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47000er Bestellnummern der Deutschen Grammophon
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Gast
Mi Jun 26 2013, 17:49 Druck Ansicht
Gast
Euch ist sicher auch schon das Polydor -Eportetikett aus den Kriegsjahren begegnet mit "TANZORCHSTER, Gesang Horst Winter " mit dem Titel "Sing, Nachtigall, Sing"

Diese Aufnahme ist die reguläre Tempoaufnahme mit Bernhard Ette, Gesang Erich Bergau..

Die Rückseite der Platte "Laß' Dein Herz bei mir zurück",hier aber die richtige Angabe: Tanzorchester, Gesang Horst Winter.

Nun tauchte eine weitere Platte aus dieser sehr seltsamen Reihe auf.









Matrizennummer ST 1884 "Manina"
Matrizennummer ST 1885 "Bleib immer bei mir"

Die Seite "Ich such in jeder Frau Manina" ist die Tempoaufnahme mit den Melodios, auch wenn uns das Polydoretikett "Horst Winter" verkaufen möchte..
Auf der Rückseite ist die Tempoaufnahme "Bleib immer bei mir" richtig angegeben.

Folgende Fragen stellen sich:

Warum erschienen diese Tempoaufnahmen überhaupt auf der Konkurrenzmarke Polydor (Deutsche Grammophon) ?

Warum sind die Titel geradezu stupide gleichbleibend auf Polydor mit "Tanzorchester mit Gesang: Horst Winter" etikettiert - egal ob Ette spielt, oder die Melodios singen ?

Wer kann diese seltsame Episode etwas erhellen ?

Gruß, Nils

[ Bearbeitet Do Sep 25 2014, 15:36 ]
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Rundfunkonkel
Mi Jun 26 2013, 18:35
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1112
Es handelt sich nicht etwa um direkt nach dem Krieg gepresste Platten? Die Nummer 47xxx lässt mich so etwas vermuten (habe sonst keine Unterlagen).
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Gast
Mi Jun 26 2013, 18:48
Gast
Hallo RFO,

das kann ich jetzt gar nicht mal sagen.
Bliebe aber trotzdem der seltsame Umstand. daß reguläre Tempomatrizen samt den Tempomatr.-Nr verwendet wurden.

Polydor hat nur ein "ST" vor die Matr.Nr gesetzt (für Stahmann).

Irgendwo ist zu lesen, daß die Grammophon in unmittelbarer Nachkriegszeit einen Vertrag mit Stahmann schließen wollte, um größere Zahlen von Lohnpressungen bei Stahmann zu bestellen.
Das sollten aber sicher keine Tempoaufnahmen sein und das Geschäft kam auch durch die Wirren der Zeit nicht zustande.

Diese Polydorplatten bleiben ein Rätsel...

Gruß, Nils




[ Bearbeitet Mi Jun 26 2013, 18:49 ]
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gramofan
Mi Jun 26 2013, 19:05
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1162
Weitere Frage:

Von Horst Winter habe ich eine Nachkriegs-Polydor:
Laß Dein Herz bei mir zurück Mx. ST 1919, Po 47936/
Sing', Nachtigall sing' Mx. ST 1825, Po 47936

Während "Laß Dein Herz..." auch auf Tempo vorliegt (Tp 5146 verkoppelt mit "Studie in F"), habe ich "Sing', Nachtigall sing' " noch nie auf Tempo gesehen. Ist diese Aufnahme überhaupt auf Tempo erschienen?

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Gast
Mi Jun 26 2013, 19:18
Gast
Hallo Martin,

ja, guck' mal, ganz oben in meinem Beitrag ist Deine Platte erwähnt.

Die Nachtigall ist Tempo Matr. 1825 , Bernhard Ette, Gesang Erich Bergau.


Wie sieht Dein Etikett genau aus ?

Gruß, Nils
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Musikmeister
Mi Jun 26 2013, 19:42
Autor
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1078
Zumindest theoretisch gab es einen Vertrag zwischen Grammophon-Berlin und Otto Stahmann Junior ab September 1945 für die Dauer von 6 Monaten mit einer monatlichen Produktion von mindestens 10.000 Platten für Grammophon von Tempo hergestellt. Nachdem aber Grammophon-Hannover mit dem flüchtigen Otto Stahmann Senior in Bad Pyrmont über Siemens zusammenarbeitete, kam wohl dbzgl. nichts zustande. Ausserdem fehlten ja entsprechende Lizenzen. Das Etikett von Nils ist ja noch eines aus Kriegszeiten, womit Grammophon sogar Platten für die Wlassow-Armee aus russischen Kriegsgefangenen herstellte.
Grammophon-Hannover konnte zu dieser Zeit selbst hergestellte Platten nur an das Britische Militär verkaufen, der freie Verkauf an die Zivilbevölkerung war noch verboten.
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Gast
Mi Jun 26 2013, 19:57
Gast
Ja, Lars, es scheint ein sehrspätes Kriegsexemplar zu sein.

Eine der letzten Aufnahmen im Krieg war Fritz Stahmer "Ich warte auf Dich" aufgenommen Januar o. Februar 1945. Sie hat die Bestellnummer 47940.

Bestellnummer 47960 ist wohl schon Nachkrieg: RBT-Orchster / Jary, "Du bist heut' schlecht rasiert".

Die Polydors mit den Tempoaufnahmen bleiben rätselhaft.

Gruß, Nils
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gramofan
Mi Jun 26 2013, 20:05
⇒ Mitglied seit ⇐: Sa Okt 01 2011, 20:32
Wohnort: bei Berlin
Beiträge: 1162
'Tschuldigung, hätt' ich eigentlich selber merken müssen. Habe die beiden Nachtigallen gerade mal verglichen und es ist wirklich die Ette-Fassung und dass da nicht Horst Winter singt, ist unüberhörbar. *puh
Nachfolgend noch die Labels. Die Polydor-Platte war (früher), jedenfalls im Rheinland, relativ häufig, während die Tempo mit Winter eigentlich so gut wie nie aufgetaucht ist.






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Gast
Mi Jun 26 2013, 20:23
Gast
Danke, Martin !

Die Platte liegt auch auf altem, roten Polydor Kriegsetikett vor. (ich finde sie nur nicht..)

Hat Stahmann vielleicht aus irgendwelchen Gründen an Polydor/Deutsche Grammophon kurz vor dem Zusammenbruch im Mai Matrizen verkauft, oder gar diese Pressungen für Polydor gemacht ?

Hängt es damit zusammen, daß die Grammophon Berlin ja von Hannover schon abgeschnitten war ? Am 10.4.45 wurde Hannover offiziell vom den Amis besetzt.

In Berlin war der Krieg noch nicht vorbei. Sind diese seltsamen Polydorplatten ein letzter Versuch der Grammophon Berlin, eine Normalität aufrecht zu halten ?

Gruß, Nils


[ Bearbeitet Mi Jun 26 2013, 20:26 ]
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Rundfunkonkel
Mi Jun 26 2013, 20:27
⇒ Mitglied seit ⇐: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Beiträge: 1112
Bei meiner Vermutung dachte ich an die Zeit, in der auch diese Etiketten erschienen:



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Musikmeister
Mi Jun 26 2013, 20:29
Autor
⇒ Mitglied seit ⇐: So Aug 21 2011, 21:23
Wohnort: Hamburg
Beiträge: 1078
@Nils: da habe ich eine Buchempfehlung, das Tempo-Rätsel wird da zwar nicht gelüftet, aber sonst wirklich viele Infos, vor allem auch aus der unmittelbaren Nachkriegszeit:

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Odeon89
Mi Jun 26 2013, 22:08
⇒ Mitglied seit ⇐: Di Mär 22 2011, 12:19
Beiträge: 338
Hallo Rundfunkonkel,

bei Deiner Platte müßte es sich noch um eine Pressung aus Kriegszeiten handeln, die erst nach dem Krieg in den Handel kam und daher mit dem Lizenzzettel beklebt werden mußte. Soweit ich weiß, wurde die hier zu sehende Schrift (sogenannte "Serifenschrift") nur bis 1945 verwendet.

Beste Grüße,
Kai
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jitterbug
Fr Jun 28 2013, 11:02
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Beiträge: 405
Hallo Gast und Label-Forscher,

danke für Dein Vertrauen in meine potentielle Fachkompetenz. Doch hierzu ist schon vieles gesagt, was stimmen mag. Es sind mir leider keine schriftlichen Originaldokumente bekannt, die dieses Rätsel weiter lösen könnten. So kann man tatsächlich nur aus Beobachtungen und Erfahrungen Rückschlüsse ziehen.

Es sind bekanntermaßen bis in den Februar 1945 Unterhaltungsmusikaufnahmen gemacht worden, die auf diesem Polydor-Etikett erschienen sind. Nicht immer ist klar, ob es sich dabei um Kriegsproduktionen handelt, oder ob nicht nach dem Krieg noch "Restetiketten" für die Alliierten (in diesem Falle - Hannover - die Briten) verwendet wurden.

So gibt es auf jenem Etikett eindeutige Nachkriegsaufnahmen (wie das RBT-Orchester unter MICHAEL JARY).

Allerdings gibt es auch die FRITZ STAMER-Platte 47961 sowohl auf diesem Etikett als auch als Siemens Polydor-Pressung. Die hier abgebildete 47938 liegt nun offensichtlich etliche Nummern darunter, so dass man mutmaßen könnte, dass die bereits während des Krieges konzipiert war.

Die höchste Nummer in meiner Sammlung, die ich auch mit Aufkleber der Nachrichtenkontrolle besitze und die somit eine Kriegspressung (Restbestand) sein muss, ist Ende 1944 aufgenommen: WOLF LOREY Orchester mit der Nummer 47914. Sie liegt ja nun einige Nummern unter den vermeintlichen HORST WINTER Platten.



Worüber TEDDY KLEINDIN und PRIMO ANGELI im Frühjahr 2002 mit mir diskutierten, war das Wunder, dass OTTO STAHMANN sen. mitten im Krieg Schellack auftreiben konnte und so als reine Privatfirma weiter produzieren konnte. Während die großen Konzerne wie Lindström und Telefunken/Grammophon unter Kontingierung litten und die Produktion stark eingeschränkt war, hat die Tempo permanent im 5. Kriegsjahr neue Produktionen auf den Markt gebracht, wovon auch die Berliner Musiker durch Beschäftigung (Freistellungen vom Militär) profitierten.

Auch hat die Deutsche Grammophon wohl Lizenzpressungen bei Tempo herstellen lassen wollen, ob es dazu noch kam, ist mir nicht bekannt. Zumindest ist bekannt, dass die Reichsrundfunkgesellschaft noch im Frühjahr 1945 bei der Tempo Lohnpressungen anfertigen ließ.

Erst nach dem Krieg (schon im Sommer 1945) wurde für Radiophon-Pressungen eine Kooperation beider Firmen nötig, da sowohl die alte Tempo als auch ab September 1946 die neue Lied der Zeit GmbH stark von der Sowjetischen Kontrolle kontingiert wurde.

So waren natürlich Kontakte zwischen beiden Firmen vorhanden, eventuell wollte man ja auch im Katalog der Deutschen Grammophon etwas Neues anbieten, ohne eigene Aufnahmen rechtfertigen zu müssen.

Interessanterweise gibt es bei Brunswick-Pressungen mit Nachkriegsaufnahmen Belegungen von Nummern, die eigentlich bereits 1943 einzureihen wären. Mutmaßlich wurden damit bereits vergebene Nummern (STAN BRENDERS, JEAN OMER), die aber unveröffentlicht blieben, belegt.

So tut es mir leid, nicht der Weisheit letzten Schluss hier beisteuern zu können. Aber vielleicht können ja meine Beobachtungen weiter ausgeführt werden.

Beste Grüße aus Berlin, Stephan
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livschakoff
Fr Jun 28 2013, 13:22
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Feb 21 2013, 13:55
Beiträge: 83
Besagte Lorey-Platte besitze ich auch, allerdings ohne den Aufkleber, was aber nicht viel bedeuten mag.
Immerhin existiert aber auch Po 47942 (Gerti Landmann: Unter der roten Laterne von St. Pauli /Ti- pi -tin) mit demselben braunen Polydoretikett wie Po 47914, und das sind ja eindeutig Nachkriegsaufnahmen, so daß also gesichert ist, daß die Braunetikett-Polydor-Etiketten auch nach dem Krieg noch vereinzelt verwendet worden sind und dann direkt mit dem Lizenzetikett versehen wurden (oder auch nicht).
Somit ist also nicht gesichert, daß Po 47914 auch noch im Krieg gepreßt worden ist.
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joha
Fr Jun 28 2013, 13:26
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Beiträge: 985
Hallo Zusammen,
Vieleicht ist es richtig den 47000 Block mal in einer Abfolge aufzulisten,da ich auch einige aus dem Block habe mit unterschiedlichen Label,vieleicht bringt uns das weiter.
Die letzte hohe Nummer bei mir auf Polydor 47943 Gitarren Serenade-
Gino Bordin Deposit 1943 weiter ging der Block 1946 letzte hohe bei mir 47997 Polydor NK Gelb Choo,choo ch´Boogie- Heinz Both Gesang Hans Bardeleben,
Die Kriegswirren bei den Firmen etwas zu lüften und vieleicht die Unklarheiten ,Wer mit Wem und Warum und was ist tatsächlich erschienen und was wurde weggelassen . Ich glaub der Schlüssel liegt in diesem Block.
Gruss joha
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livschakoff
Fr Jun 28 2013, 14:07
⇒ Mitglied seit ⇐: Do Feb 21 2013, 13:55
Beiträge: 83
Ich weiß nicht, ob sich diese Mühe lohnt: unter rein diskographisch-lexikalischem Aspekt wohl schon, weil viele einfach neugierig sind, was nun alles von 47000 bis 47999 veröffentlicht worden ist (von Wilhelm Kempff bis James Kok ist da wirklich alles dabei); meines Erachtens sind die Nummern von 47900 bis 47960 interessant.
Für die Autopsie der Aufnahmen sind aber selbstverständlich die Matrizennummern wichtiger, denn diese geben genauer Aufschluß über den Aufnahmezeitpunkt.
Die Vergabe der Bestellnummern darf man hingegen nicht als genau chronologisch betrachten; so wurde beispielsweise mit PO 47969 eine Kriegsaufnahme mit einer Nachkriegsaufnahme gekoppelt, weil der zweite Titel der Kriegsplatte nicht mehr zeitgemäß war.
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joha
Fr Jun 28 2013, 15:02
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Beiträge: 985
@livschakoff,nun diese gekoppelten Platten waren ja auch auf Sternchen Polydor zu finden dort wurde ja auch die Vorkriegsnummer mit der nach Nk gekoppelt,da die Polydor Platten so viele verschiedene Label aufweisen und da kaum eine Ordnung reinzubringen ist ,mus man sich ja theorätisch nach den Blocknummer erst mal richten denn vieles andere ist ja unklar, was vorliegt kann man ja erfassen,egal ob es nun Polydor /Siemens/rotbraun oder gelb/sternchen/grün/war, es wird nur einige Zeit brauchen alles zusammenzufinden,die Lücken tauchen ja erst auf, wenn man keine Platte nachweisen kann die passt.
Gruss Joha
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jitterbug
Fr Jun 28 2013, 15:29
⇒ Mitglied seit ⇐: Mi Mär 27 2013, 16:49
Wohnort: Berlin
Beiträge: 405
@ joha: Nun denn, wer sich berufen fühlt, eine Auflistung zusammenzustellen verdient sich sofort damit große Anerkennung! Wenn ich etwas dazu beisteuern kann, sehr gerne...

Nur habe ich selber nie die ganzen Platten von WILLY SCHNEIDER, RUDI SCHURICKE und ROLF SCHANZ u. ä. Interpreten, geschweige denn Marschmusik aus diesen hohen Bestellnummern der 47000er Serie gesammelt. Allerdings habe ich ein paar eigentümliche Platten passend in dieses Thema:

Eine eindeutige Nachkriegsveröffentlichung ist die unten gezeigte DOLF-BRANDMEYER-Platte mit Aufnahmen von 1942/1943, ebenso die ISKA-GERI-Platte, die im April 1944 aufgenommen wurde.

Die Art des Etiketts wurde allerdings in ähnlicher Form bereits im Sommer 1943 für den Export nach Skandinavien als Siemens Polydor verwendet, ähnlich wie die Wehrmachts-Eigentum-Pressungen der Siemens Polydor auf hellbraunem Etikett.

@ livschakoff:
...so daß also gesichert ist, daß die Braunetikett-Polydor-Etiketten auch nach dem Krieg noch vereinzelt verwendet worden sind und dann direkt mit dem Lizenzetikett versehen wurden (oder auch nicht).

Dass das braune Polydor-Etikett auch nach dem Krieg noch zum Einsatz kam, ist unstrittig (siehe meinen Verweis auf RBT-Aufnahmen, Übernahmen von Radiophon). Es wurden aber (mit größter Wahrscheinlichkeit) nur Kriegs-Lagerbestände mit dem Lizenz-Überkleber versehen. Alles andere wäre unlogisch: Bei eindeutigen Nachkriegsetiketten ist die Lizenz direkt mit aufgedruckt, bei Polydor- und Brunswick-Platten für die Alliierten ist gar kein Aufkleber angebracht.

Mein Exemplar der LOREY-Platte stammt aus einem zeitgenössischen, im Jahre 2005 noch ungeöffneten Versandkarton an ein Geschäft in Treuenbrietzen (!). In dem Paket befanden sich insgesamt 20 Platten, darunter zwei STAN-BRENDERS-Platten auf brauner Brunswick, das Ufa-Orchester WILHELM GREISS auf Siemens-Polydor mit gestempelter Lizenz. Die Platten steckten durchweg in neutralen aus grobkörnigem Papier hergestellten Hüllen, allesamt mit einer nachträglichen Lizenz versehen.

Auch die braunen Brunswick-Platten sind mitnichten Nachkriegspressungen: Die Etikettfarbe wurde bereits mit der 86000er Export-Serie in den Mittdreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts eingeführt. Sie war bei der tschechischen Produktion von Polydor-Platten in den 30er/40er Jahren üblich. Das untere Etikett der LUTZ-TEMPLIN-Platte ("Wehrmachts-Eigentum") zeigt genau den Farbton.

Häufig genug trifft man heute noch auf schwarze Brunswick-Platten der Vorkriegs- und Kriegsproduktion (Lagerbestände) mit amerikanischen und britischen Aufnahmen wie AMBROSE, COUNT BASIE, STÉPHANE GRAPPELLY, BOB CROSBY, LOUIS ARMSTRONG oder den ANDREWS SISTERS, die dann nachträglich mit einem Lizenzaufkleber versehen wurden.

Eben solche Erklärungen hat der vor etlichen Jahren verstorbenen EBERHARD GANSCHOW bereits erarbeitet. Bei zahllosen Interviews zu Verkauf und Lizensierungen in der Kriegszeit und frühen Nachkriegszeit wurden sie von Frau Sullus (Chefverkäuferin bei "Televox"/nach dem Krieg Inhaberin des "Electrola Musikhaus") und Hajo Lichtenfels ("Televox"/"Telefunken") entsprechend bestätigt.


DOLF BRANDMEYER mit kleinem Orchester, Dezember 1942

DOLF BRANDMEYER mit kleinem Orchester, März 1943

ISKA GERI, an zwei Flügeln: WOLFGANG PRIDÖHL und WALTER BARISCH, April 1944



LILIAN ELLIS, TEDDY PETERSEN, Juni 1943




LUTZ TEMPLIN Tanz-Orchester, März 1943



BRUNSWICK-Platten aus der Produktion vor 1942 mit nachträglichen Lizenzaufklebern


[ Bearbeitet Fr Jun 28 2013, 15:32 ]
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joha
Fr Jun 28 2013, 19:42
⇒ Mitglied seit ⇐: Mo Mär 26 2012, 15:45
Wohnort: Dresden/Sachsen
Beiträge: 985




Hallo Zusammen,
so könnte eine Liste aussehen,es ist nur ein Vorschlag der dann von allen Willigen mit ergänzt werden kann, dass,Label müsste dann verlinkt werden.

Vieleicht bekommen wir es zusammen.
Was meint Ihr oder unsere Admins das Grammoteam.
Gruss joha
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