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Foren > Schellackplatten > Diskussionskreis Schellackplatten > Technik
Frequenzgrenzen bei Schellackplatten
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Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Limania, DGAG, Der_Designer
Autor Eintrag
Gast
So Feb 26 2012, 16:40
Gast
Muß mich Nils anschliessen, mir war schon länger klar dass da mehr ist, wenn auch die Techniker früher es selbst nicht wußten, denn beim Cleanen der Wagner Bayreuth Serie ist mir aufgefallen dass es sich fatal auswirkt, das Rauschen des Schellacks mittels Equalizer zu dämpfen.
Da ist auf einmal die ganze Brillanz weg.
Und wenn ich bei Youtube vergleiche zwischen den einzelnen Clienten, wie gecleaned wird, so empfinde ich alle Aufnahmen als ungenügend, bei denen obere Frequenzen abgeschnitten wurden (siehe Hörbeispiele weiter oben im Thread).

Außerdem ist mir, dank der Bereitstellung von hervorragend erhaltenen akustischen Aufnahmen, schon länger aufgefallen, dass auch die akustische Aufnahme mehr konnte als man ihr heutzutage gönnt.
Das liegt sicher daran, dass bei Abspielen solcher Aufnahmen mittels Stahlnadel die hohen Brillanzen als erstes weggehobelt werden. So klingen 98% der akustischen Aufnahmen die man zu hören bekommt dumpf und stumpf.

Wer mal eine brillantere akustische Aufnahme hören möchte, der suche bei youtube im Kanal SchreibenderEngel Wien, du Stadt meiner Träume und achte mal auf das gesungene "s" von Albert Schäffer. Auch hörenswert der Isartaler Ländler in diesem Kanal, ebenso tonumfangreich erhalten. Das sind aber auch Platten die haben vielleicht zwei dreimal ne Nadel gesehn in ihrem Leben.

Gruß Gerhard
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_-_-_
So Feb 26 2012, 16:45
Dabei seit: Do Mai 12 2011, 09:46
Einträge: 270
Also ich finde, man hört deutlich einen Unterschied zwischen dem 16 kHz, 12,5 kHz und 10 kHz Frequenzschnitt. (Gehört mit Teufel-2.0-Lautsprechern)



[ Bearbeitet Mo Apr 02 2012, 18:24 ]
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Gast
So Feb 26 2012, 17:13
Gast
Hier noch zum Vergleich der von mir nach Gehör erstellten Equalizerkurve in meinem Cleaning Programm zu Uli´s Kennlinie für ffrr Aufnahmen.







[ Bearbeitet So Apr 01 2012, 09:57 ]
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RF-Musiker
So Feb 26 2012, 18:46
Dabei seit: Do Sep 15 2011, 11:21
Wohnort: Berlin
Einträge: 363
Wobei ich aber feststellen muss, dass bei 10 kHz Tiefpass der Klang angenehmer ist, weil weniger verzerrt. Die anderen Versionen klingen, als wenn man alles durch einen falsch eingestellten Ecxciter gejagt hat.
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Formiggini
So Feb 26 2012, 18:57
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Die Überspielung erfolgte ohne jegliche Absenkung der Höhen mit einem geradlinigen Vorverstärker. Nur die Bässe wurden nachträglich angehoben.
Es ging mir hier nicht um eine gute Digitalisierung, sondern darum festzustellen, was an Höhen aufgezeichnet wurde.

Zum "Hören", bzw als echte Musikdatei muss bei Aufnahmen aus den 50er Jahren, auch auf Schellackplatte eine Höhenabsenkung erfolgen - dies fand hier nicht statt.

Angenehmer mit abgesenkten Höhen ist die Aufnahme allemal
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Willi-H-411
So Feb 26 2012, 20:31
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
So, ich habe mir nun auch die Beispiele von Uli über Kopfhörer angehört und mit Befriedigung festgestellt, daß mein Gehör wohl doch noch nicht vergreist oder durch Bassboxen von irgendwelchen Clubs abgestumpft ist.

Die Unterschiede waren in der Tat hörbar. Aber, wie es RF-Musiker auch schon angemerkt hat, klingt die Aufnahme mit der 10 KHz Beschneidung am besten. Und das liegt eben daran, daß die Aufnahme für die Wiedergabe nicht korrekt entzerrt war. Die Höhen sind zwar vorhanden, aber wie hoch ist deren Klirrfaktor? Wie aus dem Diagramm von Grammophonteam zu ersehen ist, müssen die Höhen abgesenkt werden. Bei 10 KHz um ca. 6 dB.

Wenn man bestimmen will, wie groß der wiedergegebene Frequenzbereich ist, muß muß man sich hierbei an die Normen halten, die festgelegt wurden, um den Frequenzbereich zu benennen. U.a. darf der zu übertragende Frequenzbereich nur in einem bestimmten Umfang in dB schwanken. Soweit ich weiß, dürfen hier +-3 dB nicht überschritten werden. Außerdem darf der Kirrfaktor nur eine bestimmte Größe haben. Wenn ich mich nicht irre, sind das etwa 1,5%. Fällt die Frequenz nach oben stärker als diesen erlaubten Wert ab oder ist der Wert des Klirrfaktors größer, als der, den die Norm vorgibt, so werden diese Frequenzen für die Angabe des Frequenzumfanges nicht mehr berücksichtigt.

Hinzu kommt bei diesem Beispiel, daß es viel zu jung ist und mit der vorangegangenen Streitfrage nichts mehr zu tun hat. Denn diese bezog sich auf Aufnahmen, die in den 30er und 40er Jahren gemacht wurden.

Um darauf zurückzukommen und auch auf den Wert von 6.400 Hz, um den es ja dabei ging: Es wird durchaus so sein, daß auch noch höhere Frequenzen bei solchen Schellackplatten vorhanden sind, aber entweder sind sie leiser, als 3 dB und/oder der Klirrfaktor ist höher. Es ist ja nicht so, daß über 6.400 Hz plötzlich alles abgeschnitten war, so wie man das mit einem sehr steilflankigen Filter machen kann. Die höheren Frequenzen wurden stetig leiser und somit für das menschliche Ohr nicht mehr "brauchbar".

Auch hierzu muß man sich einer Tatsache bewußt sein, daß nämlich das menschliche Ohr bei gleichzeitig auftretenden Geräuschen oder Tönen, nur einen relativ "kleinen" Dynamikbereich wahrnehmen kann. Ein Beispiel: Sitzt man in einen ruhigen Zimmer, kann man eine Wanduhr ticken hören. Schaltet man nun den Staubsauger ein, tickt die Wanduhr zwar immer noch, aber das Ohr kann sie nicht mehr wahrnehmen.

Genauso ist das bei den höheren Frequenzen, wenn sie zu stark abfallen: Die normal lauten Töne sind nun zu laut, als daß das Ohr die hohen leisen Töne noch wahrnehmen könnte. Es kommt also nicht nur darauf an, wie hoch die höchsten noch aufgenommenen Frequenzen sind, sondern mit wieviel dB sie noch auf dem Tonträger vorhanden sind. All das darf bei einer Diskussion über dieses Thema nicht übersehen werden. Denn sonst fehlen die Grundlagen zu einer objektiven Herangehungsweise und man verzettelt sich.

Abschließend noch mal zu dem Artikel aus der Funkschau aus dem Jahre 1929. Uli hatte angemerkt, da sei einiges widersprüchlich. Das finde ich nicht. Es ist recht gut dort erklärt, sofern ich da nicht was falsch verstanden habe:

Es wird dort davon berichtet, daß es gelungen sei, mit Galtonpfeifen erzeugte Töne bis zu 10000 Hertz auf die Platte zu schreiben. Ich nehme nun mal an, daß es sich um sehr reine Töne, ähnlich eines Sinustones, handelte. Außerdem wurden sie wohl bei Vollaussteuerung gemacht. Danach wird erklärt, weshalb bei normaler Musikaufzeichnung eine solche Frequenz nicht erreicht werden kann:

Könnte die Schriftzuggröße schuldig sein? Der Referent glaubt dies, denn die maximale Schriftzuggröße (nach einer Seite) ist 0,065 mm. Sie muß vorbehalten bleiben für den tiefsten Ton innerhalb eines Klangbildes. Sagen wir z. B. etwa das tiefe G der menschlichen Baßstimme, für das wir eine Schwingungszahl von 100 Hertz annehmen können. Bei einem Ton von 200 Hertz und der gleichen Wiedergabelautstärke brauchen wir nur die halbe Amplitude. Bei 400 Hertz wieder die Hälfte von derjenigen bei 200 usw. Die Grenze liegt nun ganz einfach da, wo die Nadelspitze noch die kleinstmögliche Ausbuchtung erfassen kann. Gingen wir von 0,065 mm als der größtmöglichen Ausbuchtung aus, so dürfte die kleinstmögliche vielleicht bei 0,00065 mm liegen, also 1:100. Wenn wir nun annehmen (und in der Praxis dürfte dies zutreffen), daß bei 200 Hertz die größtmögliche Amplitude von 0,065 mm gegeben ist, so ergibt sich folgende Reihe immer gleiche subjektive Lautstärke vorausgesetzt):
200 = 0,065 mm
400 = 0,030 mm
800 = 0,0015 mm
1600 = 0,00075 mm.

Bei einem Grundton von 1600 Hertz dürfte also wahrscheinlich die Grenze liegen. Wenn wir nun rechnen, daß die dritte Harmonische in der Kurvenform des Grundtones noch sehr stark ausgeprägt ist (durch Abweichung von der Sinusform), so würde die höchste subjektiv hörbare Frequenz bei der Maximallautstärke 6400 Hertz betragen.


Das müßte für die Schellackplatten gelten, die unter 200 Hz mit konstanter Amplitude und über 200 Hz mit konstanter Schnelle geschnitten wurden. In den 1950er Jahren wurde dieser Wert auf 500 Hz verlegt. Es wurde also erst ab 500 Hz mit konstanter Schnelle geschnitten. Dadurch konnten die Platten lauter ausgesteuert werden, und somit konnte auch der brauchbare Frequenzbereich nach oben hin erweitert werden. Außerdem wurden nun auch die Höhen beim Schneiden angehoben.

VG Willi

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SchellackFreak
Do Mai 05 2016, 14:10
SchellackFreak

Dabei seit: Mi Sep 16 2009, 22:06
Einträge: 481
Nachdem immer mal wieder etwas Ungläubigkeit aufkommt, was bei Schellackplatten schon möglich war, hier ein weiteres Beispiel. Um 1931 hatte Western Electric ihr Aufnahmesystem weiter verbessert. Ab 1932 begann die Victor in Amerika kommerziell Platten nach dem neuen Verfahren zu veröffentlichen. Alle in der Bestellnummern-Serie 24xxx

Aufgenommen wurde mit mindestens zwei Mikrofonen für das Orchester und eines für Sänger. Die Frequenzen waren bis etwa 14 Khz fast gleichmäßig, erst danach fällt die Kurve ab. Außerdem soll auch eine andere Schneidekurve angewendet worden sein. Dazu verwendete man ein besonders rauscharmes Pressmaterial für die Schellackplatten. Umdrehungen normal bei 78. Der Klang ist jedenfalls für eine Aufnahme aus den frühen dreißiger Jahren erstaunlich und zeigt was technisch, auch mit den damaligen Schneidköpfen, schon möglich war.

LET'S BEGIN
PAUL WHITEMAN & HIS ORCHESTRA
.
Victor 24453-A (78510-1)
NY, 3. November 1933


Teilweise gab es auf einer Plattenseite eine Aufnahme nach dem neuen Verfahren, auf der anderen eine nicht ganz so gut klingende nach dem bekannten. Leider war auch hier die Wiedergabetechnik noch nicht so weit. Diese „HiFi“-Platten nutzten sich stärker ab. Dazu beschwerten sich vor allem Besitzer von Jukeboxen über den „schlechten Klang“ auf den frühen, elektrischen Plattenspielern – sie hätten einen zu „metallischen“ Klang. Ende 1934 stellte die Victor die Produktion dieser Platten wieder ein oder verschlechterten wieder künstlich das Klangbild zu „dumpfer“.


Um doppelte Einträge zum gleichen Thema zu vermeiden, habe ich den Thread Die höchstmögliche Frequenz bei Schellackplatten geschlossen und den Verlauf mit hier in den schon bestehenden Eintrag kopiert. So bleibt das Thema zusammen.

(Zur vollen Auflösung/Lesbarkeit Bild anklicken)


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RF-Musiker
Do Mai 05 2016, 21:19
Dabei seit: Do Sep 15 2011, 11:21
Wohnort: Berlin
Einträge: 363
Es klingt erstaunlich.
Aber es ist auch verständlich, dass Jukeboxen auf die "normalen" Schallplatten abgestimmt waren, die schonende Wiedergabe von Schallplatten so noch nicht üblich war.
Was das rein technische angeht, hätte es die modernen Langspielplatten wirklich schon 1935 geben können, Vinyl gab es, hochwertige Schneidtechnik, man wusste auch schon, wie man schmale Rillen schneidet, aber die Leute wollten immer noch Schallplatten ohne Strom abspielen.
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SchellackFreak
Do Mai 05 2016, 21:42
SchellackFreak

Dabei seit: Mi Sep 16 2009, 22:06
Einträge: 481
Hallo Ronny,

ja - rein technisch wäre eine moderne Schallplatte in "fast HiFi" um 1935 möglich gewesen. Es waren wohl ausschließlich wirtschaftliche Gründe, warum die Einführung und Umsetzung dann doch scheiterte. Erst musste die Wirtschaftskrise "verdaut" werden, für neue, hochwertige Abspielgeräte fehlte das Geld - dann kam der Krieg.

Ähnlich ja auch beim Auto - auch hier war ein technisch moderner Volkswagen (auf beiden Seiten des Ozeans) fertig, oder auch das Fernsehen.... Trotzdem dauerte es gut weitere 20 Jahre, bis sich die breite Bevölkerung motorisieren konnte oder in die Röhre guckte.
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Willi-H-411
Do Mai 05 2016, 22:40
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
Da RFO die Ambrosz-Polka angesprochen hatte, hier ein Bild, welches mehr als tausend Worte sagt:


Wie unschwer zu erkennen ist, endet der Frequenzgang bei etwas unter 7 KHz.


Das Beispiel von SchellackFreak schneidet auch nicht besser ab:



Hier enden die Nutzfrequenzen ebenfalls bei unter 7 KHz. Die Spitzen, die man sehen kann, sind die bösen Verzerrungen.


Was ich hier mal vorgerechnet hatte, waren theoretisch mögliche Frequenzgänge, die jedoch an den damals vorhandenen Schneideköpfen scheiterten. Daher halte ich es für sehr wahrscheinlich, daß die Produktion der hier vorgestellten Victor-Platten vor allem auch deswegen eingestellt worden ist, da man festgestellt hat, daß man sich viel zu große Verzerrungen einhandelt.

Es wurden erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre Schneideköpfe entwickelt, mit denen man den Frequenzgang auf 15 KHz erweitern konnte. Das ist nun mal ein Fakt. Die Begrenzung bei den Schellackplatten vor 1950 unter 10 KHz, teilweise sogar unter 8 KHz, war daher wohl darin begründet, daß die Schneideköpfe ansonsten zu sehr verzerrten.

Wie gesagt: Theoretisch ist vieles möglich. Man kann auch bei einem Tonbandgerät mit 2,4 cm/s durch Anhebung der hohen Frequenzen bei der Aufnahme den Frequenzbereich auf über 10 KHz anheben, nur möchte sich das niemand anhören, da es vollkommen verzerrt klingt.

VG Willi

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SchellackFreak
Do Mai 05 2016, 22:54
SchellackFreak

Dabei seit: Mi Sep 16 2009, 22:06
Einträge: 481


Wenn Du der Meinung bist, hier hört die Aufnahme um die 7 Khz auf, und der Rest seien nur Verzerrungen, die den Höreindruck nicht positiv beeinflussen, sei dir diese Meinung vergönnt.
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snookerbee
Do Mai 05 2016, 23:02
"Urgestein"

Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 1755

Wenn überhaupt, dann sollte das Frequenzdiagramm in einer beseren Auflösung gezeigt werden. Hier ein Auszug aus den US-Aufnahme von Yannick. Persönlich kann ich nicht erkennen, wo da Verzerrungen anfangen und wo Nutzsignal aufhört. Am stärksten werden die Signale um 3 Khz dargestellt. Um 7 kHz gibt es keinen erkennbaren Abfall bei diesem Ausschnitt.



VG Claus

[ Bearbeitet Do Mai 05 2016, 23:04 ]
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SchellackFreak
Do Mai 05 2016, 23:17
SchellackFreak

Dabei seit: Mi Sep 16 2009, 22:06
Einträge: 481
Ein Stück aus der Aufnahme von oben. Bei 7 Khz habe ich immer wieder eine Absenkung an und ausgeschaltet. Der Unterschied ist so gut hörbar, dass ich es mir spare die Stellen einzeln aufzuführen.

.


Ob diese Anteile, die ja auf der Platte sind und aufgenommen wurden, positiv den Höreindruck beeinflussen, muss eben jeder selbst für sich entscheiden.
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Willi-H-411
Do Mai 05 2016, 23:27
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
Na ja, so einfach ist die Sache ja nun wieder auch nicht.

Es gibt nicht nur optische, sondern auch akustische Täuschungen. Es sind ja "Informationen" oberhalb von 7 KHz vorhanden, auch wenn es sich um Verzerrungen handelt. Unser Ohr bekommt aber nun mal diese Frequenzen "angeboten" und macht daraus "brauchbare" Töne. Die Musik hört sich dadurch, subjektiv betrachtet, besser an.

Die Frage ist nur: Wovon reden wir hier?

Wenn man über einen brauchbaren Frequenzgang spricht, so darf man nicht die Frequenzen hinzunehmen, die zwar irgendwie vorhanden, aber verzerrt vorhanden sind. Dabei spielt der Klirrfaktor eine sehr große und wichtige Rolle. Der darf, wenn ich mich recht erinnere, laut HiFi-Norm nicht größer als 1% bis maximal 1,5% sein. Dieser Wert wird jedoch bei der vorliegenden Aufnahme sehr deutlich überschritten.

Von daher war es also für die damaligen Tontechniker eine Gradwanderung, wie hoch man den Klirrfaktor zulassen soll, um die Verzerrungen möglichst gering zu halten, die hohen Frequenzen jedoch nicht zu früh abzuschneiden, damit die Musik nicht zu dumpf klingt.

Und dann stellt sich eine weitere Frage: Wie ist es korrekt, und was gefällt besser?

Es gibt Leute, die bei ihrer Stereo-Anlage die Regler für Bässe und Höhen voll aufdrehen - weil es ihnen so gefällt. Unter HiFi-Gesichtspunkten ein absolutes No-Go, wie es ja so schön auf Neu-Deutsch heißt. Ich empfinde eine Schellacküberspielung besser, die weniger Klirrfaktor aufweist, auch wenn sie dadurch vielleicht etwas dumpfer ist. Die damalige Technik hat eben bei einem geringen Klirrfaktor keine höheren Frequenzen zugelassen. Hat man den Frequenzgang nach oben hin erweitert, wurde auch der Klirrfaktor größer.

VG Willi

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SchellackFreak
Do Mai 05 2016, 23:36
SchellackFreak

Dabei seit: Mi Sep 16 2009, 22:06
Einträge: 481
Gut, dann lasse ich dir die Meinung, dass es sich bei der besser werdenden Aufnahmequalität in den dreißiger Jahren um akustische Täuschungen handelt.
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Formiggini
Fr Mai 06 2016, 07:40
Seitenbetreiber

Dabei seit: Di Dez 28 2010, 19:20
Einträge: 1759
Hallo,

nur zwei Fragen:

Es wurden erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre Schneideköpfe entwickelt, mit denen man den Frequenzgang auf 15 KHz erweitern konnte. Das ist nun mal ein Fakt. Die Begrenzung bei den Schellackplatten vor 1950 unter 10 KHz…


Welche (historischen) Schneideköpfe stehen dir in deiner Sammlung zur Verfügung und wie hast du diese vermessen, um zu der Aussage zu kommen, dass dies ein Fakt sei? Dein „Fakt“ wiederspricht nämlich einfach dem, was uns auf den alten Schallplatten überliefert ist. Die EMI stellte z.B. mit der JG.449 eine schon im Juli 1948 aufgenommene Frequenzplatte mit einem linearen Verlauf bis 20.000 Hz vor (Quelle: Peter Copeland, "Manual of Analoque Sound Restoration Techniques", British Institute of Recorded Sound).

Hier enden die Nutzfrequenzen ebenfalls bei unter 7 KHz. Die Spitzen, die man sehen kann, sind die bösen Verzerrungen.


Auch hier die ganz wichtige Frage: Wie hast du dies gemessen? Extern mit z.B. einem Oszilloskop oder mit einer Software. Wenn am PC, welches Programm hast du verwendet. Leider ist mir (noch) kein günstiges Programm bekannt, welches die Verzerrungen messen kann. Daher würde es mich sehr interessieren, mit welchen Mitteln du die Verzerrungen der Aufnahmen vermisst.

Sollte dies jedoch nicht auf Messungen beruhen, handelt es sich allerdings lediglich um deinen persönlichen Höreindruck ohne jegliche „Beweiskraft“ in der technischen Sache als solches. Dass man an die Aufnahmen der 30er und 40er Jahre nicht die "Messlatte" der späteren Hifi-Normen anlegen kann (Klirrfaktor, Verzerrungen etc.) , ist ja wohl klar. Deine generalisierte Aussage, dass es sich ab einer gewissen Frequenz (deiner Meinung nach wohl unter 10.000 Herz anzusiedeln) eigentlich nur noch um "Frequenzmüll" oder akustische Täuschungen handelt, halte ich persönlich für eine etwas gefährliche Verallgemeinerung.

Frequenzmessplatte der Victor bis 10.000 Hz, um 1931


Grüße
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veritas
Fr Mai 06 2016, 08:49
Dabei seit: Do Jun 28 2012, 17:52
Wohnort: Allgäuer Provinzpampa
Einträge: 461
SchellackFreak schrieb ...

Ein Stück aus der Aufnahme von oben. Bei 7 Khz habe ich immer wieder eine Absenkung an und ausgeschaltet. Der Unterschied ist so gut hörbar, dass ich es mir spare die Stellen einzeln aufzuführen.


Sehr interessant. Nach meinem Höreindruck klingt die Aufnahme mit zugeschalteter Absenkung viel ausgeglichener. Der Klirrfaktor muß in der Tat noch ganz enorm gewesen sein. Da klingeln mir fast schon die Ohren.

Das größte Problem dürfte die heimische Wiedergabe gewesen sein. Gerade die ab ca. 1930 von Victor neu eingeführten Inertia-Tonarme sind mit ihrem exzessiven Auflagegewicht nicht wirklich für die Hochtonwiedergabe geeignet, ganz zu schweigen von der dahinter verbauten Elektrik.

Welche Entzerrungskurve hast Du eigentlich bei der Überspielung verwendet, also Turnover / Bass Rolloff? Bei Victor war man ja sehr experimentierfreudig.
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Rundfunkonkel
Fr Mai 06 2016, 09:53
Dabei seit: So Jul 03 2011, 16:48
Wohnort: Umkreis Köln
Einträge: 1080
veritas schrieb ...

SchellackFreak schrieb ...

Ein Stück aus der Aufnahme von oben. Bei 7 Khz habe ich immer wieder eine Absenkung an und ausgeschaltet. Der Unterschied ist so gut hörbar, dass ich es mir spare die Stellen einzeln aufzuführen.


Sehr interessant. Nach meinem Höreindruck klingt die Aufnahme mit zugeschalteter Absenkung viel ausgeglichener. Der Klirrfaktor muß in der Tat noch ganz enorm gewesen sein. Da klingeln mir fast schon die Ohren.

Das größte Problem dürfte die heimische Wiedergabe gewesen sein. Gerade die ab ca. 1930 von Victor neu eingeführten Inertia-Tonarme sind mit ihrem exzessiven Auflagegewicht nicht wirklich für die Hochtonwiedergabe geeignet, ganz zu schweigen von der dahinter verbauten Elektrik.


Gegenfrage: was hat die Wiedergabe der Höhen mit der Auflagekraft zu tun? Meines Erachtens (und anhand diverser elektrischer Schalldosen als Beispiel) nach ist die Rückstellkraft und Masse des schwingenden Teiles des Systems hauptsächlich dafür verantwortlich, und nicht der Druck. Es handelt sich um Seitenauslenkungen, nicht um mehrdimensionale wie bei stereophonen Aufnahmen späterer Jahrzehnte.

Die Audioqualität dürfte u.a. auch etwas der Dateigröße geschuldet sein; es ging hierbei auch nicht um das untere Ende des Frequenzspektrums (Entzerrung), sondern um das obere, welches je nach Jahr/Firma/Land ohne Veränderung geschnitten sein kann. Aber wem erzähle ich das eigentlich...


[ Bearbeitet Fr Mai 06 2016, 09:54 ]
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Willi-H-411
Fr Mai 06 2016, 10:15
Dabei seit: Mi Okt 12 2011, 11:42
Wohnort: Ruhrpott
Einträge: 1368
veritas schrieb ...

SchellackFreak schrieb ...

Ein Stück aus der Aufnahme von oben. Bei 7 Khz habe ich immer wieder eine Absenkung an und ausgeschaltet. Der Unterschied ist so gut hörbar, dass ich es mir spare die Stellen einzeln aufzuführen.


Sehr interessant. Nach meinem Höreindruck klingt die Aufnahme mit zugeschalteter Absenkung viel ausgeglichener. Der Klirrfaktor muß in der Tat noch ganz enorm gewesen sein. Da klingeln mir fast schon die Ohren.

Es scheint also nicht nur meinen Ohren so zu ergehen.


Formiggini schrieb ...

Hallo,

nur zwei Fragen:

Es wurden erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre Schneideköpfe entwickelt, mit denen man den Frequenzgang auf 15 KHz erweitern konnte. Das ist nun mal ein Fakt. Die Begrenzung bei den Schellackplatten vor 1950 unter 10 KHz…


Welche (historischen) Schneideköpfe stehen dir in deiner Sammlung zur Verfügung und wie hast du diese vermessen, um zu der Aussage zu kommen, dass dies ein Fakt sei? Dein „Fakt“ wiederspricht nämlich einfach dem, was uns auf den alten Schallplatten überliefert ist. Die EMI stellte z.B. mit der JG.449 eine schon im Juli 1948 aufgenommene Frequenzplatte mit einem linearen Verlauf bis 20.000 Hz vor (Quelle: Peter Copeland, "Manual of Analoque Sound Restoration Techniques", British Institute of Recorded Sound).


Hier muß ich mich korrigieren: Es war schon 1952, daß man den Frequenzumfang auf 15 KHz erhöhen konnte. Diesen Fakt habe ich dem Buch "Tonaufzeichnung analog - Mit Platte und Magnetband bis an die physikalischen Grenzen", von Bernhard Krieg, entnommen:

1952: Einführung gegengekoppelter Schallfolienschreiber. Ausweitung des Übertragungsbereiches bis 15 KHz, vernachlässigbarer Klirrfaktor.


Was die von dir beschriebene EMI-Testplatte betrifft: Wie wurde sie geschnitten? War es in Echtzeit, oder hat man sie mit langsamerer Geschwindigkeit geschnitten? Das macht nämlich einen sehr großen Unterschied aus.


Formiggini schrieb ...

Frequenzmessplatte der Victor bis 10.000 Hz, um 1931



Und auch hier wieder dieselbe Frage: Wurde die Platte in Echtzeit geschnitten? Und wofür wurde sie verwendet? Um zu zeigen, wie hoch die aufnehmbare Frequenz war, oder zum Testen von Abtastsystemen? Und warum hat man hier bei 10 KHz aufgehört wenn doch, wie hier ja immer wieder geschrieben wird, mehr möglich gewesen sein soll?

VG Willi
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