum anhand von Musikbeispielen, bzw. Platten genauer eingrenzen?

Es wäre interessant den Zeitraum zu Vergleichen, wann jeweils die Brunswick und wann die Grammophon zu dem besseren Mikrophon wechselte.
Schlug sich dieser Wechsel auch in Matriznummern nieder?
Schließlich musste vermutlich ab diesem Zeitpunkt auch die Grammophon dann an Western Electric Lizenzen abführen für die Nutzung des Mikrophons.

Steht dafür der Vermerk "Mech. Copyright 192X" ?
Ab wann wurde dieses auf Platten verwendet - fällt es Zusammen mit der klanglichen Verbesserung bei den Aufnahmen?




[ Bearbeitet Do Jun 27 2013, 20:16 ]
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Formiggini
Mi Aug 17 2011, 17:42
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Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Der Eingrenzung, wann die Grammophon zum verbesserten Aufnahmesystem wechselte, bin ich nun noch ein Stück näher gekommen.

Diese Platte stammt etwa vom Mai 1927.



Mx. 613bd

Diese ist schon nach dem besseren System aufgenommen.
Auch findet man den Vermerk Polyfar sowie Mech. Copyright 1927

Anscheinend geht der Hinweis Mech. Copyright 192X wirklich einher mit der besseren Aufnahmetechnik, die ja nun zum teil (das Mikrophon) von Western Electric bestand. Steht noch zu klären, ob Mech. Copyright 192X auch zu einer weiteren Lizenzabgabe führte.

Zumindest lässt sich nun der Wechsel vom alten Light Ray Verfahren zum Polyfar System in den Zeitraum von Januar bis Mai 1927 legen.

Auch bei dieser frühen Polyfar Aufnahme hört man in den letzten c. 25 Sekunden das typische Grammophonpfeifen.


Ich habe mir mal den Abschnitt der Aufnahme im Spektrographen meines Audioeditors angeschaut, dieses pfeifen schwankt zwischen 9500 - 10.000Hz, und wird stetig lauter:




[ Bearbeitet Do Jun 27 2013, 20:18 ]
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Musikmeister
Sa Feb 02 2013, 00:19
Autor
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 916
Herold38 schrieb ...



- ab 19564 (September 1926) wurde nur noch elektrisch aufgenommen.




Ist dann die Grammophon 19564 Paul Godwin mit seinem Künstler-Ensemble "Eine Weiße mit ´nem Schuß / Andalusia" die erste 30cm Grammophon-Platte mit dem Vermerk "Mechan.Copt." im Spiegel?

Welche war die erste 25cm-Platte der 20er Serie mit "Mechan.Copt." im Spiegel?

In meiner Sammlung ist zur Eingrenzung dessen folgende Platte die späteste 25cm-Platte mit altem Label (Vollbild bitte klicken):




die früheste 25cm-Platte mit neuem Design und dem "Mechan.Copt."-Vermerk:




und hier noch eine Nachpressung im neuen Design jedoch ohne dem "Mechan.Copt."-Vermerk (14.Stamper):





Vielleicht lässt sich so ja die erste Platte mit dem "Mechan.Copt."-Vermerk ausfindig machen.
Dieser Vermerk steht meiner Meinung nach in direktem Zusammenhang mit dem Depositato-Thema hier im Forum.

Der Grammophon-Hauptkatalog 1927 endete verhältnismässig früh mit Plattenerscheinungen bis spätestens Ende März 1927 und man findet noch keine Hinweise auf das neue Polyfar-Raumton-Verfahren.
Am 05.09.1927 wurden erstmalig mindestens 175.000 neue Grammophon-Plattenhüllen für 25cm- und 30cm-Platten mit Werbung für das neue Polyfar-Raumtonverfahren gedruckt und bis Ende 1927 nochmals mindestens 885.000 weitere Hüllen in Auftrag gegeben.
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Grammophonteam
Do Jun 27 2013, 20:23
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Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2074
Hier der (englische) Artikel der erstmals die Zusammenarbeit der Grammophon mit Brunswick veröffentlichte. Auf welchen rechtlichen Beinen (ab Sommer 1925) die Nutzung des "Light Ray" Verfahrens bei der Grammophon stand, ist noch nicht geklärt.



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Grammophonteam
Di Jul 23 2013, 18:52
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Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2074
Popular Science Monthly, Februar 1926

Dieses System kam vermutlich auch bei der DGAG zum Einsatz





[ Bearbeitet Mo Jan 20 2014, 21:51 ]
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