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Foren > Schellackplatten > Digitalisierung und Klangrestaurierung
Klangqualität digitalisierter Lieder enttäuschend
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Malte
Sa Jun 27 2020, 21:01 Druck Ansicht
Dabei seit: So Feb 17 2013, 19:48
Einträge: 50
Hallo,

sammle jetzt über 10 Jahre Schellack. In den letzten Jahren ist das Hobby etwas "eingeschlafen", komme deshalb auch erst jetzt mit meinem Problem.

Ich habe bis heute kein einziges Lied digitalisiert und (dauerhaft) archiviert, weil mir die Klangqualität zu schlecht war!

Habe damals etwas überstürzt und ohne Vorkenntnisse begonnen. Plattenspieler Pro-Ject Debut III Phono SB mit Ortofon Stylus 78 und integriertem Phono-Vorverstärker gekauft. Den gab es später mit USB-Anschluss.

Windows-Pc mit onboard-Klang und das bequeme Programm von MAGIX Audio cleaning lab.

Der Klang hat kein Volumen, keinen Bass ...

Taugt das System nichts oder liegt's an der onboard-Klanglösung?

Was meint ihr?

MfG


[ Bearbeitet Sa Jun 27 2020, 21:27 ]
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HMV163
Sa Jun 27 2020, 22:31
Dabei seit: Di Dez 22 2015, 23:38
Wohnort: 55283 Nierstein
Einträge: 27
Hallo Malte,

meiner Erfahrung der letzten 10 Jahre mit Plattenspielern und Audiosoftware nach ist sicher das Orofonsystem nicht die Qurlle des Übels. Ich tippe auf die bescheidene Magix Software, mit der man sicher einige Vinyl-Knackser entfernen kann, sicher aber nicht die individuellen Eigenschaften von Schellackplatten, deren unterschiedliche Frequenzgänge und Rauschen je nach Abnutzungsgrad. Der chinesische Billig-Vorverstärker im USB-Plattenspieler trägt wohl auch seinen Anteil bei.

Verwendet man die Standard-Filterfunktionen von Audiosoftware, erhält man meist ein dumpf klingendes Ergebnis, da das Entfernen von Rauschen auch immer das Entfernen höherfrequenter Anteile der eigentlichen Aufnahme bedeutet. Hier ist immer ein Kompromiss oder stundenlange Arbeit mit individuellen Einstellungen für unterschiedliche Passagen der Aufnahme notwendig, und sicher eine andere Software als Magix.

Die Onboard Soundkarte mit 44,1 oder gar 48kHz Abtastrate ist in der Regel nicht das Problem und sorgt üblicherweise auch nicht für Veränderungen des Signals bei der Aufnahme.

Gruss, Michael
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Rundfunkonkel
Sa Jun 27 2020, 23:07
Dabei seit: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Einträge: 1114
Hallo,

es hilft die wichtigsten Unterschiede zur Vinylplatte zu kennen, um diese beim Abspielen eben anzupassen. Schneidkennlinien, Auflagekraft, Nadelwinkel, Nadelfehlstellung bei nicht tangential geführten Tonarmen sind ein paar Beispiele. Wie weit man es treiben möchte entscheidet das Ohr, das Geschick, und bei Neukauf statt Basteln der Geldbeutel. Zum Thema gibt es, meiner Erinnerung nach, aber mindestens schon einen Artikel aus der Frühzeit des Forums.

Nachtrag:

Link - Hier klicken

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Bei Fragen bin ich gern behilflich, da ich mich seinerzeit massiv mit diesen Themen auseinandergesetzt habe.


[ Bearbeitet Sa Jun 27 2020, 23:21 ]
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veritas
Mi Jul 01 2020, 19:09
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 511
Moin!

Grundsätzlich kommt man mit einer simplen RIAA-Entzerrung sehr weit und kann später oder on-the-fly mit einem Equalizer korrigieren.

Zunächst macht es einmal Sinn zu klären, wie hier kein Baß vorhanden sein kann: Von welchem Schellack-Zeitalter sprechen wir hier eigentlich? 1890er, 1910er, 20er, 30er, 40er oder 50er? Und was für einen Nadelträger mit welcher Verrundung verwendest Du denn?

Bei den on-Board-Soundkarten handelt es sich meistens um einen der verbreiteten RealTeak-Chipsätze, die wirklich besser als ihr Ruf und für den ohnehin niedrigen Rauschabstand bei Schellacks allemal gut genug sind. Allerdings frage ich mich: Hat die überhaupt noch einen dedizierten Eingang für Line-In? Viele davon, gerade bei Notebooks, haben nur noch einen für Mikrofon, der da nicht wirklich paßt.
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Charleston1966
Mi Jul 01 2020, 21:29
Dabei seit: Mo Nov 12 2012, 11:19
Wohnort: Im Schwabenländle
Einträge: 400
Guten Abend,

grundsätzlich sind die meisten Bearbeitungsprogramme für Schallplatten auf Vinyl Schallplatten ausgelegt und für die speziellen Anforderungen für die Bearbeitung von Schellackplatten nicht unbedingt geeignet. Außerdem sind sämtliche standardmässigen Phonovorverstärker, ob im Plattenspieler verbaut oder als USB Vorverstärker oder wie auch immer, für Vinylplatten gedacht und somit haben sie die für Schellackplatten falsche RIAA Entzerrkurve, die allenfalls auf Schellacks der späten 50iger Jahre halbwegs brauchbar angewendet werden kann. Deshalb klingen die Aufnahmen meist dumpf und muffelig, da bei der RIAA Kurve die Höhen zu stark abgesenkt werden. Ideal wäre den im Plattenspieler eingebauten Vorverstärker zu umgehen über den Mikroeingang des Laptops die Aufnahme tätigen zum Beispiel mit Audacity um dann via EQ die richtige Entzerrkurve einzustellen, Wenn sich der Phonopreamp nicht umgehen lässt dann müsste die RIAA Kurve invertiert und gegen die richtige Kurve ausgetauscht werden. Das wäre die kostengünstigste Lösung. Besser wäre natürlich einen Vorverstärker der für die verschiedenen Entzerrkurven der Schellackzeit ausgelegt und umschaltbar ist zu benutzen. Ich gehe mal davon aus bei dem verwendeten System handelt es sich um eines aus der Ortofon OM oder OMB Serie mit Nadel 78 die normal um die 65µ haben müsste und sphärischen Schliff .


LG Karlheinz

[ Bearbeitet Mi Jul 01 2020, 21:32 ]
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obbbs
Do Jul 02 2020, 00:38
Dabei seit: Mo Aug 08 2011, 23:10
Einträge: 42
Ich kann Karlheinz nur beipflichten! Zur noch leichteren Verständlichkeit sei es erlaubt, das ihm vorschwebende Verfahren (seinerzeit auch von 'Gast' Brillantspecial hier im Forum vorgestellt), das ich übrigens selbst seit langer Zeit erfolgreich praktiziere, mit ganz einfachen Worten zu umreißen: Man verbinde den Ausgang des Plattenspielers, ohne dabei irgendeinen Vorverstärker zu benutzen (!), via Microeingang mit dem Rechner und zeichne das Signal mit Audacity auf. Das Signal ist dabei so schwach, daß es kaum sichtbar ist. Es läßt sich aber mit den Funktionen von Audacity ganz einfach anheben. Dann besteht, ebenfalls mit Audacity, die Möglichkeit, die Aufnahme zu entzerren (Funktion Equalizer). Man kann dabei zwischen vorgegebenen Schellack-Entzerrkurven wählen, oder aber (und dazu rate ich) die Entzerrkurve nach Erfahrung und Gehör selbst festlegen (Anregungen zur Kurvengestaltung finden sich im Forum). Auch das Entknacken und Entrauschen ist - wenngleich nicht ideal - mit Audacity machbar, aber allein schon die beschriebenen Schritte dürften erst einmal zu einem brauchbaren Digitalisat führen.

BG, Oliver
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Rundfunkonkel
Do Jul 02 2020, 01:00
Dabei seit: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Einträge: 1114
veritas schrieb ...

Moin!

Grundsätzlich kommt man mit einer simplen RIAA-Entzerrung sehr weit und kann später oder on-the-fly mit einem Equalizer korrigieren.

Zunächst macht es einmal Sinn zu klären, wie hier kein Baß vorhanden sein kann: Von welchem Schellack-Zeitalter sprechen wir hier eigentlich? 1890er, 1910er, 20er, 30er, 40er oder 50er? Und was für einen Nadelträger mit welcher Verrundung verwendest Du denn?

Bei den on-Board-Soundkarten handelt es sich meistens um einen der verbreiteten RealTeak-Chipsätze, die wirklich besser als ihr Ruf und für den ohnehin niedrigen Rauschabstand bei Schellacks allemal gut genug sind. Allerdings frage ich mich: Hat die überhaupt noch einen dedizierten Eingang für Line-In? Viele davon, gerade bei Notebooks, haben nur noch einen für Mikrofon, der da nicht wirklich paßt.


Diese Themen finden sich irgendwo in den Untiefen des Forums ebenfalls wieder. Eine doppelte Umwandlung ergibt Verluste. Wieso sollte man mittels RIAA die Höhen bis in den unhörbaren Bereich unterdrücken, um ihn nachher - Pi mal Daumen - mit einem EQ wieder inkl. verstärktem Rauschpegel hochzuziehen ?

Dank einer Sammlung von Notebooks (nein, keine "nur-zehn-Stück-Sammlung" !) möchte ich beruhigen: bei relativ vielen Geräten taugt der Mic-Eingang als Line-In, auch wenn ein Line-In durchaus rauschfreier sein kann. Es gibt eine Vielzahl an Audio-Chips in allen Preislagen und Qualitäten, nicht nur die genannte Marke. Allerdings sollte man sich zusätzlich einen linearen Vorverstärker besorgen zum Signalpegel anpassen, was gern eine billige Bausatz-Platine, z. B. mit zwei Transistoren sein kann. Auch das Thema dürfte hier schon irgendwo im Forum schlummern. Uli hätte sicherlich die Links gewusst .

Ich bitte nun aber den Threadersteller um weitere Erläuterungen, da ohne genaue Infos das ganze in Kaffeesatzleserei endet.

Hat der genannte Plattendreher eine Umschaltung des Vorverstärkers auf linear? Falls es das verbreitete OMB... System ist, damit haben andere Forenfreunde gute Ergebnisse erreicht, daran liegt es sicher nicht. Und mit der üblichen Verrundung der Nadel von 65µm kommt man auch schon recht weit.


[ Bearbeitet Do Jul 02 2020, 01:05 ]
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veritas
Do Jul 02 2020, 17:32
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 511
Rundfunkonkel schrieb ...

Diese Themen finden sich irgendwo in den Untiefen des Forums ebenfalls wieder. Eine doppelte Umwandlung ergibt Verluste. Wieso sollte man mittels RIAA die Höhen bis in den unhörbaren Bereich unterdrücken, um ihn nachher - Pi mal Daumen - mit einem EQ wieder inkl. verstärktem Rauschpegel hochzuziehen ?


Gaaanz einfach: Das Ding ist vorhanden (ich weiß, banal... ). Die Verstärkung bringt, mit oder ohne Entzerrung, eine möglichst nahe am Tonabnehmer gelegene Pegelanhebung von einstelligen mV-Werten auf einen dreistelligen Bereich. Somit ist selbst der abgesenkte Teil noch "hörbarer" als das unverstärkte Signal. Einen Computer direkt an einem unverstärkten Tonabnehmer anzuschließen ist ein absolutes EMV-No-Go.


Rundfunkonkel schrieb ...

Und mit der üblichen Verrundung der Nadel von 65µm kommt man auch schon recht weit.

Wenn es sich um Platten der 40er-Jahre und später handelt, sicherlich. Frühere Exemplare brauchen regelmäßig 76-90µm.


Jetzt bin ich aber auch auf die Details von OP gespannt.
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