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Polyfar Aufnahmen & andere Raumtonverfahren (Fernaufnahmen)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Formiggini
Mo Feb 13 2012, 15:19 Druck Ansicht


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Dieses Thema wurde schon an verschiedenen Stellen des Forums angeschnitten, ich möchte dies hier mal als ein Thema zusammenführen.

Mit dem Aufkommen des elektrischen Aufnahmeverfahrens ab 1926 in Deutschland, war man seitens der Plattenfirmen und Studios bemüht den Aufnahmen den Konservenklang zu nehmen, der der Grammophonaufnahme anhaftete.

Die Deutsche Grammophon führte die sog. Polyfar Raumton Aufnahmen ab 1927 ein, bei Lindström u.a. auf Odeon gab es ebenfalls den Raumton auf Odeon Electric Platten.
Homokord glänzte mit sog. Fernaufnahmen, und auch die Ultraphon hatte ab 1929 unter der technischen Leitung von Herbert Grenzebach ein Raumton Verfahren (Ultraphon spiegelt den Ton).

Generell gesprochen handelt es sich bei den ganzen Raumton Aufnahmen um den Versuch die Klangfülle eines Konzertsaales auf Platte zu bannen.
Hierfür wurden die Aufnahmestudios (bzw. die Aufnahmetechnik) aus den kleinen Räumen der Studios in große Säle und Hallen verlegt.
Aufschlussreich ist hierzu dieser kleine Artikel aus einem Odeon Katalog von 1927:







Doch wie wurde dieses Verfahren technisch gelöst?
Ab 1927 führte die Homokord sog. Fern-Aufnahmen im Programm. Häufig wurden hier größere Orchester vor das Mikrophon gebracht. Neben der bekannt schlechten Aufnahmequalität der Homokord gesellt sich hier ein teilweise etwas unangenehmer Hallanteil zum Klangbild.





Diese Platten hören sich wirklich so an, als ob sie aus der Ferne aufgenommen wurden, also das Mikrophon ein ganzes Stück weg vom Orchester platziert wurde, um so möglichst viel Hallanteil mit aufzunehmen.
Im Englischen wird Fern mit Far übersetzt. Dies bringt uns zu dem Polyfar Verfahren der Deutschen Grammophon, und zu der Frage ob bei den Raumtonaufnahmen bereits in den zwanziger Jahren mehrere Mikrophone verwendet wurden.

Im Frühjahr 1927 wurde das bisherige elektrische Verfahren Light Ray bei der Grammophon durch das klanglich wesentlich bessere "Polyfar" System ersetzt (Siehe dazu auch diesen thread Frühe elektrische Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon Link - Hier klicken )
Eine frühe Polyfar Aufnahme datiert c. vom Mai 1927, noch im Januar 1927 wurde nach dem älteren System aufgenommen.
Sowohl auf Hüllen wurde mit dem neuen Verfahren geworben,






Als auch auf dem Exportlabel "Polydor" taucht nun das "Trichter-Männchen" auf







Poly-Far ließe sich zerlegen in das lateinische "Viel(fach)" für Poly und das englische "Fern" für Far.
Sinngemäß also "Mehrfach/Vielfach (aus der) Ferne". Ein Hinweis für mehrere Mikrophone?
Auch das Polydor Männchen könnte darauf hinweisen.





Die beiden "Trichter" am Mund könnten auch zwei stilisierte Mikrophone darstellen.
Leider finden sich bis jetzt keine alten Patentschriften die diese Vermutung bestätigen. Hat jemand noch Hinweise zu dem Einsatz von zwei oder sogar mehreren Mikrophonen bei der Grammophon, bzw. hat jemand Bilder aus den Aufnahmestudios der Deutschen Grammophon die mehrere Mikrophone zeigen?

Auch gibt es im Internet Hinweise darauf, das bei der Ultraphon ab 1929 mindestens zwei Mikrophone zum Einsatz kamen , z.B. Link - Hier klicken –
In addition the Ultraphon engineers employed a recording technique called 'Raumton', in which large halls were used for recording with microphones placed at the back to pick up a sense of the room's acoustic.

Dem Sinne nach also das erste Mikrophon vor dem Orchester/Sänger für den "direkten" Klang, und ein weiteres weiter entfernt für eben wieder Hallanteile. Dieses Verfahren soll von Herbert Grenzebach entwickelt worden sein, der später auch technischer Leiter bei der Telefunken Platte war.

Finden sich hierfür Primär-quellen?


[ Bearbeitet Di Sep 02 2014, 11:49 ]
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gramofan
Mo Feb 13 2012, 18:13
Dabei seit: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Einträge: 935
Könnte es vielleicht schlicht sein, dass man mit dem hochtrabenden "Raumton" bzw. "Polyfar"-Namen vor allem versucht hat dem zahlenden Publikum eine besondre Qualität/Vorsprung vorzumachen, ohne dass es dafür eine reale technische Grundlage gab? Dazu würde es immerhin passen, dass man dazu so wenig Konkretes erfährt und die Ankündigungen zwar vielversprechend sind, aber letztlich keinen greifbaren Kern haben. Nur mal so als Analogie zu heutigen Verkaufstrategien gedacht... Aber ich lasse mich gern belehren.
Was die Homocord Fernaufnahme anlangt, denke ich, heißt das eher, dass die Musikdarbietung räumlich weit entfernt vom Schneidevorgang stattfand, z.B. in einer Konzerthalle und die Signale z.B. über Telefonleitung übertragen wurden. So hat man es jedenfalls bei Electrola Ende der 20er Jahre öfters gemacht. Müsste mal auf die Such gehen, im Lotz sind solche Fälle nach m.E. verzeichnet.
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Formiggini
Mo Feb 13 2012, 18:49


Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Zumindest bei der Grammophon gab es einen deutlichen Sprung in der Qualität der Aufnahmen ab Frühjahr 1927 als Polyfar vermarktet wurde. Von vormals kaum oder nur teils schlecht von akustisch aufgenommenen zu unterscheiden, war die Klangqualität der Polyfar Aufnahmen ab 1927 wirklich herausragend.
Dies lag aber auch an der Umstellung des etwas seltsamen "Light Ray" Mikrophons mit einem Spiegel auf ein richtiges Mikro.

Der Ansatz das bei den "Fernaufnahmen" via einer Telefonleitung übertragen wurde, klingt interessant! Schön wenn sich dazu noch etwas finden würde.

Die Electrola nutzte ja häufig den Beethoven Saal für qualitativ sehr hochwertige Aufnahmen wegen der Akustik des Raumes. Dies ist ja oft auch auf den Platten vermerkt.

Auch bei vielen Aufnahmen der Odeon um 1928/29 hört man häufig (teilweise schon zu viel) Hallanteile. Dies verschwand jedoch Ende 1930 wieder. Auch haben diese Odeonaufnahmen teilweise erstaunlich wenig Bass.
Irgendwas haben sie wohl gemacht...



[ Bearbeitet Di Jan 27 2015, 09:09 ]
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Grammophonteam
Fr Sep 07 2012, 14:57
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2090
In einem (pdf) Beitrag von Claus Peter Gallenmiller für die IASA findet sich ein sehr interessantes Photo des Dajos Bela Orchesters in den Lindström Studios 1929.
Deutlich lassen sich zwei Mikrophone erkennen, eines direkt vor dem geigenden Orchesterleiter Bela. Das andere an einem Art Kran über dem Orchester.

Zur Vollansicht Bild anklicken



Bildquelle: IASA-Ländergruppe Deutschland/Deutschschweiz e. V., Bericht Das Entstehen einer „historischen Schallplatte“–live! von Claus Peter Gallenmiller Link - Hier klicken


Mit dem zweiten Mikrophon wurden wohl die Hallanteile aufgenommen. Interessant wäre noch, ob das Signal der beiden Mikrophone direkt in den Verstärker gingen, oder ob man die beiden Signale schon mischen konnte um den Hallanteil bei der Aufnahme zu beeinflussen.

Ebenfalls aus diesem Bericht das Bild einer Aufnahme des Orchesters Bruno Seidler-Winkler im Studio in der Berliner Singakademie (Telefunken).
Gut kann man erkennen das die Akustik des Saal mit mindestens zwei Mikrophonen aufgenommen wurde.




Bildquelle: IASA-Ländergruppe Deutschland/Deutschschweiz e. V., Bericht Das Entstehen einer „historischen Schallplatte“–live! von Claus Peter Gallenmiller Link - Hier klicken


[ Bearbeitet Fr Sep 07 2012, 15:08 ]
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Musikmeister
Fr Sep 07 2012, 17:29
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Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Einträge: 961
Grammophonteam schrieb ...



Mit dem zweiten Mikrophon wurden wohl die Hallanteile aufgenommen. Interessant wäre noch, ob das Signal der beiden Mikrophone direkt in den Verstärker gingen, oder ob man die beiden Signale schon mischen konnte um den Hallanteil bei der Aufnahme zu beeinflussen.


Bericht aus den 30er Jahren:
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Grammophonteam
Mi Nov 28 2012, 20:52
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Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2090
Und hier der akustische "Beweis" für diese frühe Mischtechnik bei Schellackplatten:

Es war einmal ein Musikus



Bei dieser Aufnahme Ende 1932 spricht Paul O´Montis nochmal kurz "zwischen" dem Xylophon Solo

.


Wie das obige Photo des Bela Orchesters im Lindström Studio zeigt, arbeitete man bereits 1929 mit zwei Mikrofonen - so wohl auch bei dieser Aufnahme.
Deutlich hört man jedoch, wie das Mikrofon des Sängers kurz "hoch gezogen" wird, um das Xylophon in den Hintergrund treten zu lassen. Auch treten die Hallanteile des Xylophon´s stärker hervor wenn beide Mikrofone wieder den zu vorigen Pegel haben.

Grüße
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Willi-H-411
Mi Nov 28 2012, 21:20
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Wohnort: Ruhrpott
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Die zwei Mikrofone sind noch kein Beweis dafür, daß mit dem einen die Hallanteile aufgenommen werden sollten. Ich hatte in einem Buch aus den 50er Jahren mal gelesen, daß ein Mikrofon für das Orchester gedacht war und das andere für den Solisten (Musiker oder Sänger). Ich suche das Buch mal raus und stelle den Scan hier ein.

VG Willi
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Grammophonteam
Mi Nov 28 2012, 22:01
Seitenbetreiber

Dabei seit: So Sep 04 2011, 14:54
Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
Einträge: 2090
Nein, natürlich nicht :)

Das eine Mikrofon diente dazu den Sänger oder Solisten aufzunehmen - das andere um das gesamte Klangbild des Orchesters aufzunehmen. Wie du ja selber schreibst. Dies war auch schon in den zwanziger Jahren so.
Als "Nebeneffekt" konnte man aber auch Hallanteile aufnehmen.

Vor allem bei der Odeon/Lindström nutzte man Ende der zwanziger Jahre schon bewusst diesen Nebeneffekt. Dieses experimentieren mit Raumton bzw. Hallanteilen ist ja nicht nur auf vielen Platten Ende der zwanziger Jahre zu hören - sondern wurde ja auch schon beworben.




Interessant bei der Musikus ist ja aus technischer Sicht das bereits 1932 die verschiedenen Mikrofone einzeln ab geregelt wurden um bestimmte Effekte zu erzielen.

Viele Grüße
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berauscht
Mo Jan 28 2013, 12:44
"Urgestein" Autor/Moderator

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Rundfunkonkel
Fr Feb 01 2013, 07:16
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Einträge: 1085
Also ich höre schon teilweise deutliche Unterschiede der einzelnen Marken zueinander, Ultraphon/Telefunken klingt in meinen Ohren meist etwas besser als die anderen Mitbewerber. Schade finde ich, dass selbst nach der Übernahme der DGG durch Telefunken dieser Unterschied in den Enddreissigern noch bestehen blieb. Aber es gibt genug Ausweichler in der Qualität in beide Richtungen, bei allen Marken :).
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Grammophonteam
Fr Feb 01 2013, 10:18
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Wohnort: In den tiefen des Netzes ;)
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Hier drei Detail Ansichten von Aufnahmesitzungen mit zwei Mikrofonen

Lindström Studio 1929




Telefunken, 30er Jahre






Abschrift aus dem von Musikmeister gezeigten Bericht aus den 30er Jahren:

Wie spielt sich der technische Vorgang der Aufnahme ab?
Die Mikrophone(!) verwandeln die vom Orchester erzeugten Schallwellen in elektrische Wellen,
die in das Kellergeschoß geleitet werden, wo in schalldichten Gewölben die Tonführung, die Überwachung
und die eigentliche Aufnahme, der "Schnitt" stattfinden.
Hier sitzt zunächst der Tonmeister am Mischpult. Mit seinen exakten Steuer- und Verstärkergeräten
sorgt er für gleichmäßige Aussteuerung.


Aus einem Heft der DGG, ebenfalls 30er Jahre Link - Hier klicken :

...Die Musik setzt ein, es beginnt die eigentliche Aufnahme, bei der den Mikrophonen die wichtige Aufgabe zufällt die Töne einzufangen...

Grüße

[ Bearbeitet Fr Feb 01 2013, 10:35 ]
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Grammophonteam
Fr Feb 01 2013, 11:32
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Aus einem Patent (DE 000000483343 A) von Heinrich Küchenmeister, Ultraphon, Dezember 1926:

Anordnung zur Schallaufzeichnung
Es sind bereits Vorrichtungen dieser Art bekannt, bei denen die Impulse verschiedener Schallaufnehmer, die gegebenenfalls mit voneinander
unabhängigen Verstärkungs- und Regelungseinrichtungen versehen sein können, auf eine gemeinsame Einrichtung übertragen werden, die
beispielsweise mittels eines einzigen Elektromagneten sämtliche Schallimpulse gemeinsam aufzeichnet. Da der gemeinsame Elektromagnet
zusammen mit der Membran eine bestimmte Eigenschwingung hat, bevorzugt er bei diesen bekannten Einrichtungen Töne, die in der Nähe seiner
Resonanzlage -liegen. Die Erfindung bezweckt, dies dadurch zu vermeiden, daß der Schallaufzeichner mehrere Steuerglieder hat, von denen jedes mit
einem oder mehreren Schallempfängern mittelbar oder unmittelbar verbunden ist....

...Durch den Erfindungsgegenstand wird also die Möglichkeit geschaffen, nach Belieben, beispielsweise bei Aufnahme eines großen
Orchesters, die Wirkung einer Klanggruppe, z. B. der Violinen, der Bläser, des Schlagzeuges usw., am Aufzeichnungsglied getrennt zu erfassen. Um
Eigenschwingungen des Aufzeichnungsgliedes zu vermeiden, sieht die Erfindung ferner noch eine reibungsfreie Dämpfung für dieses vor.
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berauscht
Sa Feb 02 2013, 20:49
"Urgestein" Autor/Moderator

Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1493
Hier ein Bild einer Tri-Ergon-Aufnahmesitzung mit Franz Léhar aus dem Jahr 1931.
Im Bild sind drei Mikrophone zu sehen.
1. Streicher
2. Vokalist (Karl Jöcken)
3. Restliches Orchester
möglicherweise noch ein viertes außerhalb des linken Bildrandes.




Das Orchester des Metropoltheaters spielt grade "Schön ist die Welt"

[ Bearbeitet Sa Feb 02 2013, 20:52 ]
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Grammophonteam
Di Jan 27 2015, 14:11
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Aus dem Artikel ( Link - Hier klicken ) weiter oben:



1927 wurde der Blüthnersaal in Bach-Saal (Lützowstraße 76) umbenannt. Neben der Grammophon nutzte auch die Homocord weiterhin den Saal für ihre Fernaufnahmen. Einspielungen fanden aber auch im Freien statt.





März 1927







[ Bearbeitet Di Jan 27 2015, 14:34 ]
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